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Valérie Favre Accola und der unlimitierte Zugang

Auf dem Davosersee können Menschen im Rollstuhl Pedalo fahren.
Auf dem Davosersee können Menschen im Rollstuhl Pedalo fahren. Bild: zVg
Valérie Favre Accola ist eine wirklich viel beschäftigte Frau. Bei der Region Prättigau-Davos ist sie zuständig für die Regionalentwicklung, vertritt den Wahlkreis Davos seit 2018 im Grossen Rat und setzt sich als Geschäftsführerin der Paul-Accola Stiftung und als Präsidentin des UHC Iron Marmots Davos Klosters für den Bündner Sportnachwuchs ein, wie für den Kinderschutz (Präsidentin IG Kinder schützen). Zudem ist sie Stiftungsrätin des Wirtschaftsforums Graubündens und der Casal-Bernhard Stiftung und dreifache Mutter.

Was der SVP-Politikerin und Geschäftsfrau auch noch sehr am Herzen zu liegen scheint, ist das Thema Inklusion. Aus diesem Grund engagiert sie sich in ihrer Tätigkeit bei der Region Prättigau-Davos mit Projekt «Access Unlimited» für Barrierefreiheit. «Der Slogan der Destination ist ja ‹Sports unlimited›, was die Projektinitianten zum Namen ‹Access unlimited› inspiriert hat. Ziel war es damit nicht, alles für alle zugänglich zu machen, aber mindestens Angebote im Sportbereich für alle zu schaffen.»

Valérie Favre Accola setzt sich ein für Barrierefreiheit mit «Access unlimited». Bild: Christian Imhof

Zwei Jahre im Hintergrund

Das Projekt, das zu einem attraktiven und durchgehend barrierefreien Angebot in der Destination Davos Klosters führen soll, startete schon vor knapp drei Jahren. Doch auch hier funkte Corona mächtig dazwischen, wie Favre Accola erzählt. «Wir mussten natürlich erstmals die Basisinformationen bei jeglichen Angeboten und Infrastrukturen erheben. Das heisst, wir haben z. B. Infrastrukturen wie Bushaltestellen, Gastronomie- und Hotelleriebetriebe und Sportanlagen bezüglich Barrieredurchgängigkeit geprüft. Da aber Betriebe wegen Corona geschlossen hatten, kam es zu Projekt-Verzögerungen.» Inzwischen seien sie dem Ziel recht nahe und das Regionalentwicklungsprojekt wird per Ende Jahr abgeschlossen. «Es wird ein Handbuch als Hilfsmittel für andere Destinationen geben, zudem sind alle Informationen und Erlebnisangebote kompakt auf einer Webseite organisiert und leicht zugänglich für potentielle Gäste und Nutzer:innen.» Favre Accola betont, dass von diesem Angebot nicht nur Menschen mit Mobilitätseinschränkungen profitieren, sondern auch die Gesellschaft im Allgemeinen durch die Barrierefreiheit gewinnt. «Wir müssen endlich damit aufhören den Rollstuhl mit Krankheiten in Verbindung zu setzen. Es gibt Rollstuhlsportler, die Spitzenathleten sind. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Gesellschaft immer älter wird und ältere, weniger mobile Menschen, es schätzen, wenn sie auch in den Ferien zum Beispiel nicht bei Stufen anstehen. In wenigen Jahren wird dieser Teil der Bevölkerung auf 30 Prozent anwachsen. Aber natürlich schätzen auch Familien mit Kinderwagen die Barrierefreiheit im Alltag.»

Auch im Winter wird in der Region auf Barrierefreiheit gesetzt. Bild: zVg

Kooperationen zahlen sich aus

Die IG Access Unlimited mit den Partnern Regionalentwicklung, Pro Infirmis und Destination Davos Klosters ist für das Projekt zuständig, elementar für ein gutes Gelingen seien aber die touristischen Kooperationspartner und eine gute Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gemeinden. «Die Schaffung von neuen Erlebnisangeboten ist jedoch auch mit personellem und finanziellem Aufwand verbunden. Ein Kooperationspartner muss nicht nur im Idealfall das Personal schulen, damit Mitarbeitende die Geräte auch wirklich bedienen können, auch die Anpassung der Infrastrukturen bzw. Anschaffung der Geräte ist schon ein Investment. Ohne die finanzielle Unterstützung von Stiftungen wäre die Umsetzung dieser Angebote nicht machbar gewesen.» Und doch lohne es sich, wie die Buchungszahlen aus der ganzen Schweiz zeigen. «Mehr Gäste ergeben sich automatisch. Wir haben seit Schaffung dieser Angebote Gruppen-Anfragen auch aus der Westschweiz und gar aus Island hat sich eine Familie angekündigt.» Zudem sei es auch so, dass diese Gäste interessant sind, da sie erfahrungsgemäss treu sind – wenn sie einmal eine «funktionierende» Destination entdeckt haben, bleiben sie diesen als Stammgäste erhalten.

Das Madrisaland ist für alle da. Bild: zVg

Ein Gefühl von Schwerelosigkeit

Inzwischen können Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, an einigen spannende Aktivitäten teilnehmen und so auch gewissermassen ein wenig Freiheit zurück gewinnen. Die Webseite access-unlimited.ch zeigt, dass man in Klosters und Davos inzwischen als Rollstuhlfahrer Tennis, Eishockey und Golf spielen, Ski, Langlaufschlitten (ab Winter 2022/23), Bike und Pedalo fahren kann und noch vieles mehr. Nicht jedes Angebot lässt sich aktiv erleben, so können Rollstuhlfahrer das Pedalo über den Davosersee nicht selbst antreiben, kommen jedoch dennoch in den Fahrgenuss, sagt Favre Accola. «Die Rückmeldungen sind immer sehr bewegend, wenn die Personen davon erzählen, wie sie die Bewegungen des Wassers wieder erlebten und sich dabei einen Moment lang schwerelos fühlen.» Auch, wenn das Regionalentwicklungsprojekt bald abgeschlossen sein wird, bleibt zu hoffen, dass auch andere Regionen sich von dieser gelebten Inklusion anstecken lassen und vielleicht bald mal wirklich eine Barrierefreiheit Realität wird.

Christian Imhof