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Trimmis
24.04.2022
21.04.2022 13:50 Uhr

Goldgräberstimmung bei der Gevag

François Boone (v.l.), Franziska Knüsel und Jürg Kappeler freuen sich darüber, dass das wegweisende  Neubauprojekt der Gevag endlich losgehen kann.
François Boone (v.l.), Franziska Knüsel und Jürg Kappeler freuen sich darüber, dass das wegweisende Neubauprojekt der Gevag endlich losgehen kann. Bild: L. Steinmann
Vor gut einer Woche hat die Gevag zum symbolischen ersten Spatenstich ihres wegweisenden Bauprojekts mit dem Namen «Austragsystem und Schlackenbunker» einge- laden. Damit in Zukunft unter anderem zusätzlich 60 bis 70 Prozent an Metallen verschiedenster Art aus der Schlacke wiedergewonnen und dem Recycling zugeführt werden können, investiert das Unternehmen 17,7 Millionen Franken.

«Die Gevag verbrennt rund um die Uhr Kehricht aus dem ganzen Kanton Graubünden», sagte Franziska Knüsel, Verwaltungsrätin und Präsidentin Baukommission an der Medienorientierung anlässlich des Spatenstichs zum neuen Austragsystem und modernen Schlackenbunker am Mittwoch vor einer Woche in Trimmis. Dies entspreche rund 100 000 Tonnen pro Jahr. Ein Grossteil der Abwärme werde für die Fernwärmeversorgung der Stadt Chur und von Landquart/Zizers genutzt. Bei der Verbrennung bliebe zirka ein Viertel als Schlacke, das heisst rund 27 000 Tonnen pro Jahr zurück. «In dieser Schlacke hat es Metalle, die wiederverwendet werden», sagte sie weiter.

Zwölf Kilo Gold

Da die Gevag mit der aktuellen Anlage, die bereits 20 bis 30 Jahre auf dem Buckel hat, die Grenzwerte für die Metallabscheidung aus der Schlacke nicht mehr einhalten kann, stellt das Unternehmen von der heutigen Nass-Austragung der Schlacke auf Trockenaustragung um. «In der trockenen Schlacke liegen die Metallteile lose und korrodieren nicht, damit können sie einfacher und vollständiger zurückgewonnen werden», erklärte Franziska Knüsel. Diese Rückgewinnung werde bei der ZAV Recycling AG im zürcherischen Hinwil erfolgen. Unter den Nichteisen-Metallen fänden sich vor allem Aluminium, aber auch Zink, Nickel, Blei, Silber und Gold – von Letzterem laut der Präsidentin Baukommission immerhin zwölf Kilogramm pro Jahr.

Zwei Millionen Franken mehr

«Mit der Umsetzung des Projekts zum Trockenaustrag und der Beteiligung an der Trockenschlackenaufbereitung in der Hinwiler ZAV Recycling AG hat die Gevag die kurz- und mittelfristigen Herausforderungen bezüglich Kreislaufwirtschaft aufgenommen», betonte Verwaltungsratspräsident Jürg Kappeler. In der aktuellen Anlage könnten von den 27 000 Tonnen Schlacke, die bei der Verbrennung zurückblieben, 1700 Tonnen Metalle rückgewonnen und in die Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden. Im Jahr 2021 hätten dadurch Erlöse in Höhe von 300 000 Franken generiert werden können. Durch das wegweisende Bauprojekt «Austragsystem und Schlackenbunker» mit der Aufbereitung der Trockenschlacke in Hinwil ab 2024 können laut Kappeler zukünftig jährlich 700 Tonnen zurückgewonnen werden. Dies hätte im letzten Jahr beispielsweise zu zusätzlichen Erlösen von über zwei Millionen Franken geführt. «Ein weiterer positiver Effekt der intensivierten Schlackenaufbereitung ist, dass zur Deponierung der Restschlacke in Zukunft weniger Platz beansprucht wird», hielt der Verwaltungspräsident fest. Zudem werde infolge der zusätzlichen Metallrückgewinnung in Hinwil der CO2-Ausstoss der KVA Trimmis in Höhe von 88 000 Tonnen durch die zukünftige Gutschrift um 8000 Tonnen CO2 reduziert. Die CO2-Emissionen aus dem Schlackentransport nach Hinwil und zurück sind dabei vernachlässigbar gering, wie Kappeler festhielt.

