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Auto & Mobil
28.11.2020

Ein Gefährt(e) für alle Fälle

Der Range Rover Sport ist schon von seiner Erscheinung ein Statement für sich (Bilder: Ulrike Huber, zVg)
Wer ein langlebiges, zeitloses, geräumiges, langstreckentaugliches, nobles und gleichzeitig sportliches Auto für seine nächste Anschaffung ins Auge fasst, wer also die eierlegende Wollmilchsau sucht, wird mit dem Range Rover Sport seine Freude haben.

Von H.M. Fürstenberg

Wie mir allzu selten bewusst wird, bin ich ein glücklicher Mensch. Zufrieden mit den kleinen Dingen des Lebens. Eine Tasse dampfender Lungo, ein aromatischer Glimmstengel, ein schweigendes Grünauge an meiner Seite und die Nase in einem richtigen, nach Druckerfarbe duftenden Hochglanzschmökermagazin. Oder schon frühmorgens in meinem Laptop, um über die neuesten Kapriolen des Herrn Trump und die regionalen News auf rheintal24 informiert zu sein. Und schon ist der Tag am frühen Morgen gerettet.

Junges Herz in altem Körper

Wenn dann noch mein journalistischer Auftrag in der Befahrung und Beschreibung der von Gott in seinen allerbesten Schöpfungsminuten geschaffenen Appenzeller Landschaft bestehen soll, dann hüpft mein junges Herz in diesem alten Körper vor Glück. Und wenn es sich bei dem zu testenden Automodell auch noch um einen Range Rover Sport aktueller Bauart handelt, dann lache ich nur noch blöd und schreibe wirres Zeug. 

Eine hinreissende Skulptur

 Was soll ich sagen? Es war ein wunderschöner Tag. Am späten Vormittag hinausgetreten in die frühherbstlich vernebelte Landschaft, das Dorf noch im fahlen Zwielicht, durch das aber bereits das Blau des Himmels zu erahnen war, fand ich am Parkplatz den vom liechtensteinischen Autohaus Altherr AG generös auf meine Fahrkünste vertrauend zur Verfügung gestellten SUV. Eines der wenigen SUVs, die tatsächlich noch nach Geländewagen ausschauen. Denn zum Glück hat sich das technisch vollkommen neue aktuelle Modell das charakteristische Aussehen der Range Rover bewahrt. Eine hinreissende Skulptur, die von englischen Landsitzen, schottischen Hochmooren, toskanischen Schotterwegen und Schweizer Alphütten erzählt.

Ein Cockpit zum Wohlfühlen - aus edlen Materialien und minimalistisch designt. Bild: media.landrover.com

Vier beherzte Tritte gegen die Reifen

Meine geliebte Gattin, die beste Ehefrau von allen, musste sich dann wieder einmal fremdschämen. Denn es folgte auf dem Parkplatz unserer Wohnanlage meine übliche Annäherung an einen Testwagen. Zunächst einmal vier beherzte Tritte gegen die Reifen. Mehrmals umschlich ich den Wagen, um die Formen und Designdetails zu verinnerlichen, dabei oft mit den Händen rudernd wie weiland Karajan am Dirigentenpult. Spätestens zu diesem Zeitpunkt schüttelte sich die inzwischen versammelte Kinderschar vor Lachen und die Hunde wälzten sich jaulend am Boden. Und jaulten immer noch, als ich schon lange kopfschüttelnd die passende Sitzeinstellung suchte und mich in die Menüführung des aus dem Range Rover Velar bereits bekannten Touch-Pro-Duo-Infotainmentsystems mit zwei Screens in der Mittelkonsole vertiefte. So intensiv, dass ich nicht mehr auf die Grundeinstellung zurückfand. Was aber nicht an dem an und für sich logisch und intuitiv aufgebauten Menübaum lag, sondern an meiner profunden digitalen Unfähigkeit.

Keine Piepsgeräusche überall

Wenn es nach mir ginge, hätten alle Autos noch analoge Anzeigen und haufenweise Dreh- und Schieberegler. Und im Seitenfach einen mit Überlegung angeschafften Set aus Strassenkarten und Stadtplänen. Keine Piepsgeräusche überall. Und keine Gestensteuerung. Die Innenausstatter von Range Rover scheinen dies verstanden zu haben. Die wenigen Piepser gehen wie ein angenehmes Flüstern ins Ohr. Sämtliche modernen crashvermeidenden elektronischen Helferlein sind an Bord, erledigen ihre Arbeit aber mit beeindruckender Unauffälligkeit. Und es scheint, als hätte Konzernchef Ralph Speth höchstpersönlich drei Drehregler für die wichtigsten Funktionen (Klimatemperatur und Audiolautstärke) in das digitale Zeitalter hinübergerettet.

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Rückbankfenster nach Kindertransport

Mittlerweile schliesse ich meinen Frieden mit den Touch-Infotainments. Obwohl diese immer schon nach kurzer Fahrt mit den Fingertappern und –wischern aussehen, wie das Rückbankfenster nach Kindertransport mit Soft-Ice-Verzehr. Wer mir den Mann zeigt, der es schafft, diese Touchscreens sauber und ansehnlich zu halten, dem zeige ich den Mann, der die Frauen versteht. Gibt es beides nicht. Connectivity? Also die Anbindung an die digitale Welt über WLAN-Spot und Handy? Perfekt. Sagt meine sich mit diesen Dingen auskennende Tochter. Denn ich bin ein digitaler Trottel. Aber das hatten wir ja schon.

