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« Chüenihorn könnte im Winter 2022/23 Solarstrom liefern »

Das geplante Solarkraftwerk am Chüenihorn könnte heute wertvollen Strom liefern.
Das geplante Solarkraftwerk am Chüenihorn könnte heute wertvollen Strom liefern. Bild: zVg
Sie erinnern sich vielleicht nicht mehr an den 16. April 2015? An diesem Tag berichteten die Schweizer Medien über das Abstimmungsergebnis in St. Antönien, bei dem tags zuvor das geplante Solarkraftwerk am Chüenihorn von einem Dutzend Stimmberechtigten beerdigt wurde. Was wäre, wenn? Ein Rückblick auf das Jahr ohne Solarstrom in St. Antönien.

Es war das vorläufige Ende eines einmaligen Pilotprojektes. 3 GWh/a Leistung an sonniger Lage mit wertvoller Winterstromproduktion wurden vernichtet. Heute muss man nicht nur den entgangenen Einnahmen nachtrauern. Der Pioniergeist von St. Antönien würde in den kommenden Monaten der Stromknappheit schlechthin als «das Beispiel» für Innovation hervorgehoben.

Gravierende Auswirkungen

Würde, hätte – alles wurde damals trotz eines Finanzierungsgrades von 70 Prozent von ein paar Gegnern des Projektes verweigert. Die Befürworter:innen bemühten sich gar nicht, an die Gemeindeversammlung zu gehen, weil das Geschäft unbestritten erschien. Im Jahr der Gemeindefusion und wichtiger weiterer Abstimmungen, welche beinahe monatlich stattfanden, gönnten sie sich einmal eine Pause. Dies hatte, wie wir heute wissen, schlimme Auswirkungen.

Vergebene Chance

Bei den aktuellen Strompreisen dürfte das Solarprojekt mehr als eine Million Rendite pro Jahr erwirtschaften. Selbst bei der damals vereinbarten KEV-Zusage wäre es bei einer halben Million. Es ist aber nicht nur das Geld, das die Gemeinde Luzein heute einnehmen würde. Es ist auch die Souveränität in der nachhaltigen Energieförderung. Dem Wasserkraftwerk am Schanielabach würde die Solaranlage am Chüenihorn im Winter die notwendige Unterstützung bieten. Die Lawinenverbauungen am Chüenihorn stehen noch – bald vollständig erweitert und saniert. Während der Schnee bei fortschreitender Klimaerwärmung bald von gestern ist, können diese Anlagen, denen ein grosser Teil von St. Antönien seine Aussiedlung verdankt, auch weiterhin grossen Nutzen bringen. Ihre Präsenz dürfte mit dem Bonus der schadstofffreien Energiegewinnung noch an Bedeutung zulegen. Damals im Jahr 2015 versteckten sich sowohl Kantons- wie Bundesregierung hinter fehlenden Gesetzen, eine massgebliche Fördersumme in das Projekt zu investieren.  Gesetze, die es jedoch andererseits erlaubten, Unsummen von Geld in die stufenweise Stilllegung der Nuklearkraft zu investieren. Dieses Förderkapital fehlte letztendlich, um die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in St. Antönien von einem risikolosen Jahrhundertprojekt zu überzeugen.

Neubeurteilung nötig

Wenn damals vor sieben Jahren Hunderte von Befürwortern insgesamt eine Million Zertifikate unterzeichneten, die zum Teil grün orientiert oder zu St. Antönien eine besondere Beziehung hatten, so sprechen wir heute an Stelle der «Grünen» Investoren im Finanzsektor an. Die Lage hat sich in derart kurzer Zeit geändert. Die Gemeinde Luzein tut gut daran, nun schnellstmöglich die Solarzone zu reaktivieren. Die zuständigen kantonalen Behörden können diese praktisch pfannenfertig aus der Schublade ziehen. Das Bundesamt für Energie soll sich überlegen, ob die Hürde des Investitionshilfekredites bei unseren 3–4 GWh/a greift oder ob die zwischenzeitliche Erhöhung auf 10 GWh/a nicht wohl eher nur einer Alibiübung entspricht. Der Bund kann zwar mitbestimmen, wer wo Strom zu sparen hat, muss aber selber kein Geld für die Produktion in die Hand nehmen. In dieser Grössenordnung machen das dann eh jene, die schon unter dem Rettungsschirm des Bundes stehen. Ich bin gespannt, was hier am Chüenihorn in St. Antönien noch passiert. Bessere Voraussetzungen gibt es nicht mehr und dass sich der Strompreis in den kommenden Jahren nach unten bewegt, glaube ich persönlich auch nur schwer. Tesla und all seine Mitbewerber lassen grüssen und auf die elektrische Zahnbürste mag ich auch nicht mehr verzichten.

Jann Flütsch