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Prättigau
07.05.2022

Mit viel Power für die Erhaltung der Tradition

Die Formation «Prättigauer Power» erobert aktuell das Internet im Sturm.
Die Formation «Prättigauer Power» erobert aktuell das Internet im Sturm. Bild: C. Imhof
Vor wenigen Tagen haben die Eltern der Jungformation «Prättigauer Power» ein Video ihrer Kids für den Wettbewerb eines Kleiderherstellers online gestellt. Diese Aufnahme, bei der die Kapelle auf einem Baum ein Lied spielt, hat im Tal für Furore gesorgt und kaum jemand aus der Region hat den Newcomern nicht ihre oder seine Stimme gegeben. Einerseits ist das sicher der Frische der Musikanten geschuldet, andererseits ist es schön zu sehen, dass sie mit so viel Freude die Volksmusik zelebrieren.

Auch wenn sie erst seit knapp einem Jahr als Formation unterwegs sind, merkt man bei den vier Herren, dass sie ein sehr eingespieltes Team sind. Es tragen nicht nur alle die gleichen Kleider, auch sonst schlendern sie wie alte Profis und mit einer ansteckenden Freude in die P&H-Redaktion in Schiers und geben mir Auskunft zu ihrer bisherigen Musikkarriere.

Blindes Verständnis

Die Formation «Prättigauer Power» besteht aus den beiden Brüdern Lukas und Philip Joos aus Schiers und den beiden Seewisern Andri Jost und Laurin Aebli. Lukas, Laurin und Andri, alle mit dem Jahrgang 2010, haben mit ihren Schweizerörgeli schon im 2020 zusammen gespielt. Dank ihrem Lehrer Roland Peretti erhielten sie schon früh die Chance an sogenannten «Stubeten» Bühnenluft zu schnuppern. Doch für die Gründung der eigenen Kapelle habe dem Trio noch ein wichtiges Puzzleteil gefehlt, sagt Andri Jost, der mit seinem «Örgali» lieber begleitet als die Leitmelodie zu spielen. «Als Philip dann auf seinem Kontrabass uns begleiten konnte, waren wir endlich komplett. Inzwischen sind wir seit gut einem Jahr unterwegs als ‹Prättigauer Power›.» Das sei ein bisschen der bessere Name, als derjenige, den sie sich zuerst gegeben haben, sagt Lukas, der neben dem Spiel auch noch den Gesang bei der Kapelle übernimmt. «Zuerst hiessen wir ‹Prättigauer Flitzer› aber das haben wir dann irgendwann blöd gefunden. Mit dem Power im Namen fahren wir auf jeden Fall besser und er passt auch mehr zu uns.» Wenn die vier Wirbelwinde ihre ganze Power bündeln, könne es sein, dass sie durchaus zwei bis drei Stunden für die Leute aufspielen. Das sei für sie ein Kinderspiel, wie Lukas lachend erwähnt. Im Programm hat das Quartett dann neben Klassikern der Volksmusik, auch einige aktuelle Stücke wie beispielsweise den «Wellerman». «Sie sind nicht nur sehr gute Freunde», sagt die Mutter von Laurin, Claudia Aebli. «An den Konzerten haben wir jeweils das Gefühl, dass sie sich ohne grosse Worte und blind verstehen, was schon immer wieder eindrücklich ist.»

«Prättigauer Power» beweisen, dass Ländlermusik auch cool sein kann. Bild: C. Imhof

Faszination früh geweckt

Auch wenn die Ländlermusik bei den Gleichaltrigen nicht gerade hoch im Kurs ist, die vier Prättigauer sind begeistert von ihren Instrumenten und lieben es gemeinsam aufzutreten. «Wir lassen uns vom Musikgeschmack der Anderen nicht beirren», sagt Andri. Während er erst im Örgalilager so richtig auf den Geschmack gekommen ist, war für Lukas schon sehr früh klar, dass er gerne auch selbst Musiker werden will. «Meine Mutter hatte früher den Sternen in Schiers und man hat mir gesagt, dass ich schon als ganz kleines Kind bei Konzerten immer vorne ganz nahe bei der Bühne gesessen und aufmerksam zugehört habe.» Der jüngste der Formation, Philip (Jahrgang 2011) sorgt beim Quartett mit seinem viersaitigen Tieftöner für das nötige Fundament. Sein Bruder habe ihn ein wenig mitgezogen. «Ich habe zuerst elektrische Gitarre und auch Schlagzeug ausprobiert. Doch erst der Kontrabass hat mir so richtig gut gepasst.» Die Begeisterung für die volkstümliche Musik kam bei Laurin geografisch bedingt zu Stande. «Das Prättiziller Fest in Seewis hat bei mir die Freude für die Musik geweckt und bei der letzten Ausgabe hätten Andri und ich, wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre, sogar einen Auftritt gehabt.» An Engagements fehle es ihnen nicht im Moment, sagt auch Claudia Aebli. Das verwundert mich überhaupt nicht, denn die Freude am gemeinsamen Musizieren und auch die kindliche Begeisterung für die Materie ist extrem ansteckend, so dass die vier Musikanten mit viel Power Schwung in jedes Fest im Tal bringen könnten. Am 12. Mai spielen sie beispielsweise mit dem Bajazzo-Chörli in der Aula in Jenaz. Und wer weiss, wenn die richtigen Leute sehen, dass es in der Volksmusikbranche an Nachwuchs im Tal nicht mangelt, könnte es sogar sein, dass laut über einen Relaunch des Prätti-Ziller-Festes nachgedacht wird…

  • Philip Joos. Bild: C. Imhof
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  • Lukas Joos. Bild: C. Imhof
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  • Laurin Aebli. Bild: C. Imhof
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  • Andri Jost. Bild: C. Imhof
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Die nächsten Konzerte der Power-Jungs: 

12. Mai 2022 Bajazzo-Chörli-Konzert, Jenaz 
14. Mai 2022 Rollibockfest, Seewis
29. Mai 2022 Narzissenfest, Seewis
11. Juni 2022 Walsertag, Klosters
18. Juni 2022 Geburi Ursina Jost, Schiers
19. Juni 2022 Altersheim Neugut, Landquart
30. Juni 2022 Schulschlussfest, Schiers
6. August 2022 Schärmenparty, St. Antönien
13. August 2022 Hochzeit, Grüsch
20. August 2022 Kinderhuus Strahlegg, Strahlegg 
17/18. September 2022 JuMu-Weekend
5. November 2022 Folklorenachwuchswettbewerb, Ägeri

Christian Imhof