Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Malans
11.09.2022

Ribigut Malans – wo die Glücksbotin zu Hause ist

Zweimal im Jahr lädt die Ribischenke in Malans zum Verweilen ein.
Zweimal im Jahr lädt die Ribischenke in Malans zum Verweilen ein. Bild: Tabea Guhl
Jedes Jahr im Frühsommer suchen die mittlerweile selten gewordenen Rauchschwalben das Ribigut in Malans auf. Sie gelten seit Jahrhunderten als Glücksboten. Wo sie sich niederlassen und nisten, soll das Glück zu Hause sein, und wer ihnen begegnet, zu dem kehrt das Glück zurück. Die gefährdeten Vögel sind für den biologisch geführten Hof ein zusätzliches Nachhaltigkeitszertifikat, welches von Mutter Natur ausgestellt wurde.

Doch das Ribigut hat viel mehr zu bieten als selten gewordene Glücksboten. Ein naturnahes Bewirtschaften, das Erhalten alter und seltener Pflanzen und Nutz-tierrassen wie die Förderung der Biodiversität. Auf dem Biohof von Carolina Rusch Nigg und ihrer Familie leben noch zahlreiche weitere Tiere. Sie sind Mitglied des Vereins Pro Specie Rara und halten gefährdete Nutztierrassen. Diese alten Rassen sind genügsamer und zur Mehrnutzung geeignet. Zum einen sind es die gutmütigen Engadinerschafe, welche von Mai bis Oktober den Sommer auf der Alp Gianduns im Engadin verbringen dürfen. Und zum anderen das Schweizerhuhn. Die weissen, kräftigen und robusten, aber bescheidenen Hühner sind langlebiger als das «normale» Legehuhn. Und mit ihrem weissen Federkleid und dem roten Kamm haben sie mit den Nationalfarben den Namen Schweizerhuhn mehr als verdient. Jedoch auch Laufenten als natürliche Schneckenbekämpfung und zwei eigene sowie drei Pensionspferde haben auf dem Ribihof ein Zuhause. Die Bienen, die sie mit einem befreundeten Imker halten, produzieren nicht nur feinen Bienenhonig, sie bestäuben auch all die vielen Obstbäume, die zum Biohof dazugehören. Auf den Obstbäumen und im grossen Garten wachsen verschiedene Arten von Früchten und Gemüse, welche in liebevoller Handarbeit zu wundervollen Kostbarkeiten verarbeitet werden. Unter all dem Obst und Gemüse finden sich mehrheitlich alte und rare Sorten, die mit ihrer geschmacklichen Authentizität überzeugen. Neben den vielen Köstlichkeiten aus dem Garten bietet das Ribigut auch Freilandeier, zartes Lammfleisch und Wurstspezialitäten an. Bei der Veredelung des Fleisches wird ganz auf Pökelsalz und Chemie verzichtet und auf die natürliche Reifung gesetzt.

Carolina Rusch züchtet seit Jahren das Engadinerschaf, welches auf der Liste der gefährdeten Rassen steht. Bild: Carolina Rusch

