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Herrschaft
30.04.2022

«Wir führen nach wie vor Hausbesuche durch»

Rico Rieder, ist praktizierender Hausarzt und CEO der Gesundheitszentren Maienfeld  und Malans.
Rico Rieder, ist praktizierender Hausarzt und CEO der Gesundheitszentren Maienfeld und Malans. Bild: zVg
Die Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung mit Hausärzten ist in letzter Zeit immer wieder intensiv diskutiert worden. Vor allem in peripheren Gebieten ist es immer schwieriger, Ärzte zu finden, die diese wichtige Aufgabe übernehmen. Als mögliche Alternative sind in den letzten Jahren an mehreren Orten Gesundheitszentren entstanden. So in unserer Region unter anderem auch in Maienfeld und Malans. Über diese Entwicklung haben wir uns mit Rico Rieder, praktizierender Hausarzt und CEO dieser beiden Zentren, unterhalten.

P&H: Was ist das Merkmal der neuen Gesundheitszentren?
Rico Rieder: Wenn mehrere Ärzte zusammenarbeiten, entstehen Synergien. Einerseits sind dies Synergien zwischen den Hausärzten, bei denen beispielsweise auch eine Teilzeit-Tätigkeit möglich ist. Andererseits bewirkt die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Spezialärzten eine verbesserte medizinische Qualität.

Werden Hausärzte aussterben?
Für die einzelne Bürgerin und den einzelnen Bürger ist ein persönlicher Arzt wichtig, was in den meisten Fällen eben der Hausarzt ist. Dies garantiert eine persönliche Betreuung und eine Begleitung durch die verschiedenen medizinischen Anbieter. Hausärztin und -arzt zu sein, bedeutet jedoch eine Belastung. Viele junge Kolleginnen und Kollegen möchten dies nicht mehr auf sich nehmen. In Gesundheitszentren kann diese Belastung gemeinsam getragen werden. Damit kann die Behandlungs-Qualität sichergestellt werden und ebenso die Lebensqualität der Ärzte.

Sind Gesundheitszentren Lösung nur für dicht besiedelte Regionen? Wie sieht es in der Peripherie aus?
Selbstverständlich braucht es eine gewisse Anzahl Patientinnen und Patienten, um mehrere Ärzte und Spezialisten zu beschäftigen. Dank des Ausbaus der Verkehrswege in unserem Kanton in den letzten Jahren sind diese Gesundheitszentren auch für Patienten aus weniger dicht besiedelten Regionen gut zu erreichen. So decken beispielsweise ein Center in Arosa und eines in Chur das Schanfigg ab. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei jedoch, dass im Falle einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit des Patienten der Hausarzt vor Ort geht. Hausbesuche werden bei uns nach wie vor durchgeführt.

Führen Gesundheitszentren nicht zu einer erhöhten Nachfrage und damit zu noch mehr Kosten im Gesundheitswesen?
Im Gegenteil. Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten arbeiten zusammen. Damit können Patienten oft unbürokratisch und rasch gemeinsam beurteilt werden – und dies ohne lange Berichterstattung oder Doppeluntersuchungen. Daraus entstehen wie bereits erwähnt Synergien. Wir, das heisst unsere beiden Gesundheitszentren in der Region arbeiten sehr gut mit den konventionellen Hausärzten zusammen und bieten auch für diese ein breites Angebot an Spezialärzten.

Bereits mehrmals haben Sie in unserem Gespräch von Synergien gesprochen. Welche meinen Sie konkret?
Ich spreche in diesem Zusammenhang von Aus- und Weiterbildung, Rekrutierung von Ärzten (Spezialärzten, Hausärzten), Sekretariat, Praxisassistenz, technische Geräte und vieles mehr.

Obwohl das Gesundheitswesen zu den kostenintensivsten Aufgaben in unserem Staat gehört, gibt es wenig Ärzte, die in der Politik das Gesundheitswesen aktiv mitgestalten. Sie als Grossrats-Kandidat der SVP für den Kreis Maienfeld, würden dies in Zukunft im Grossen Rat tun, nehme ich an. Zum Abschluss: Was ist Ihre Begründung?
Ich möchte dort gerne mein Wissen und meine praktische Erfahrung einbringen, wenn es darum geht, unser Gesundheitswesen weiter zu entwickeln. Qualität und Kosten im Gesundheitswesen gehen nicht immer parallel. Oft geht es darum, die Zusammenarbeit aller Beteiligten zu optimieren (niedergelassene Ärzte, Spitex, Pflegeheime, Spitäler, Ämter, Versicherer). Die Harmonisierung der Zusammenarbeit aller Beteiligten würde allen Bürgern nutzen – und dazu die Kosten reduzieren.

Ladina Steinmann