Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Leserbrief
Leserbriefe
20.06.2022

Wolfsangriffe – ein unhaltbarer Zustand für die Tierhalter

Bild: unsplash
Ein Leserbrief von Bündner Bauernverband, Mutterkuh Schweiz, Bündner Schafzuchtverband, Bündner Ziegenzuchtverband

Die Weidesaison hat kaum begonnen, und schon beginnt die Eskalation. Am Heinzenberg mussten mehrfach Wölfe bei Angriffen auf Rinder abgewehrt werden, es wurden an mehreren Orten geschützte Schafe und ein Lama gerissen. In Curaglia liess sich ein Wolf fast nicht aus einer Schafweide vertreiben.

Kürzlich hatten mehrere Wölfe in Curaglia vier Schafe getötet. Die Schafe waren in einer ca. vier Hektaren umfassenden Weide korrekt mit Weidenetzen und starkem Elektrogerät eingezäunt. Am Vormittag war beobachtet worden, dass sich ein Wolf noch in der Koppel befand. Mit einem Aufgebot von Wildhütern, Polizisten und Bauern wurde versucht, den Wolf zu vertreiben. Die Weide ist stellenweise mit Büschen und Bäumen bewachsen und sehr steil, und trotz mehrstündigen Bemühungen konnte der Wolf nicht aufgescheucht werden. Am späten Nachmittag wurden zudem zwei Wölfe beobachtet, die auf einem Felsvorsprung lagen, der direkt an die Weide grenzt. Um den Wolf zu vergrämen, der sich noch in der Koppel befand, wurden die gerissenen Schafe dagelassen. Um 22 Uhr kam der Wolf aus seiner Deckung, und konnte durch Wildhüter und Bauern vergrämt werden.

Das Beispiel zeigt, dass selbst mit intensivem Herdenschutz die Risse keineswegs abnehmen und die Wölfe das Jagdverhalten in diesen geschützten Räumen «optimiert». Das Stagias-Rudel hatte schon im Vorjahr Probleme gemacht, dennoch wurde vom Bund keine Regulation bewilligt. Mangels Lerneffekt haben mehrere Wölfe offenkundig gelernt, korrekte Herdenschutzzäune zu überwinden. Selbst die Anwesenheit von lärmenden Menschen wurde hingenommen. Es sind sämtliche Schaf- und Ziegenherden in der Umgebung gefährdet.

Die Landwirtschaft hat bereits sehr viel gemacht und viel Geld und Zeit in den Herdenschutz investiert. Die Möglichkeiten sind ausgereizt, und dennoch reicht es nicht, um die Nutztiere vor den Wölfen zu schützen. Dies zeigen auch die Statistiken des AJF. Allein in diesem Weidefrühling (Stand Ende Mai) wurden in unserem Kanton 39 Nutztiere trotz korrekter Herdeschutzmassnahmen vom Wolf gerissen. Zudem wurden im Bereich des Beverinrudels mehrere Angriffe auf Rindvieh gemeldet. Die Verzweiflung und das Leid der betroffenen Landwirte sind dementsprechend enorm gross. Hinsichtlich dem zum Teil bereits begonnenen Alpsommers ist die Ungewissheit und Angst der Landwirte und Älpler um ihre Tiere verbreitet spürbar. Der in dieser Woche ungeachtet der vorhandenen Schutzmassnahmen passierte Schafsriss auf der Alp Stutz im Rheinwald schürt diese Ängste noch weiter.

Die sich im Schweizer Parlament zur Ausschaffung befindende Jagdgesetzrevision soll Erleich-terung bringen, diese wird allerdings auch bei grossem Optimismus frühestens in einem Jahr greifen. Bis dahin sind unsere Landwirtinnen und Landwirte den Wölfen ausgeliefert. Es muss möglich sein, Wölfe, die Herdenschutzmassnahmen überwinden oder die Scheu verlieren, sofort und unbürokratisch zu erlegen. Wir rufen den Bundesrat auf, dies mittels Notverordnung prompt zu ermöglichen.

Bündner Bauernverband, Mutterkuh Schweiz, Bündner Schafzuchtverband, Bündner Ziegenzuchtverband