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Fideris
26.10.2022

Monika Baumgartner: «Wir bewegen uns bereits auf einem hohen Niveau»

Bild: Christian Imhof
Nach 12 Jahren tritt Marianne Flury-Lietha als Gemeindepräsidentin von Fideris zurück. Darum kommt es an der Gemeindeversammlung am kommenden Freitag zur Wahl. Gemeindepräsidentin werden möchte Monika Baumgartner, die aktuell im Fideriser Gemeinderat für die Bereiche Werkdienst, Strassen, Abfallentsorgung und Forst zuständig ist.

Nach 12 Jahren tritt Marianne Flury-Lietha als Gemeindepräsidentin von Fideris zurück. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit ihr erlebt?
In den zwei Jahren, die ich im Vorstand war, habe ich Marianne als Präsidentin erlebt, die ihre Aufgabe und Verantwortung sehr ernst nimmt. Ihr liegt die Gemeinde Fideris, und vor allem auch Strahlegg, sehr am Herzen. Entsprechend nahe ist sie bei den Leuten im Dorf, hat immer ein offenes Ohr und vertritt ihre Gemeinde professionell gegen aussen. Marianne packt gerne auch selber an und ist immer zur Stelle, wenn ich bei einem Thema anstehe. Das schätze ich sehr. Nicht zuletzt hat sie die Finanzbuchhaltung fest im Griff, eine anspruchsvolle Aufgabe, die nicht zu unterschätzen ist.

Was läuft in Fideris schon sehr gut?
In Fideris leben viele Menschen, die mit ihren Fähigkeiten immer wieder neue Ideen in Freiwiligenarbeit umsetzen. Ich denke da an unsere Spazierwege, das Eisfeld oder kulturelle Veranstaltungen. Auch haben wir in Fideris das Glück, dass wir noch eine Bäckerei, einen Dorfladen sowie eine Metzgerei haben, die von sehr engagierten Menschen betrieben werden. Und mit der neu eröffneten Bad Wirtschaft haben wir wenigstens wieder ein gastronomisches Angebot in einem einmaligen Ambiente.

Wo gibt es in der Gemeinde noch Luft nach oben?
Wohlgemerkt, wir bewegen uns bereits auf einem hohen Niveau, was die Lebensqualität in Fideris betrifft. Wir als Gemeinde könnten aber zum Beispiel noch besser werden in der Vernetzung der privaten Initiativen oder Vereine, um die vorhandenen Kräfte besser zu bündeln. Denn die Ressourcen sind nicht endlos in der Freiwilligenarbeit.

Wie sich in der Zukunftswerkstatt am 7. Oktober gezeigt hat, gibt es einige weitreichendere Themen, wo wir als Gemeinde noch Luft nach oben haben: Zum Beispiel bei der Bewirtschaftung und Entsorgung von Grüngut oder Abfällen aus der Land- und Forstwirtschaft. Diese wertvollen Ressourcen sollten wir in Zukunft hier vor Ort sinnvoll nutzen, indem wir beispielsweise Pflanzenkohle herstellen, den Humus in unseren Gärten oder in der Landwirtschaft einsetzen oder zum Beispiel das Grüngut in einem Biomassenkraftwerk in der Fideriser Au in Energie umwandeln. Diese könnte dann von energieintensiven Unternehmen genutzt werden. Das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Aber um hier eine breit abgestützte zukunftsträchtige Lösung zu erarbeiten, müssten erst einmal viele verschiedene Akteure an einem Tisch zusammenkommen und miteinander reden. Selbstverständlich muss auch die Region mit ihren Projekten miteinbezogen werden. Ich denke, eine solche Aufgabe könnte eine dorfeigene Umwelt- und Energiekommission wahrnehmen, in der verschiedene Interessensgruppen Einsitz haben. Ein anderes wichtiges Thema ist der Tourismus. Gerade mit dem Heuberg haben wir ein grosses Potenzial, das wir noch besser nutzen können. Wir sollten aber bei einer zukünftigen touristischen Entwicklung darauf achten, dass diese möglichst im Einklang mit der Natur, und vor allem auch im Dialog mit den Bauern und der Bevölkerung geschieht. Zu diesem Zweck würde ich auch hier eine Tourismuskommission ins Leben rufen, um das Thema ganzheitlich anzugehen.