Bild: L. Steinmann

Sieben Wochen Stillstand

Die Neuausrichtung, wofür die Gevag 17,7 Millionen Franken investiert, beinhaltet verschiedene bauliche Massnahmen, die vom Juni 2022 bis Dezember 2023 dauern werden. Zuerst werden die vorhandene Einrichtung zur Schlackenaufbereitung und die heutige Verladehalle zurückgebaut. Danach werden die neue Schlackenhalle sowie der moderne Schlackenbunker erstellt. Anschliessend erfolgt die Umrüstung der beiden Ofenlinien und der Rückbau des Provisoriums. Laut François Boone, Geschäftsführer der Gevag, wird das Unternehmen in Trimmis vor der grössten Herausforderung stehen, wenn 2023 die neuen Anlagenkomponenten in den bestehenden Betrieb eingebunden werden. Dies solle während den ordentlichen technischen Revisionszeiten der Ofenlinien geschehen. «In der Regel werden pro Verbrennungslinie und Jahr maximal drei Wochen für eine Revision vorgesehen», sagte der Geschäftsführer. Mit sämtlichen Zusatzarbeiten werde sich ein Stillstand von rund sieben Wochen pro Ofenlinie ergeben. «Die dadurch nicht verfügbare Verbrennungskapazität führt dazu, dass die in Graubünden anfallenden Abfälle nicht in der KVA Trimmis zur Energiegewinnung genutzt werden können», erklärt Boone. Die Gevag-Verantwortlichen rechneten damit, dass rund 7000 Tonnen in verschiedenen KVAs der Ostschweiz verbracht werden müssten.

Transport per Bahn

Gemäss künftiger Schlackenlogistik der Gevag sollen rund 23 000 Tonnen Rohschlacke pro Jahr nach Hinwil transportiert werden, wo die Metalle der Schlacke entnommen und dem Recycling zugeführt werden. Der verbleibende mineralische Anteil wird in den Deponien in Ilanz (Plaun Grond) und Cazis (Unterrealta) eingebaut. Der Transport der Schlacke soll grundsätzlich per Bahn erfolgen, wie der Geschäftsführer abschliessend sagte. Jedoch prüfe die Gevag auch Transportmöglichkeiten mittels LKW, die über ökologische Antriebe verfügten, wie beispielsweise elektrisch, auf Wasserstoffbasis oder mit Biodiesel.

Die ZAV Recycling AG (Zavre) ist ein von Schweizer Kehrichtverwertungsanlagen gemeinsam getragenes Unternehmen. Sie betreibt auf dem Areal der Kezo Hinwil seit 2016 eine industrielle Schlackenaufbereitungsanlage. Das Unternehmen ist vollständig im Eigentum der öffentlichen Hand. Aktionäre sind neben der Kezo Hinwil, der Entsorgung Zimmerberg Horgen, der Stadt Zürich, Limeco Dietikon, der Kebag AG Zuchwil SO auch die Gevag Trimmis, die mit einer Millionen Franken am Aktienkapital der Zavre beteiligt ist. 

Bei dem in Hinwil angewandten Aufbereitungsverfahren wird die Schlacke trocken aus den Verbrennungsöfen ausgetragen und nicht mehr mit Wasser gekühlt. Diese bringt im Vegleich zur Nassschlacke einen signifikant höheren Wirkungsgrad bei der Separation von Metallen, eine bessere Metallqualität sowie zuverlässigere Aufbereitungsprozesse mit sich. Die Metalle lassen sich in sortierter Form und hoher Reinheit in die entsprechenden Stoffkreisläufe zurückführen. Eine Wiederverwertung verursacht erheblich geringere Umweltbelastungen, schont primäre Ressourcen und benötigt wesentlich weniger Energie als die Erstgewinnung aus der Natur. Weitere Infos: www.zav-recycling.ch

Ladina Steinmann