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Zizers
04.10.2022

Traumapädagogik – wichtiges und spannendes Thema

Das Referententeam: Kathrin Heusser und Lukas Burger, HF Zizers.
Das Referententeam: Kathrin Heusser und Lukas Burger, HF Zizers. Bild: Martina Bocek
Traumapädagogik – die Pä­dagogik des sicheren Ortes. Zu diesem interessanten ­Thema fanden sich zahlreiche Teilnehmende kürzlich an der HFS Zizers, der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik, ein. Der Kurs vermittelte Grundlagen der Psychotraumatologie und zeigte die ­Auswirkungen traumatischer Erfahrungen auf die Beziehungsgestaltung auf. Es wurden pädagogische Hilfestellungen für die Arbeit mit Menschen mit traumatischen Erfahrungen erläutert.

Was so spannend und interessant tönt, wurde sehr einfühlsam und prägnant durch die beiden Referenten vermittelt. Kathrin Heusser, dipl. Sozialpädagogin HF,
verfügt über ein Zertifikat in Traumapädagogik und traumazentrierter Fachberatung, zudem ist sie als Elterncoach tätig. Lukas Burger, dipl. Sozialpädagoge HF, traumapädagoge und traumazentrierter Fachberater, hat die Leitung einer sozialpädagogischen Pflegefamilie inne. Die beiden Referenten verstanden es sehr gut, den Teilnehmenden das Thema Traumapädagogik in den Grundzügen sehr verständlich zu vermitteln.

Traumapädagogik – Pädagogik des sicheren Ortes

Besonders hervorgehoben wurde der «sichere Ort». Ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, an dem Geborgenheit erfahren wird, die Grenzen des Einzelnen beachtet werden, an dem man mit Respekt, Akzeptanz und Wertschätzung behandelt wird. Primäres Anliegen der Traumapädagogik ist die Sorge für diesen wichtigen «sicheren Ort» als Grundvoraussetzung für den Bewältigungsprozess des Traumas. Dabei geht es sowohl um die innere Sicherheit als auch um die äussere Sicherheit des Einzelnen. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sollen das Gefühl bekommen, dass sie wertvoll sind, sich sicher fühlen dürfen, dass sie gestärkt und gefördert werden, willkommen sind und eben einen sicheren und heilsamen Platz vorfinden. Ein sicherer Ort braucht sichere Menschen, dies wurde allen Teilnehmenden deutlich.

Die «Weil-Methode»

Über Rollenspiele und intensiven Austausch wurde den Teilnehmenden die sogenannte «Weil-Methode» nähergebracht. Schnell wurde allen bewusst, wie gut durch das Wort «weil» in der Satzbildung Möglichkeiten entdeckt, Wege gefunden und Lösungen erarbeitet werden können. Die Teilnehmenden hatten sichtlich Freude an den Teamarbeiten und das gemeinsame Schaffen und Lösen von Problemen half sehr, die Thematik gut zu verstehen und das jeweilige Wissen zu vertiefen.

Das dreigliedrige Gehirn

Sehr anschaulich vermittelten die Referenten das sogenannte dreigliedrige Gehirn. Über einprägsame Bilder wurde schnell das Verständnis geschaffen, was in traumatisierten Kindern und Jugendlichen vorgeht und weshalb sie so dringend Unterstützung, aber auch Verständnis benötigen für ihre jeweilige Situation. Es wurde ausführlich miteinander angeschaut, wie die einzelnen Bereiche im Gehirn funktionieren und wie sie auch in verschiedenen Situationen zusammenspielen. Mit diesem Verständnis fiel es den Teilnehmenden leichter, traumatische Situationen zu erkennen und angemessen zu reagieren. Das Wissen, wie vorzugehen ist, um gewisse Reize zu entschärfen, ist sehr wichtig.

Der «gute Grund»

Normalerweise ist das Verhalten von Menschen als nicht destruktiv anzusehen. Wobei es schwierig ist, eine Norm zu definieren. Vieles, was geschieht, hat in irgendeiner Art und Weise einen Grund. Einen «guten Grund», der aus dem Inneren des Menschen heraus Sinn ergibt. Was nicht für alle greifbar ist, da nicht alle Reaktionen für andere verständlich sind. In der traumapädagogischen Haltung ist die Annahme des «guten Grundes» ein wichtiges Element. Es hilft sehr, den anderen zu verstehen. Die Aussage, Kinder seien nicht unnormal, sondern reagieren normal auf unnormale Lebensumstände, wurde allen Teilnehmenden prägnant vermittelt. Wenn es gelingt, die Überlebensstrategien traumatisierter Menschen zu verstehen, dann ist diesen bereits ein gutes Stück auf ihrem Weg geholfen.

Psychoedukation mit ­Kindern und Jugendlichen

Die Störungszeichen nach externer Belastung sind vielfältig. Nervosität, Schlafstörungen, schlechtes Konzentrationsvermögen, Ausraster, Überregungsanzeichen, all das und noch mehr zeigt nach aussen, dass es Hilfe braucht. Hilfe und Unterstützung, damit sich die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst besser verstehen. Es kann passieren, dass viele sogenannte Reglerknöpfe ausser Kontrolle sind, so zum Beispiel was die Gefühle betrifft, die Einschätzung der Realität, die Wahrnehmung von Schmerz und Trauer.

Schritte zur Heilung

Ganz wichtig ist, dass sich die traumatisierten Kinder und Jugendlichen in Sicherheit fühlen, dass sie Wertschätzung erfahren im Umgang mit den Personen, die sie unterstützen. Personen, die es gut mit ihnen meinen und ihnen zuhören. Personen, die die Überlebensstrategien anerkennen und nicht verurteilen. Wichtig für die Heilung ist auch, gut zu sich selbst sein zu können. Dies beispielsweise im Bereich der Körperpflege, sich ausreichend und in stimmiger Umgebung zu bewegen, ausreichend Schlaf zu geniessen und so oft und wohltuend als möglich einfach zur Ruhe zu kommen. Musik hören, Freunde treffen, die einem guttun, Sportarten ausüben, die man besonders gerne mag. Eigentlich grundsätzliche Dinge, die das Leben schön und lebenswert machen.

Sicherheit und Ruhe begünstigen den Heilungsprozess. Bild: zVg
Martina Bocek