Kurz: Die Hauptsache ist, dass wir in Fideris in Zukunft Themen breiter, vernetzter oder ganzheitlicher angehen und diskutieren.

Nicht zuletzt können wir im Gemeindevorstand noch besser werden in Sachen Kommunikation, indem wir die Bevölkerung mehr auf dem Laufenden halten, mit welchen Themen wir uns beschäftigen. Persönlich würde es mich auch freuen, wenn in Zukunft an Gemeindeversammlungen mehr Leute mit unterschiedlichen Standpunkten teilnähmen, damit mehr diskutiert würde, auch über vermeintlich weniger spektakuläre Themen.

Warum sollte die Bevölkerung genau Sie an die Spitze von Fideris wählen?
Ich höre gerne und ganz genau zu und begegne meinem Gegenüber auf Augenhöhe, das ist mir sehr wichtig. Ich finde es auch bereichernd, dass die Leute im Dorf auf mich zu kommen mit ihren Anliegen. Denn so erfahre ich, was sie bewegt. Es ist meine Überzeugung – und Erfahrung –, dass ich nur gemeinsam mit Menschen, die anders denken oder andere Ansichten oder Bedürfnisse haben, tragfähige, mehrheitsfähige Lösungen erarbeiten kann.

Hier kann ich auf mehr als 20 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen als Redaktorin und Projektleiterin in der Unternehmenskommunikation in internationalen Konzernen. Anders gesagt: Ich weiss, wie man Menschen zusammenbringt und Projekte in Bewegung setzt. Und weil ich jahrelang in der Finanzbranche tätig war und dort Geschäftsberichte geschrieben habe, bringe ich auch ein Verständnis für unternehmerische Zusammenhänge und Finanzbuchhaltung mit.

Nicht zuletzt habe ich als inzwischen selbständig Erwerbende auch die Zeit und Lust, um mich dieser anspruchsvollen Aufgabe als Gemeindepräsidentin anzunehmen.

Im vergehenden Jahr war der Schulverband Fideris Furna Jenaz Schiers in aller Munde, da Schiers an einem Austritt Interesse bekundete. Wie haben Sie das Thema mitverfolgt?
Auch als Nichtbetroffene – ich habe ja keine Kinder – empfand ich es befremdend, wie fast ausschliesslich über Kosten diskutiert wurde. Die Qualität der Bildung wurde von den Initianten nur am Rande thematisiert. Dabei ist eine gute Bildung zentral und es sollte im Interesse jeder Gemeinde im Verband sein, dass ihre Kinder und Jugendlichen Zugang zu der bestmöglichen Bildung und somit gute Zukunftschancen haben. Dass diese Aufgabe im Verband besser erfüllt werden kann, weil man sich Ressourcen teilt, ist für mich klar.

Werden Sie auch wie Frau Flury bei einer allfälligen Wahl den Schulverband
präsidieren?

Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Denn die Mitglieder des Schulrats des Verbands werden jeweils von der Gemeindeversammlung gewählt und der Schulrat konstituiert sich selbst.

Welche Lösung sehen Sie für den ungleichen Kostenschlüssel, der immer wieder Thema ist?
Der Kostenverteilschlüssel war nur ein Argument in der Diskussion. Er wurde von neutraler Stelle als den Verhältnissen angemessen beurteilt. Keine Frage, dass er ständig überprüft werden muss, wir also im Gespräch bleiben müssen. Aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass es in einem Verband immer auch um Solidarität geht.

Was gefällt Ihnen an Fideris ganz besonders?
Mein persönliches jährliches Highlight ist der Alpabzug im September! Für mich ist es ein ergreifender Moment, wenn die Kühe ins Dorf heimkehren, und ich finde es schön und wertvoll, dass in Fideris diese Tradition überhaupt noch gelebt wird. Fideris ist sowieso trotz aller Digitalisierung noch recht traditionell und bodenständig: Man plaudert miteinander, auf der Strasse, am Brunnen oder im Dorfladen, und die Leute kommen zum Teil mit ihren Fragen und Anliegen sogar persönlich bei mir vorbei. Ich geniesse das sehr und finde es sehr entschleunigend, wie auch die Spaziergänge mit meinem Hund im Wald oder in den wunderbaren Moorlandschaften im Heuberg.

Christian Imhof