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Food
06.11.2022

«Hört auf, Gala zu essen!»

Ob süss, sauer, knackig oder mehlig: Die Sortenvielfalt der Äpfel ist gross.
Ob süss, sauer, knackig oder mehlig: Die Sortenvielfalt der Äpfel ist gross. Bild: Umweltberatung Luzern
Der Apfel ist gesund und das meistgegessene und produzierte Obst der Schweiz. Bei der Wahl gibt es allerdings einiges zu beachten. So ist zum Beispiel der Gala-Apfel umstritten.

Die Hauptsaison für Äpfel dauert hierzulande von August bis November. Danach, in den Monaten ab Dezember, werden die Früchte als Lagerware verkauft. Wer ins Obstregal greift, sollte bei der Wahl der Apfelsorte aufs Alter setzen. Nicht auf alte Äpfel, sondern auf alte Sorten.

Goldparmäne, Gravensteiner, Cludius

Wer kennt noch die Apfelsorten Goldparmäne, Gravensteiner oder Cludius? Da diese zu den alten Apfelsorten zählen, kann man sie heute kaum mehr kaufen. In der Schweiz sind heute eher Braeburn, Elstar, Golden Delicious oder Pinova zu finden. Leider, muss man sagen. Denn alte Obstsorten sind eigentlich viel gesünder und aromatischer als neue Züchtungen.

Apfelsorten wie Gala oder Pink Lady haben alte Apfelsorten nahezu vom Feld verdrängt. Dabei eignen sich alte Sorten besser zum Kochen und Backen und sind erst noch gesünder als neue Züchtungen.

Der Unterschied zwischen alten und neuen Sorten

Alte Sorten des sogenannten Kulturapfels (auch Tafelapfel, lat. Malus domestica) haben sich über Jahrhunderte bewährt. Sie sind robust und somit meist weniger anfällig gegen Schädlinge. Diese Sorten haben zudem fast immer einen intensiveren Geschmack als neue Züchtungen. Sie sehen dafür weniger «perfekt» aus oder sind anfälliger für braune Stellen.

Neuere Sorten werden vor allem im Hinblick auf Resistenz gegen Schädlinge, Aussehen und Haltbarkeit oder starken Wuchs gezüchtet. Ob diese Apfelsorten auch einen guten Geschmack haben, ist meist zweitrangig – und das, obwohl der Apfel in der Schweiz zum beliebtesten Obst gehört und das ganze Jahr über konsumiert wird.

«Hört auf, Gala zu essen!»

Wer eine Abneigung gegen Pflanzenschutzmittel hegt, der sollte aufhören Gala-Äpfel zu essen, rät Jucker Farm. Ob Bio oder nicht, der Gala sei eine wahre Katastrophe, was den Pflanzenschutz anbelangt.

Gala wurde in den 1960-er Jahren hochgezüchtet und ist heute eine der beliebtesten Apfelsorten. Das habe sich auch in einer Umfrage gezeigt, die Jucker Farm vor einigen Wochen getätigt habe. «Gala-Äpfel machen über ein Viertel der Apfelproduktion in der Schweiz aus. Er ist mit Abstand die am häufigsten genannte Apfelsorte auf die Frage, welchen Apfel die Leute am liebsten essen», so Jucker Farm.

Kränkelnde, anfällige Diva

«Er ist süss und langweilig. Aber die Leute essen das, was sie kennen», sagt Stefan Bächli, Obstbauchef bei Jucker Farm, über den Gala-Apfel.

Wenn es überall Gala gibt, kennen die Leute auch nur den Gala und mögen den am liebsten. Der Gala habe den Golden Delicious als Lieblingsapfel der Nation abgelöst. «Mainstream im Obstbau wurde er, weil er mit Pflanzenschutz relativ einfach anzubauen ist, regelmässig hohe Erträge liefert und ganzjährig lagerfähig ist», so Jucker Farm weiter. «An sich also auch für den Obstbauer ein absoluter Lieblingsapfel. Wäre da nicht das Thema mit dem Pflanzenschutz…»

Die Schattenseite der tollen Eigenschaften des Gala-Apfels seien nämlich die generelle Anfälligkeit für Pilz, Schorf und Krebs. Zudem ist er  gemäss Jucker Farm etwas anfällig für Mehltau und zeige manchmal nekrotische Blattflecken. Das habe zur Folge, dass der Gala sehr intensiv bewirtschaftet werden müsse, wolle er es beim Grossverteiler in den Verkauf schaffen.

Golden Delicious und Braeburn nicht besser...

Rubinette, Golden Delicious, Jonagold und Braeburn seien keinen Deut besser, schreibt Jucker Farm. Bei diesen Sorten brauche es im Durchschnitt ca. 15 Anwendungen gegen Pilzkrankheiten, im Bio-Anbau mindestens 5 Anwendungen mehr. Eine resistente Sorte komme mit sieben bis acht Anwendungen aus. In wettertechnisch schwierigen Jahren kommen noch einige Anwendungen dazu, so Jucker Farm, auch im Bioanbau.

Alte Sorte Farbe Geschmack Konsisten Besondereheiten
Boskoop, auch Boskop gelb-rot sauer weiches Fruchtfleisch zum Kochen und Backen
Cox Orange gelb-orange süss-säuerlich festes Fruchtfleisch und saftig sehr aromatisch
Gravensteiner gelb-grün bis rot süss-würzig knackig und saftig anfällig für Druckstellen
Jonathan gelbgrün bis dunkelrot süss-säuerlich fest und saftig schwacher Wuchs
Neue Sorte Farbe Geschmack Konsistenz Besonderheiten
Elstar gelb-rot süss-säuerlich saftiges Fruchtfleisch hohes Risiko für Allergiker
Golden Delicious gelb süss festes Fruchtfleisch hoher Ertrag und gut lagerbar
Gala gelb-rot süss fest sehr runde, gleichmässige Form
Granny Smith grün säuerlich  fest hohes Risiko für Allergiker
Zürioberland24