Elektronisch geregelte Luftfederung

 Zurück zum Range Rover Sport. Und damit zu einem seidenweich seine Leistung abliefernden Kraftpaket. Wir fuhren den SDV6, also den 3,0 Liter V6 Twinturbo-Diesel mit 306 PS und einem Drehmoment von 700 Nm. Dieses Motörchen wuchtet das 2178 kg schwere Gerät in nur 7,3 sec über die Hundertermarke und erlaubt in Verbindung mit dem nur noch als sensationell zu bezeichnenden elektronisch geregelten Luftfederung jede Fahrweise, von gemütlich bis sportlich. Das enggestufte 8-Gang-Automatikgetriebe schaltet beinahe unmerklich. Sanft und schnell steht immer die ideale Kraftübersetzung zur Verfügung.

Allrad-Fahrzeug ohne merkbare Schwächen

Es war tatsächlich ein Tag voller Genuss und Lebensfreude in diesem Allrad-Fahrzeug ohne merkbare Schwächen. Zunächst eine kürzere Autobahnfahrt, die schon gezeigt hat, dass man in den vorbildlichen und mit edelstem Windsor-Leder bespannten Sitzen auch weite Fahrten problemlos bewältigen kann. Und dass der Range Rover Sport, dessen elektronisch gesteuerte Luftfederung beinahe jede Bodenunebenheit locker wegbügelt und der ohne jedes störende Motoren- und Windgeräusch brav vor sich hinsegelt, ein perfektes Reiseauto ist.

Der Range Rover Plug-In: ein Treibstoffsparwunder. Aber nur, wenn man in der Nacht das Auto an die Steckdose hängt. Bild: media.landrover.com

Einzigartig schöne Hügellandschaft

Dann hinein in das höchstpersönliche Revier des hochbeinigen Engländers, hinein ins Appenzeller Vorderland. Dahin über Strassen, die naturnah in die einzigartig schöne Hügellandschaft gelegt wurden. Die die zarten Formen, den Reichtum der Kurven, das Auf und Ab des Geländes übernommen haben. Harmonisch zu durchsurfen und süchtig machend nach dem Verlauf des Asphaltbandes und seiner Verschränkung mit diesem allradgetriebenen SUV. Hinauf in steile Schotterwaldwege, die nur von Förstern, Jägern und anderen menschlichen Waldgewächsen befahren werden. Traktionsprobleme? Für den zum Range Rover geadelten Landrover ein Fremdwort. Denn mit der All Terrain Progress Control, der Anfahrhilfe, der Bergabfahrhilfe und einer Watttiefe von nahezu einem Meter ist der lustige Waidmann bei Bedarf vor allem Unbill des Untergrunds und der Steilheit gefeit.

Opernbesucher und Bahnhofstrassenflaneure

Wie meine geneigten Leserinnen und Leser ja schon lange wissen, ist meine bessere Hälfte die sportlichere Autofahrerin von uns beiden. Und zeigte sich von den bereits geschilderten Fahreigenschaften und der schier unfassbaren Wendigkeit unseres Testfahrzeugs begeistert. Also, ihr Begüterten und Landsitzbewohner dieser Welt, ihr Opernbesucher und Bahnhofstrassenflaneure, ihr Pferdesportler und Golfspieler, hier ist das Automobil, dass in jeder Lebenslage zu euch passen wird.

Unter Strom gesetzt

Seit zwei Jahren steht der Range Rover Sport auch als Plug-In-Hybrid in den Schauräumen. So auch bei der Altherr AG in Schaan, Liechtenstein. Äusserlich mit seinen rein Benzin- und Dieselgetriebenen Brüdern ident, kommt hier ein sparsamer 2,0 l Benziner mit 300 PS und zusätzlich ein 85 kW-Elektromotor zum Einsatz. Ergebnis ist eine Systemleistung von 404 PS, bei einem CO2-Ausstoss von nur 64 g/km. Und der Möglichkeit mit vollgeladener Batterie im normalen Alltagsgebrauch zwischen 40 und 50 km rein elektrisch zu fahren. An der Haushaltssteckdose des nächtens in 7,5 Stunden wieder aufladbar. Oder in 2,75 Stunden an der Starkstromsteckdose. Preis für die umweltschonende Vernunft? Ab 99´200 Stutz.

 

Range Rover Sport HSE 3,0 SDV6 Diesel

Preis: ab CHF 89´000.

Motor, Antrieb: V6 Turbo-Diesel mit Achtgang-Wandlerautomatik und Allradantrieb

Leistung: 225 kW (306 PS),  0-100 km/h in 7,3 sec, Spitze 250 km/h.

Normverbrauch: kombiniert 7,0 l/100km, CO2 185 g/km

Dimensionen: Länge 4,88 m, Breite mit Aussenspiegeln 2,22, Höhe 1,78 m, Laderaum 780 l bzw. 1.686 l bei umgelegter Rückbank

 

Der Autor H.M.Fürstenberg lebt im St.Galler Rheintal. Als Connaisseur, Lebemensch und Autotester schreibt er seine Artikel im Stil des unvergessenen Paul Frère und der österreichischen Edelfeder Phil Waldeck.

H.M. Fürstenberg