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Schiers
21.06.2022
20.06.2022 11:05 Uhr

«Der Dorfkern soll ein Begegnungsort sein»

Engagiert: Rund 60 Schierserinnen und Schierser haben am ersten Forum «Dorfkernentwicklung Schiers 2025/Grüe Land» im Mai mitgewirkt.
Engagiert: Rund 60 Schierserinnen und Schierser haben am ersten Forum «Dorfkernentwicklung Schiers 2025/Grüe Land» im Mai mitgewirkt. Bild: zVg
Am 22. Juni 2022 findet das zweite Forum «Dorfkernentwicklung Schiers 2025/Grüe Land» von insgesamt drei Foren statt. Organisiert werden diese von der Gemeinde Schiers und der Region Prättigau/Davos in Zusammenarbeit mit externen Partnern der Stratcraft GmbH und der Zimraum GmbH, die das Projekt schliesslich im Rahmen eines Modellvorhaben des Bundes begleiten. Christian Brütsch von Stratcraft ist dem P&H Red und Antwort gestanden.

P&H: Allen drei Foren liegt die gleiche Fragestellung zugrunde: «Was soll im Dorfkern von Schiers in Zukunft möglich sein?». Worin unterscheiden sich die drei Foren?
Christian Brütsch: Wir wollen Möglichkeiten für die Entwicklung des Dorfs aufzeigen und haben drei Schwerpunkte identifiziert. Im ersten Forum ging es um die Frage, was der Dorfkern leisten sollte und was ein Areal wie das «Grüe Land» zur Dorfkernentwicklung beitragen könnte. Im zweiten Forum geht es darum, ob und wie das Grüe Land entwickelt werden könnte. Konkret: welche Art von Projekt und Trägerschaft es braucht, damit die erwünschten Nutzungen entstehen. Am dritten Forum vom 24. August wollen wir die Fäden zusammenziehen und aufzeigen, welche Weichen mit der Ortsplanungsrevision gestellt werden müssen und wie die Entwicklung des Grüe Lands konkret aufgegleist werden kann.

Im ersten Forum, das am 23. Mai durchgeführt wurde, ging es grob gesagt um die «Zentrumsentwicklung». Könnten Sie bitte für unsere Leserschaft kurz zusammenfassen, was in diesem Forum thematisiert wurde?
Wir wollten einerseits herausfinden, was Schierserinnen und Schierser vom Dorfkern erwarten: Ob sie mit der heutigen Situation zufrieden sind, ob bestimmte Angebote fehlen oder ob sie den Dorfkern anders erleben wollen. Das Fazit war klar: Der Dorfkern soll ein Begegnungsort sein, in dem nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet und vor allem gelebt wird. Klar war auch: Das Dorfleben hat an der Bahnhof- und Dorfstrasse nicht genügend Platz.

Welche Erkenntnisse konnten im Forum 1 gewonnen werden, die für das Forum 2 von Bedeutung sind?
Die wichtigste Erkenntnis war, dass sich viele Schierserinnen und Schierser mit der Dorfentwicklung auseinandersetzen wollen. Wir hatten rund 60 sehr engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer – jüngere und ältere, alteingesessene und neuzugezogene. Die meisten sind sich einig, dass das Dorf Potenzial hat, das nicht genutzt wird. Viele, vor allem die Jüngeren, wollen etwas bewegen. Wichtig ist aber auch, dass es unterschiedliche Vorstellungen gibt, was sich wann verändern soll, wer für Veränderung sorgen soll und welche Rolle Areale wie das Grüe Land spielen sollen.

Welchem Thema widmet sich Forum 2, das am Mittwoch, 22. Juni 2022, durchgeführt wird?
Wir suchen Antworten auf die Frage, ob und in welchem Zeitraum das Grüe Land entwickelt werden soll, damit es zur Belebung des Dorfkerns beitragen kann. Dazu stellen wir drei Entwicklungsszenarien zur Diskussion. Diese Szenarien sind keine Zielbilder, sondern Ansätze, die aufzeigen, in welchem Zeitrahmen Raum für erwünschte Nutzungen entstehen könnte. Um die Vor- und Nachteile einzuordnen, thematisieren wir neben Auflagen aus der Raumplanung auch die unterschiedlichen «Zentrumsleistungen», die das Grüe Land übernehmen könnte, sowie die Anforderungen an zukünftige Trägerschaften.

