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09.05.2022

Die Maikäfer fliegen wieder

Brummende Krabbler: In diesem Frühling sind auf Bäumen und Wiesen wieder Maikäfer anzutreffen.
Brummende Krabbler: In diesem Frühling sind auf Bäumen und Wiesen wieder Maikäfer anzutreffen. Bild: Pressedienst
Von Ende April bis Mitte Juni ist für die Maikäfer Hauptflugzeit. Maikäfer gehören zu den bekanntesten Insekten überhaupt. Die Kinder kennen sie und freuen sich, die etwas behäbigen, brummenden Tiere fliegen zu sehen. Für die Bauern aber sind sie eine Plage, richten Maikäfer als Engerlinge doch grosse Schäden an.

Ist dieses Jahr ein Maikäfer-Jahr? Diese Frage stellen sich wohl alle, die dieser Tage im Sarganserland ein Exemplar dieser Tiergattung antreffen. Wenn man Maikäfer durch die Luft fliegen oder auf Blüten sitzen sieht, muss doch ein Maikäfer-Jahr sein, denkt man. Oder doch nicht? In grossen Mengen, etwa in ganzen Ansammlungen, sieht man die etwas träge wirkenden, oft laut brummenden Tiere diesen Frühlung nämlich nicht. Oder kommt das noch, wenn der Kälteeinbruch vorbei ist und es wärmer wird?

«Bernerflug» im Sarganserland

Die Frage nach dem Maikäfer-Jahr klären kann zweifelsfrei die kantonale Verwaltung. Via Medienstelle des Kantons gelangt die Anfrage des «Sarganserländer» zu Blanca Pilav, Assistentin des Generalsekretärs des Volkswirtschaftsdepartementes. Sie weist darauf hin, dass sich die Entwicklung des Maikäfers normalerweise über drei Jahre hinziehe. «Sie ist regional meist synchronisiert, weshalb man in der Schweiz zwischen `Berner-, Urner- und Basler-Flugjahren` unterscheidet», so Pilav. In den Kantonen St.Gallen und Graubünden habe in der Vergangenheit der Bernerflug dominiert. Das sei auch heute noch so.

«Seit Ende der Neunzigerjahre wird beobachtet, dass sich ein Teil der Maikäferpopulation bereits nach zwei Jahren vollständig entwickelt», erklärt Pilav weiter. Die Ursache werde der Klimaerwärmung zugeschrieben. «Das führt dazu, dass sich die Flugjahre zunehmend überlappen und die Maikäfer in jedem Jahr ähnlich stark einfliegen», sagt sie. Oder anders gesagt: Es gibt keine Maikäfer-Jahre im engeren Sinne mehr, dafür jedes Jahr ein Maikäfer-Jahr.

Gefahr für Wiesen und Äcker

Maikäfer sind aufgrund ihrer Grösse und ihrer eher langsamen Bewegungsabläufe gerade für Kinder ideal, um sich ein erstes Mal mit Insekten zu befassen und allfällige Ängste vor den Krabbeltieren zu überwinden. Entsprechend sind diese geflügelten Sechsbeiner immer wieder Platz im Schulunterricht. Das über Lebensweise, Wachstum, Körperbau und Vermehrung der Maikäfer angeeignete Wissen hilft den Kindern später beim Verständnis anderer Tiere und biologischer Vorgänge.

Im vorliegenden Fall wichtig zu wissen ist, dass Maikäfer sich in den Monaten April und Mai aus dem Boden graben und dann zwischen vier bis sieben Wochen auf der Erde leben. In dieser Zeit fliegen sie herum, ernähren sich von Blättern und erfreuen die Menschen. Sind sie allerdings noch im Engerling-Stadium, droht von den Maikäfern Gefahr für Wiesen, Äcker und Gärten beziehungsweise die Landwirtschaft und der Gartenbau. So fressen Engerlinge im Wiesland die Wurzeln von Futterpflanzen, was in der Fachsprache als «Engerlingsfrass» bezeichnet wird. Ein solcher kann bis zu einem Totalausfall der Ernte führen. 

Kanton unterstützt Bauern

Bauern, Gartenbauer und Hobbygärtner kennen die Auswirkungen von Engerlingsbefall und treffen entsprechende vorbeugende Massnahmen. Koordiniert werden diese vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen  (LZSG) in Salez. Dieses setzt auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen auf eine biologische Bekämpfung von Engerlingen mit Nützlingspilzen. Der Einsatz von Nützlingspilzen und Schutznetzen wird vom Kanton St.Gallen finanziell unterstützt. Wer eine besondere Beratung braucht, kann sich ebenso an diese Fachstelle wenden. Interessierte können sich zudem über ein Merkblatt, das auf der Website www.lzsg.ch (siehe Box) abrufbar ist, informieren.

Bei kleinen Flächen wie Privatgärten und Pflanzentöpfen gilt, wie gewiefte Hobbygärtner wissen: Pflanzen abdecken, damit die Maikäfer ihre Eier nicht an ungewünschter Stelle ablegen und Schaden anrichten.

Bekämpfung von Maikäfer-Engerlingen

Das Landwirtschaftliche Zentrum St.Gallen (LZSG) in Salez empfiehlt den Bauern folgende Methoden zur Bekämpfung von Maikäfer-Engerlingen: 
- Bekämpfung in Wiesen: Betroffene Parzellen sollen im Sommer in engen Koppeln beweidet werden. Der Weidetritt der Tiere zerstört so 45 bis 70 Prozent der Engerlinge. Es empfiehlt sich zudem, während des Hauptfluges eine für die Eiablage günstige, zum Beispiel gut besonnte Parzelle durch Schnitt und/oder Beweidung kurz zu halten. Wenn die umliegenden Parzellen ungeschnitten bleiben, verstärkt sich die Wirkung der späteren Beweidung oder Behandlung 
- Bei starkem Befall: Im Flug- oder Hauptschadenjahr wird im Frühling der Nützlingspilz Beauveria brongniartii mit einer speziellen Sägemaschine sechs bis acht Zentimeter in den Boden eingebracht. 
- Bekämpfung in Ackerland: Empfindliche Kulturen wie Kartoffeln, Rüben und Wurzelgemüse sollen in der Fruchtfolge nach Getreide, Raps oder Mais platziert werden. Es ist ratsam, Kulturwechsel und Wiesenumbruch für eine intensive Bodenbearbeitung mit dem zweimaligen Durchgang einer Rotor- oder Kreiselegge zu nutzen. Diese Arbeit soll im Flugjahr von Juli bis September, im Hauptschadenjahr von Ende April bis September, im Verpuppungsjahr von Ende April bis Juni verrichtet werden. Die mechanische Bekämpfung vermag das Aufkommen der Engerlinge um bis über 90 Prozent zu reduzieren. 
- Bekämpfung im Obst-, Beeren- und Spargelanbau: Vor Neupflanzungen soll der Boden im Flugjahr mit Bodennetzen abgedeckt werden, im Hauptschadenjahr kann der Nützlingspilz Beauveria eingesetzt werden. Später im Flugjahr sind Bodenabdeckung und Raumeinnetzung während des Fluges oder der Einsatz des Nützlingspilzes wirkungsvoll. (sl)

 

www.lzsg.ch

 

vilan24/Denise Alig