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Freizeit
22.06.2022

Familienurlaub ohne Erwartungen – geht das ?

Bild: Pixabay
Die Sommerferien stehen vor der Türe und viele Eltern und Kinder freuen sich auf den langersehnten Sommerurlaub. Doch schon die Wahl der Feriendestination fällt Familien oft nicht leicht, da diese vielen Ansprüchen genügen sollten.

Ist der Entscheid gefallen, intensiviert sich oft die Vorfreude und damit verbunden auch die Erwartungen an den gemeinsamen Familienurlaub. Da ist es wieder, dieses Wort «Erwartungen». Erwartungen entstehen – gewollt oder nicht – dort, wo Menschen meist im engen Kontakt zueinanderstehen. Sie sind somit fester Bestanteil des Familienalltags. Nicht selten resultieren solche Vorstellungen und Erwartungen aus vergangenen Erfahrungen, die sowohl positiv wie auch negativ erlebt wurden. Zu Problemen führen Erwartungen nämlich erst dann, wenn diese unerkannt bleiben. Denn wer an sich und sein Umfeld hohe Erwartungen stellt, ohne sich dessen bewusst zu sein, riskiert, im hohen Masse enttäuscht zu werden. Die Folge davon ist Unzufriedenheit. Werden Erwartungen hingegen als solche erkannt, können sie hinterfragt und bestenfalls in Wünsche umformuliert werden. Doch was haben persönliche Wünsche und Erwartungen mit Familienurlaub zu tun? Eine Menge!

Wenn aus Wünschen Erwartungen werden

Eltern fahren oder fliegen nicht selten mit dem Wunsch in den Urlaub, sich Zeit für die Aktivitäten mit der Familie zu nehmen, welche sonst tendenziell im Alltag zu kurz kommen. Ziel ist es, schöne, herzhafte und beziehungsfördernde Momente mit den Kindern zu erleben. Aber auch ruhige Momente mit der Partnerin, mit dem Partner und bestenfalls auch etwas Zweisamkeit gehören auf die Wunschliste. Nicht zu vergessen die Erholung, ein bekanntes Synonym für den Begriff Urlaub und wahrlich eine Herausforderung im Kontext mit Kindern. Alle diese Wünsche sind völlig legitim und «normal». Doch besteht die Gefahr, dass aus solchen Wünschen mit der Zeit Erwartungen werden, welche unerfüllt bleiben. Auch unberücksichtigte Erwartungen und Wünsche von Kindern können in emotionalen Ausbrüchen enden. Daher ist es ratsam, die Wünsche der Kinder im Vorfeld miteinzubeziehen und Erwartungen empathievoll zu redimensionieren. Dies ist stets abhängig vom Alter der Kinder. Bei Babys und Kleinkindern erweist es sich als hilfreich, wenn Eltern sich bewusst in ihre Kinder hineinversetzen, um dessen Bedürfnisse wahrzunehmen. Hat ein Baby beispielsweise Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten und weint viel, könnte es hilfreich sein, eine Übernachtungslösung zu suchen, bei der Eltern stressfrei rund um die Uhr ihr Baby beruhigen können. Da wäre eine Ferienwohnung einem überfüllten Camping vorzuziehen.

Ausbruch aus dem Alltag

Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Tatsache, dass bei einem Familienurlaub die Personen miteinander verreisen, welche auch den Alltag gemeinsam erleben. Die alltäglichen Herausforderungen, ob in der Partnerschaft oder in der Beziehungsgestaltung mit den Kindern, reisen oftmals ungefragt mit. Gleichzeitig kann ein solcher Familienurlaub auch eine Chance sein, aus schwierigen Alltagsmustern auszubrechen, um neue Verhaltensweisen als Familie auszuprobieren. «Was kann ich persönlich zum Gelingen des Familienurlaubs beitragen»? Hilfreiche Überlegungen hierbei könnten sein, die eigenen Erwartungen zu erkennen und diese zu realistischen Wünschen umzuformulieren. Beispielsweise haben Eltern oft die Erwartung, dass Kinder für das, was sie Tolles erleben dürfen, dankbar sein sollten. Eine hilfreiche Überlegung hierzu, «ich bereite meinen Kindern gerne eine Freude unabhängig davon, ob ich dafür ein Dankeschön erhalte. Ich wünsche mir, dass ich meinen Fokus auf das Gelingende richten kann, um mich daran zu erfreuen.» Und sollte trotz aller Achtsamkeit das Gefühl von Enttäuschung aufschwappen, darf diesem gerne mal mit Humor und Leichtigkeit begegnet werden. Ganz nach dem Motto: «alles nur halb so schlimm». Denn als Eltern läuft man tendenziell Gefahr, unangenehmen Dingen (zu) viel Gewicht beizumessen.

Schöne Ferien als Familie

Vielleicht ist auch ein vorgängiger Familienrat dienlich, an dem zentrale Wünsche benannt und geklärt werden können. Denn was ausgesprochen ist, gewinnt an Transparenz und transparente Wünsche lassen sich besser händeln. Nichtsdestotrotz ist es auch völlig okay als Eltern mal frustriert, wütend oder traurig zu sein. Kinder sollen erleben dürfen, dass auch Erwachsene solche Gefühle haben. Die Frage ist nur, wie viel Raum solche Gefühle einnehmen sollen? Auch diese letzte Frage bedarf einer persönlichen Entscheidung, unabhängig was das Gegenüber sagt oder tut. Ich wünsche allen Urlaubsreifen und Urlaubsfreudigen eine wohltuende Auszeit, wo immer Ihre Reise Sie hinführt. Und vielleicht lohnt es sich ja, das Reisegepäck nach versteckten Erwartungen zu durchsuchen.

Alexa Niedermann