Einige der Georgier haben bereits eine berufliche Ausbildung absolviert, aber, wie in Georgien üblich, nur theoretischer Art. Das ist das besondere an der «Swiss Agricultural School Caucasus», sie wird nach dem Schweizer Standard geführt. Hierzulande ist es üblich, dass in der Ausbildung zur Theorie auch Praxiserfahrung dazu gehört. Neben privaten Kreisen, die das Ganze in Georgien unterstützen und ermöglichen, sind auch einige Schweizer Hände mit im Spiel. Das landwirtschaftliche Bildungszentrum Plantahof in Landquart ist neben der eidgenössischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) als Projektpartner das grosse Vorbild der Schule in Georgien. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ehemalige Lehrpersonen vom Plantahof bei diesem Projekt mitwirken. Während des Aufenthaltes hier in der Schweiz durften die angehenden Landwirt:innen und Milchtechnolog:innen in der ersten Woche spannende Einblicke in verschiedene Einrichtungen werfen. Begleitet wurden sie dabei von mindestens einem aus dem Schweizer Lehrer-Trio.
Schweizer Lehrer-Trio
Dieses Lehrer-Trio besteht aus Dr. Rolf Hanimann, Carl Brandenburger und Curdin Foppa. Wer sich in der Landwirtschaft auskennt, dem sind diese drei Herren sehr wohl ein Begriff. Rolf Hanimann amtete elf Jahre lang als Kantonstierarzt im Kanton Graubünden. Er leitete während seiner Amtszeit das Amt für Lebensmittelsicherheit. Es war eher Zufall, wie Hanimann zu der Tätigkeit bei dem Projekt «Swiss Agricultural School Caucasus» kam. Der Gefallen an der Idee des Projektes und die handfeste Thematik überzeugten schnell.
Carl Brandenburger war 40 Jahre lang Lehrer am Plantahof und unterrichtete angehende Landwirt:innen. Er war ehemaliger Betriebsleiter und Vizedirektor des Plantahofs. 15 Jahre lang war er Vorstandsmitglied von Braunvieh Schweiz. Mit seinen Zuchterfolgen in den beiden Plantahof-Herden ist Brandenburger europaweit bei Braunviehzüchtern ein bekannter Name. Zudem war und ist er ein Lehrer, der den praktischen Unterricht dem theoretischen vorzieht, was viele Schüler:innen sehr schätzen.
Und der Dritte im Bunde ist Curdin Foppa, er war zehn Jahre lang Geschäftsführer des Bündner Bauernverbands. Danach amtete er während Jahren als Beratungsleiter beim Landwirtschaftsamt Graubünden, bis er im Jahr 2000 die Leitung der Beratung und Weiterbildung am Plantahof antrat. Zudem ist Curdin Foppa der Inhaber von Agri-Via; diese bietet Beratungen zu strategischer Betriebsentwicklung, Agrotourismus, Hofkonflikten, aber auch geführte Wanderungen zum Thema Alp- und Landwirtschaft an. Ruhestand ist wohl das falsche Wort für diese drei Herren. Obwohl alle drei seit ein paar Jahren pensioniert sind, sind sie nach wie vor mit vollem Enthusiasmus für die Entwicklung der Landwirtschaft in Georgien engagiert.
Vielfältige Landwirtschaft
Die drei Schweizer Lehrer haben keine Mühe gescheut, den Studenten aus Georgien die Vielseitigkeit der Schweizer Landwirtschaft zu zeigen. In der ersten Woche nach der Ankunft stand den Georgiern ein straffes Programm bevor. Beim Besuch auf dem Zuger Stierenmarkt war Carl Brandenburger in seinem Element. Aber auch der Besuch in der Bio-Käserei in Jenaz war vor allem für die beiden angehenden Milchtechnolog:innen sehr speziell. Markus Racine, der einst beim Aufbau dieser Käserei mit dabei war und lange Zeit hier produzierte, ist nun ihr Lehrmeister in Georgien. Neben dem Einblick in die Sennerei konnten die georgischen Studenten die Vielfalt der Produkte, welche Georg Summer herstellt, degustieren.
Graubünden Viva ist wohl das Flaggschiff für Regionalität. Unter der Führung von Carla Brandenburger, der Leiterin für Betrieb und Innovation, bekamen die Teilnehmer nicht nur einen Einblick, wie vielseitig die Produkte aus landwirtschaftlicher Hand sein können. Sie durften auch einen Blick in die Produktion werfen. Und von den Bündner Köstlichkeiten probieren. Zur Schweizer Landwirtschaft gehört jedoch noch so viel mehr. So statteten sie auch noch auf dem Betrieb des Präsidenten des Bündner Bauernverbandes, Thomas Roffler, einen Besucht ab. Und auch der Agrotourismus mit einem Abstecher auf den Kesslerhof in Klosters durfte nicht fehlen. Des Weiteren führte sie Curdin Foppa bei einer Alpwanderung durch die schöne Bergwelt im Val Lumnezia. Die Alpwirtschaft ist ein grosser Teil der Bündner Landwirtschaft. Gemeinsam mit den Schülern vom Plantahof absolvierten die georgischen Studenten einen Parcour mit verschiedenen Posten, welche jeweils mit Plantahof-Lehrpersonen zu bestimmten Themen besetzt waren.
Aus Erfahrung lernen
Georgier sind ein sehr kontaktfreudiges Volk, sie integrieren sich schnell in eine fremde Gruppe oder Familie. Das zeigte sich auch in der zweiten Woche ihres Aufenthaltes. Dabei wurden sie in verschiedene Betriebe wie auch Sennereien verteilt. Bei der Auslese der Stationen wurde darauf geachtet, dass sie in Betrieben untergebracht wurden, deren Erfahrungen für sie später zu Hause von Nutzen sein könnten. So konnte derjenige Student, welcher zu Hause irgendwann einen Schweinemastbetrieb übernehmen wird, zu einem Schweinemäster eingeteilt werden. Für die beiden angehenden Milchtechnologen wurden Plätze in den Sennereien Sufers und Splügen realisiert.
Diese jungen motivierten Leute bekamen einen Einblick in die vielfältige Schweizer Landwirtschaft. Ziel ist es, aus ihnen gut ausgebildete Landwirt:innen und Milchtechnolog:innen zu machen. Damit sie in naher Zukunft als Lehrmeister in ihrem Land tätig werden können. Der Plantahof, Rolf Hanimann, Carl Brandenburger und Curdin Foppa helfen tatkräftig mit, eine zukunftsorientierte Landwirtschaftsschule in Georgien aufzubauen.