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Zizers
21.07.2022

Gräber und Grubenhäuser – Neue Einblicke ins römisch-frühmittelalterliche Zizers

Bild: zVg
Anlässlich einer geplanten Überbauung führt der Archäologische Dienst Graubünden seit Januar 2022 im Schlossbungert in der Flur Vial in Zizers eine Notgrabung durch. Dabei wurden ein Gräberfeld und Siedlungsreste aus spätrömischer und wohl frühmittelalterlicher Zeit entdeckt. Erstmals kann die – bislang nur über Einzelfunde belegte – römische Besiedlung in Zizers genauer nachgezeichnet werden.

Das sogenannte Untere Schloss mit dem zugehörigen Schlossbungert befindet sich im historischen Zentrum der Gemeinde Zizers. Auf engem Raum finden sich hier verschiedene archäologische Fundstellen von überregionaler Bedeutung. Herausragend ist der im 8. Jahrhundert errichtete karolingisch‑ottonische Königshof, dessen Überreste direkt nördlich des Schlossbungert liegen. Nur unweit westlich der Schlossanlage steht die mittelalterliche Burg Friedau. Hier wurden 2002 zudem jungsteinzeitliche Siedlungsreste aus der Zeit um 4800 v. Chr. entdeckt, die von den frühen Ackerbauern und Viehzüchtern im Rheintal zeugen.

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Ausgrabung im Schlossbungert

Der Schlossbungert diente früher dem Obstbau. Anlässlich der geplanten Überbauung unternahm der Archäologische Dienst bereits im Mai 2021 geophysikalische und archäologische Prospektionen. Dabei zeigten sich im nördlichen Teil des von Rüfen geprägten Areals einerseits Siedlungsreste, andererseits Grabfunde. Infolgedessen wurde in Abstimmung mit den Bauverantwortlichen eine grossflächige Ausgrabung geplant, die seit Anfang dieses Jahres im Vorfeld des eigentlichen Neubaus durchgeführt wird. Die archäologischen Befunde datieren hauptsächlich in die spätrömische Zeit (ca. 250 – 450 n. Chr.) und wohl noch ins frühe Mittelalter.

«Die archäologischen Befunde datieren hauptsächlich in die spätrömische Zeit (ca. 250 – 450 n. Chr.) und wohl noch ins frühe Mittelalter.»

Spätantikes Gräberfeld und Spuren von altem Handwerk

Bislang konnte der Archäologische Dienst sechs Gräber freilegen, die teilweise reiche Beigaben enthielten – darunter ein Becher aus Speckstein, eine Ringfibel, ein eisernes Messer und Speisebeigaben (nachgewiesen in Form von Tierknochen). Die sechs Körperbestattungen sind durch den späteren Ackerbau in diesem Gebiet teilweise beschädigt beziehungsweise nur unvollständig erhalten.

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In unmittelbarer Nähe des Gräberfelds kamen Siedlungsreste zum Vorschein, die auf handwerkliche Tätigkeiten deuten. Zu den Befunden zählen zwei Grubenhäuser, wovon eines Mauern in Trockenbauweise und mindestens zwei Feuerstellen aufwies. Ferner wurden eine Ofenanlage, weitere Feuer- oder Herdstellen, Pfostenlöcher sowie Abfallgruben entdeckt. Das genaue zeitliche Verhältnis zwischen diesen Befunden und dem Gräberfeld ist noch nicht geklärt.

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Pressedienst