Worüber können sich Schierserinnen und Schiers, die an dieser Veranstaltung teilnehmen möchten, schon heute Gedanken machen?
Unabhängig davon, ob Sie am ersten Forum dabei waren: Machen Sie sich Gedanken über Nutzungen, die das Dorfleben stärken können. Überlegen Sie sich, welche öffentlichen Räume neben dem Grüe Land freigespielt werden könnten. Ziel der Veranstaltung ist, herauszufinden, wie wir am besten zu den erwünschten Nutzungen kommen und welche Umsetzungsszenarien den grössten Mehrwert für das Dorf schaffen.

Die Foren sind Teil des Modellvorhabens «Wohnraumstrategie für Senioren und andere Neustarter», das von der Region Prättigau/Davos, dem Kanton Graubünden und dem Bund mitgetragen wird. Was ist das Ziel dieses Modellvorhabens?
Wir suchen mit den Regionen Albula und Prättigau/Davos nach Wegen für die nachhaltige Besiedlung von Berggebieten. Dabei geht es darum, neue Zuzüger zu gewinnen: Personen, die aufgrund ihrer beruflichen oder familiären Situation den Wohnstandort flexibler wählen können und sich auf etwas Neues einlassen wollen. Es geht auch darum, älteren Einheimischen zusätzliche Möglichkeiten für das Wohnen im Alter zu bieten. Und es geht darum, wieder mehr Leben in die Dorfkerne zu bringen, mit bezahlbaren Wohnungen für Einheimische und Treffpunkten für die Dorfbevölkerung. Wir möchten mit den Gemeinden stärker thematisieren, dass es bei der Raumplanung auch und vor allem darum geht, mit welchen Nutzungen sich Dörfer nachhaltig weiterentwickeln können.

Im Zusammenhang mit dem Vorhaben fällt neben Senioren auch der Begriff Neustarter. Wer ist damit gemeint?
Neustarter sind in unserem Modellvorhaben all diejenigen, die bereit sind, sich auf etwas Neues einzulassen. Damit gemeint sind zum Beispiel Unterländer, die sich dafür entscheiden, in die Region zu ziehen, oder ältere Einheimische, die aus ihrem Einfamilienhaus in der Fraktion in eine moderne Wohnung im Dorf umziehen wollen. Wir haben im Herbst 2020 eine grossangelegte Befragung durchgeführt, an der 440 Einheimische aus der Region Prättigau/Davos teilgenommen haben. Sie zeigt, dass viele Seniorinnen und Senioren bereit wären, ihre Wohnsituation zu verändern, und zwar in allen Altersgruppen (siehe Grafik).

Eine Grafik aus der 2020 grossangelegten Befragung, an der 440 Einheimische aus der Region Prättigau/Davos teilgenommen haben. Bild: zVg

Zum Schluss: Wie will dieses Modellvorhaben den Bedürfnissen von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und jungen Familien gerecht werden?
Generationendurchmischte Wohnumfelder schaffen einen Mehrwert für alle Altersgruppen, wenn sie zur Belebung der Dörfer beitragen. Ein wichtiger Hebel ist auch die Wohnmobilität der einheimischen Seniorinnen und Senioren. Mit attraktiven, altersgerechten und bezahlbaren Wohnungen für die Zeit zwischen dem Einfamilienhaus und der Alterswohnung können Familienwohnungen freigespielt werden. Und bezahlbarer Wohnraum ist natürlich nicht nur für Senioren, sondern auch an Jüngere ein wichtiges Thema.

Schiers Forum 2

«Dorfkernentwicklung Schiers 2025/Grüe Land»

Forum 2: 
Mittwoch, 22. Juni 2022, 19.30 bis 21.30 Uhr, Bildungszentrum Palottis

• Vertiefung der ersten Ideen zur Dorfkernentwicklung
• Diskussion über den Beitrag, den das Areal «Grüe Land» an die Belebung der Gemeinde leisten soll

Alle Bewohner der Gemeinde Schiers sind herzlich willkommen. Für eine Teilnahme am Forum 2 ist der Besuch des ersten Forums nicht erforderlich.

Forum 3: 
Mittwoch, 24. August 2022

Weitere Informationen zum «Wohnraumstrategie»-Modellvorhaben finden Sie unter www.neustarter.info.

Ladina Steinmann