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Kanton
11.12.2020

Déjà-vu am Morteratschgletscher

Der Morteratschgletscher gab in den letzten Jahren mehrmals Jahrtausende alte Lärchenstämme frei. Bild: M. Schnell/Engadiner Post/Jon Duschletta
Die Klimaveränderung ist in aller Munde: Klimaerwärmung, Klimaforschung, Klimajugend, Klimademos und so weiter. Nachfolgende Lärchengeschichte zeigt auf, weshalb globale Veränderungen beim Klima-Hype nicht ausgeblendet werden dürfen.

Der Morteratschgletscher ist der grösste Gletscher im Kanton Graubünden. Immer wieder liest oder hört man von seinem dramatischen Rückgang. Seit Messbeginn schrumpfte sein ewiges Eis um rund drei Kilometer, alleine im Jahr 2015 um satte 164 Meter. Auch sein Volumen nahm massiv ab, wie an den mächtigen Seitenmoränen unschwer und eindrücklich zu erkennen ist. Kein Einzelfall. Praktisch alle Gletscher bilden sich zurück, wobei kleinere in den letzten Jahren teilweise sogar ganz verschwunden sind.

Vielverwendetes Beispiel

Der Gletscherschwund ist eines der augenfälligsten Merkmale zur Dokumentation der Klimaerwärmung. Dementsprechend oft wird diese Tatsache denn auch als Beispiel dafür herangezogen. In entsprechenden Berichten und Debatten zum Gletscherschwund oder allgemein zur Klimaerwärmung wird oftmals der Mensch als Hauptverantwortlicher dargestellt. Seit er weltweit die Atmosphäre mit CO₂, Feinstaub und anderen Gasen und Partikeln vollpumpt, erwärmt sich die Erde, häufen sich Naturkatastrophen, erwärmen sich die Meere und eben – schmelzen die Gletscher. Das stimmt. Aber nur teilweise. Und dieses «teilweise» wird von den Medien und den Aktivisten sowieso vielfach komplett ausgeblendet.

Wälder im Gletschergebiet

Die einleitende Geschichte vom dramatischen Rückgang des Morteratschgletschers ist nämlich nur die halbe Wahrheit beziehungsweise eines der vielen Kapitel im Jahrtausende alten Klimazyklus unserer Erde. Den Beweis dafür lieferte der Morteratschgletscher diesen Herbst gleich selber – und das nicht zum ersten Mal. Auf einer Höhe von rund 2150 Metern wurde ein ausgeaperter, rund drei Meter langer und bis zu einem Meter dicker Lärchenstamm entdeckt. Sein Fundort entspricht einer weiteren Lärche, deren Teilstücke dort bereits vor zwei Jahren geborgen und untersucht worden war. Ähnliche Funde gab es auch am Steingletscher im Berner Oberland und an weiteren Orten.

  • Geologe Christian Schlüchter mit einem Bruchstück eines uralten Lärchenbaums. Bild: M. Schnell/Engadiner Post/Jon Duschletta
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  • Jahrzahltafeln dokumentieren den Gletscherschwund der letzten 150 Jahre. Bild: M. Schnell/Engadiner Post/Jon Duschletta
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Rasanter Klimawandel

Radiokohlenstoff-Untersuchungen an der ETH Zürich haben ergeben, dass die Morteratsch-Lärche bis vor gut 10 500 Jahren im heutigen Gletschergebiet lebte und gemäss Jahrring-Analyse rund 250 Jahre alt wurde. Der Fund sei insofern «spektakulär», weil er auf einen enormen Wandel nach der letzten Eiszeit hindeute, erklärte Geologe Christian Schlüchter kürzlich gegenüber der «Engadiner Post». Es müsse schon damals einen enormen Klimawandel gegeben haben. Nur so lasse sich erklären, dass nach der letzten Eiszeit, welche etwa vor 115 000 Jahren einsetzte und erst etwa vor 11 700 Jahren zu Ende ging, im Gletschergebiet lediglich 1200 Jahre später wieder so schöne Bäume wuchsen. Mit anderen Worten: Damals müssen nicht nur die Temperaturen höher gewesen sein als heute, sondern muss sich auch das Klima sehr schnell verändert beziehungsweise erwärmt haben. Und zwar ohne menschengemachte Emissionen.

Fragwürdige Berechnungen

Angesichts solch rasanter globaler Schwankungen stellt sich die Frage, wie seriös die Prognosen unserer Klimaforscher sind, die uns einen Temperatureinfluss auf die Klimaerwärmung im zweistelligen Kommabereich vorrechnen, sofern innert einer gewissen Anzahl Jahre eine gewisse Geldsumme für eine gewisse Reduktion von Treibhausgasen eingespart werden. Es ist unbestritten: Acht Milliarden Menschen haben einen grossen Einfluss auf unser Klima, und Klimaschutzmassnahmen sind notwendig. Alleine schon, um eine womöglich globale Erwärmung nicht weiter zu beschleunigen. Die Lärchenbaumstämme vom Morteratschgletscher zeigen uns aber auch, dass wir das Augenmass in dieser Debatte nicht verlieren dürfen und natürliche Faktoren wie Erdumlaufbahn, Axialneigung, Sonnenaktivität, usw. mit einbezogen werden müss(t)en. Für solche Zyklen gibt es keine genauen Prognosen und schon gar nicht Berechnungen im zweistelligen Kommabereich. Somit ist es einseitig und unseriös, für die aktuelle Klimaerwärmung alleine und immer nur den Menschen verantwortlich zu machen. Unterstrichen wird diese Feststellung von einem Klimaopfer selber: vom Morteratschgletscher.

ms