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Maienfeld
06.11.2020

Stummer Zeuge der Vergangenheit

Bild: ms
Das «Römerbrückli» zwischen Maienfeld und Landquart ist versteckt und vielen unbekannt. Früher ritten und rollten über diese Brücke Reiter und Kutschen auf dem Weg von Maienfeld zur Tardisbrücke.

Unscheinbar und gut versteckt zwischen Maienfeld und Landquart befi ndet sich das sogenannte «Römerbrückli». Sein Standort inmitten eines Windschutzstreifens der Bürgergüter ist kein Zufall. Während der Melioration der Sechzigerjahre habe man bewusst darauf geachtet, dass die historische Brücke in einen Waldstreifen zu liegen komme, erklärte alt Stadtpräsident Christian Schnell und ehemaliger Präsident der Heimatschutz-Kommission selig, vor 20 Jahren in der «Herrschäftler Chronik». «Ohne diese Massnahme wäre die Brücke heute wohl nicht mehr vorhanden», erklärte er damals.

Maienfeld – Tardisbrücke

Das «Römerbrückli» diente zur Überquerung des Mühlbachs, welcher damals auf dem Weg von der Klus zum Rhein dort vorbeifl oss. Die betre ende Strassenverbindung führte von Maienfeld via «Römerbrückli» – Neutratt zur Tardisbrücke. Mit den «Römern » hatte das Brückli laut Max Leuener, Bürgerratspräsident und Historiker von Maienfeld, allerdings nichts zu tun. «Die Hauptverkehrsachse Nord – Süd führte von der St. Luzisteig nach Maienfeld und von dort oberhalb der ehemaligen Rheinböschung (heute noch sichtbar) via Jenins und Malans in die Klus und weiter zum Schloss Marschlins. Die Wegverbindungen über die Rheinebene kamen erst später hinzu und wurden vor der Rheinwuhrung 1817 bis 1895 regelmässig vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen.» Eine dieser Verbindungen – wie gesagt von Maienfeld zur Tardisbrücke – führte über das «Römerbrückli», die andere zur «Oberbruck» in Landquart. Bauliche Massnahmen Ganz unwichtig war besagte Verbindung Maienfeld−Tardisbrücke allerdings nicht. Daraufhin deutet einerseits der Umstand, dass die Brücke nicht aus Holz, sondern als solid gemauerte Doppelrundbogenbrücke erstellt wurde. Andrerseits wurde der Weg im sumpfi gen Rheinvorland im Gebiet Neutratt auf einen heute noch sichtbaren Erdwall verlegt und so zumindest gegen kleinere Hochwasser geschützt. Die im Jahr 1529 erstellte Tardisbrücke war die erste feste und ganzjährige Verbindung über den Rhein zwischen dem Bodensee und Chur; flussabwärts dienten dafür meist Fährbetriebe. Verkehrssituation Auf einem alten Stich von Mathias Merian (1593 bis 1651) ist die damalige «Verkehrssituation» gut dargestellt. Zu erkennen ist zudem das sternförmige Verteidigungswerk der «Rohanschanze», welches sich heute direkt an der Kantonsstrasse Maienfeld – Landquart (kurz vor der RhB-Brücke) befindet. Heute zeugen ein Gedenkstein sowie diverse Erdwälle von diesem Bauwerk. Eine Restaurierung des «Römerbrückli » war laut Leuener zusammen mit der Denkmalpflege einst abgeklärt worden. Aufgrund des fehlenden historischen Wertes und der unerschlossenen Zugänglichkeit habe man darauf verzichtet.

ms