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Herrschaft
27.04.2022

Ist die Strom- und Energieversorgung gefährdet?

Energieanlass mit Ständerat Martin Schmid (Mitte) und  den Grossratskandidaten der FDP Herrschaft – Andreas Zindel (v.l.), Lieni Kunz, Christof Kuoni und Seraina Donatsch.
Energieanlass mit Ständerat Martin Schmid (Mitte) und den Grossratskandidaten der FDP Herrschaft – Andreas Zindel (v.l.), Lieni Kunz, Christof Kuoni und Seraina Donatsch. Bild: zVg
Anlässlich des Energieanlasses der FDP Herrschaft hat Ständerat Martin Schmid die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Energieversorgung gezeigt. Aufgrund der Gefahrenlage und des Krieges in der Ukraine und den Engpässen an den Energiemärkten hat das Thema stark an Aktualität gewonnen und wurde erneut auf die Traktandenliste des Ständerates genommen.

Schmid machte Ausführungen über die neusten Ergebnisse der Elcom und bezeichnete die Ergebnisse als ernüchternd. Die sich in den kommenden Jahren verschärfende Abhängigkeit von Stromimporten im Winter nimmt bereits ab 2025 massiv zu und die Möglichkeit von Netzengpässen ebenfalls. Sogar die Fachbehörde Elcom warnt vor einer gefährdeten Versorgung bereits ab 2025. Für Schmid und auch für die FDP ist die Importabhängigkeit von mehr als zehn TWh deutlich zu riskant.

Der Zubau von Winterproduktion im Inland hat höchste Priorität. Der Hebel muss vorweg produktionsseitig angesetzt werden, um das schon heute bestehende Ungleichgewicht massiver Stromimporte im Winter zu korrigieren. Sparappelle helfen, lösen jedoch das Problem nicht. Verbrauchs-einschränkungen, Kontingente bis hin zu Netzabschaltungen sind keine Lösung und wären Sinnbild eines kompletten Politikversagens. Und noch so viel: neue AKWs sind, sofern solche von der Bevölkerung überhaupt erwünscht wären, kein echter Lösungsansatz.

Wirtschaftlich gibt es heute günstigere Technologien. Die frühere AKW-Technologie ist keine Lösung der heutigen Probleme. Die bestehenden AKWs müssen jedoch noch viel länger als geplant am Netz bleiben, um Zeit für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Gerade im Bereich der Wasserkraft wären grosse Potentiale vorhanden. Seit Annahme der Energiestrategie 2050 ist diesbezüglich jedoch (fast) nichts passiert. Die Projekte Klus (ab Küblis) oder Lago Bianco von Repower und die Überleitung Lugnez der KWZ sind zentrale Bausteine dieser Politik. Gesetzlich braucht es die Anpassung, dass die Produktion erneuerbarer Energien im nationalen Interesse ist. Bei Konzessionserneuerungen von Wasserkraftwerken ist dabei in Bezug auf den Gewässerschutz der Besitzstand zu wahren, solange die Schweiz im Winterhalbjahr ein Defizit an Stromproduktion aufweist. Schmid schlägt vor, dass zur Sicherstellung der Stromversorgungssicherheit die Interessen der Nutzung der Wasserkraft und Photovoltaik gegenüber dem Landschafts- und Umweltschutz vorgehen sollen, sofern ein Zielkonflikt besteht. Der Bestand der bestehenden Wasserkraftwerke ist in jedem Fall zu gewährleisten.

Bei neuen Photovoltaik- und Wasserkraftwerken ist eine umfassende Interessensabwägung gegenüber allen anderen öffentlichen Interessen zu gewährleisten. Und es ist im beschleunigten Verfahren über diese Projekte zu entscheiden. Sonst wird die Energiewende nicht erreicht, warnt Schmid.

Dabei ist der Zubau von Photovoltaik in grossem Stil unumgänglich, gerade auch vor dem Hintergrund der Elektrifizierung des Verkehrs und dem Zubau von Wärmepumpen im Gebäudepark. Und gleichzeitig muss sich Europa von Russlands Energieexporten unabhängig machen. Das muss schnell gehen, um die Sicherheit Europas zu erhöhen. Hier ist der Bundesrat und die Nationale Politik gefordert.

Der von den Grossrats-Kandidaten und der Grossrats-Kandidatin der Bündner Herrschaft moderierte Anlass verdeutlichte mit den abschliessenden Diskussionen die Brisanz und Komplexität des Themas.

Pressedienst