Über Umwege zur Landwirtschaft

Carolina Rusch Nigg ist in Guatemala geboren und in Chur aufgewachsen. Schon als Kind verbrachte sie ihre Freizeit mehr bei den Pferden als mit Gleichaltrigen. Sie absolvierte das Lehrerseminar, wusste aber insgeheim, dass Lehrerin nicht ihre Berufung ist. So zog sie weiter und studierte in Zürich Jurisprudenz. Während eines Praktikums lernte sie ihren späteren Mann, Orlando Nigg, kennen. Im Jahre 2010 konnten sie das Ribigut in Malans übernehmen, das sie seither bewirtschaften. Als Erstes galt es aber, den alten Viehstall umzubauen, der nicht mehr den Vorschriften des Tierschutzes entsprach. Kurz darauf zogen die ersten Pferde und Enten und wenig später verschiedene Pro-Specie-Rara-Tiere im Ribigut ein. Dass diese nicht so wirtschaftlich sind, war ihnen durchaus bewusst. Die Möglichkeit, etwas Rares, Gefährdetes für künftige Generationen zu erhalten, war den Tierfreunden vorrangig. Denn was einmal ausgestorben ist, kommt nicht wieder zurück. Mit Pferden, Hühnern und Enten war es da aber noch nicht getan. Anfänglich stand die Idee im Raum, Bündner Strahlenziegen zu halten. Doch der Gedanke, schwanger den ausgebüxten Ziegen in den Malanser Weinbergen nachzurennen, liess die Entscheidung auf die gemütlicheren Engadinerschafe fallen. Im Jahr 2011 kam dann ihr Sohn Cla auf die Welt. Es folgten 2013 Alvaro und im Jahr 2015 Tochter Marcella. Neben dem Betrieb und nach Absolvierung einer Nachholbildung am Plantahof arbeitet Carolina noch immer Teilzeit auf ihrem Beruf als Juristin. Nach mittlerweile zwölf Jahren hat sich das meiste auf dem Betrieb eingespielt. Aus anfänglichen Fehlern hat man dazugelernt, die Freude und Leidenschaft für die Landwirtschaft dabei aber nie verloren. Dank des Grösserwerdens der Kinder, die mittlerweile alle das Primarschulalter erreicht haben, entsteht neuerdings sogar Raum für neue Betriebsideen oder gesellschaftliche Engagements. Carolina ist mit grosser Faszination Bäuerin und arbeitet seit einigen Jahren in einem kleinen Teilzeitpensum bei der Frauenzentrale in Chur. Dies möchte sie nicht missen, denn es ist eine willkommene Abwechslung zum Alltag auf dem Betrieb. Ebenso ist auch die jüngste Wahl in den Grossen Rat für sie ein grosser Ansporn, ihre Anliegen für ein klimavernünftiges und vielfältiges Graubünden einbringen zu können. Ihr Herz wird aber auch in Zukunft den Tieren und der Natur gehören. So ist es wenig verwunderlich, dass sie einen grossen Garten hegt und pflegt. Und auch hier steht der Erhalt von seltenen und alten Sorten im Vordergrund. Viele ihrer Gemüse- und Salatsorten sind von Pro Specie Rara, und das meiste zieht sie selbst.

Das Schweizerhuhn ist eine alte Nutztierrasse, welche stolz die Nationalfarben trägt. Bild: Tabea Guhl

Ribischenke, Kulinarik, Kunst und Kultur

Aus all dem geernteten Gemüse und Obst zaubert Carolina mit ihrer Schwester Corinne Köstlichkeiten in stundenlanger Arbeit in ihrer Küche. Doch ihr Hof liegt nicht gerade an der Dorfstrasse, also musste eine Idee her, wie und wo man all das Eingemachte, den Sirup und Honig an den Mann respektive die Frau bringt.

Die bunte Vielfalt aus dem Garten von Carolina Rusch sind zum grössten Teil Pro-Specie-Rara-Sorten. Bild: zVg

Und so entstand die Idee einer kleinen Schenke, die an wenigen Wochenenden im Jahr, jeweils im Frühling und im Herbst, ihre Türen öffnet. Denn die Landwirtschaft soll im Vordergrund bleiben. Carolinas Schwester und deren Partner kommen aus dem Bereich der Kunst. So entstand die Mischung aus Kunst, Kultur und der Kulinarik. Dabei werden die Produkte aus dem eigenen Garten und dem Stall zu kulinarischen Köstlichkeiten kreiert und serviert. Nebenbei können die Kunstwerke der verschiedenen Künstler:innen betrachtet und bestaunt oder einem Konzert im Hofgarten gelauscht werden. Die ansonsten schon traumhafte Kulisse mit Blick in die Malanser Weinberge lädt zum Verweilen ein. Wer jetzt neugierig geworden ist, soll doch einfach auf www.ribigutmalans.ch einmal vorbeischauen.

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen beim Anblick der Spezialitäten vom Ribigut. Bild: Carolina Rusch
Erica Hartmann