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Maienfeld
14.01.2021

Rheinaufweitung nimmt weitere Schwelle

So soll sich der Rhein nach der Aufweitung und der vollständigen Neubewachsung in rund 35 Jahren präsentieren. Bild: Hydra St. Gallen
Die geplante Aufweitung des Alpenrheins zwischen Maienfeld/Bad Ragaz und der Tardisbrücke geht mit dem Entwurf des Auflageprojekts in die nächste Runde. Im Rahmen eines Mitwirkungverfahrens kann sich die Bevölkerung nun bis am 19. Februar einbringen.

Der Rhein soll zwischen Maienfeld/Bad Ragaz und der Tardisbrücke auf einer Länge von rund drei Kilometern wechselseitig aufgeweitet werden. Davon nordseitig zwei Kilometer auf St. Galler und südseitig einen Kilometer auf Bündner Seite. Vom 18. Januar bis am 19. Februar 2021 hat die Bevölkerung im Rahmen eines Mitwirkungverfahrens Gelegenheit, zum Auflageprojekt Verbesserungsvorschläge, Ideen und Meinungen zu deponieren. Die entsprechenden Unterlagen liegen in der Stadtverwaltung Maienfeld sowie den Rathäusern Bad Ragaz und Landquart zur Einsicht auf.   

Verschiedene Gründe

Wie Daniel Dietsche, Rheinbauleiter des Kantons St. Gallen, anlässlich einer Medienorientierung vom Montag in Maienfeld bekannt gab, beinhaltet das Auflageprojekt nebst umfangreichen Planunterlagen den Umweltverträglichkeitsbericht, den technischen Bericht sowie Ergebnisse der vertieften Untersuchungen. Elemente des Projekts seien unter anderem die Dämme, die Ufersicherung sowie das Pflege- und Interventionskonzept. Dietsche ist sich bewusst, dass beispielsweise die mit der Rheinaufweitung einhergehende Waldrodung für Diskussionen sorgen wird. Es sei aber so, dass der bestehende Wald aufgrund der ausbleibenden Überflutungen ohnehin nicht mehr einem ursprünglichen Auenwald entspreche und zudem überaltert sei. Mit der Renaturierung werde der heutige Wald ausserdem teilweise wieder durch ursprüngliche Weichholzaue ersetzt. «Genau solche Diskussionen sollen während des Mitwirkungverfahrens nun geführt werden», betonte Dietsche mit Verweis auf die Umweltverbände, welche das Projekt unterstützten. Die Aufweitung soll natürlich auch einen Beitrag zur Aufwertung der Tier- und Pflanzenwelt leisten und zum Naherholungsgebiet für die Bevölkerung werden. 

Wertvolle Rheinwuhrung

Heinz Dürler, Stadtpräsident von Maienfeld, verweist in seinen Ausführungen auf die bereits erfolgten Informationen an der Gemeindeversammlung. Die bisherigen Reaktionen in der Bevölkerung tangieren nach seiner Aussage insbesondere die Rheinwuhrung. Dieser, für Maienfeld sehr wichtige Schritt, sei im vorletzten Jahrhundert mit enormem Aufwand vollzogen worden, habe reibungslos funktioniert und sich bis heute sehr bewährt. Dennoch sei man sich bewusst, dass auch diese Wuhre ein Ablaufdatum hätten und in absehbarer Zeit – insbesondere aufgrund der Absenkung der Rheinsohle – ohnehin saniert werden müssten. Der Rhein hat sich laut Dietsche in den letzten Jahrzehnten deutlich abgesenkt, alleine seit der im Jahr 1792 eingestellten Kiesentnahme ab Bad Ragaz 1972 um 1,5 Meter. Mit der Absenkung seien auch die ökologisch wertvollen Giessenbäche versiegt. «Mit der Aufweitung kann der Grundwasserspiegel wieder angehoben werden», stellt der Rheinbauleiter in Aussicht. «Im Rahmen der Revitalisierung soll der heutige Sarelliwald durch einen dynamischen Gewässerlebensraum mit Weichholzauen ersetzt werden.»

Heinz Dürler, Stadtpräsident von Maienfeld, Daniel Dietsche, Rheinbauleiter Kanton St. Gallen, Thomas von Wyl, Amt für Natur und Umwelt Graubünden und Daniel Bühler, Gemeindepräsident von Bad Ragaz, (v.l.) zeigen das Gebiet der geplanten Rheinaufweitung. Bild: M. Schnell

Fünf Jahre Bauzeit

Bis dies der Fall ist, wird allerdings nochmals viel Wasser den Rhein hinunterfliessen. Nach allen Vorprüfungen und Vernehmlassungen ist im Jahr 2023 die Planauflage vorgesehen. Der Startschuss für die rund fünf Jahre dauernden Bauarbeiten der 1. Etappe (Seite Bad Ragaz) soll im Jahr 2024/2025 erfolgen. Danach ist laut Dietsche ein «Marschhalt» vorgesehen, bevor dann die 2. Etappe (Seite Maienfeld) in Angriff genommen werde. Während den Bauarbeiten werde die Aufweitung «kein schönes Bild» bieten, ist er sich bewusst. «Wir müssen dabei stets das Endergebnis im Auge behalten.» Dieses soll nach Einschätzung der Projektverfasser in rund 30 bis 35 Jahren vorliegen.

73 Millionen Franken

Ganz günstig wird die Rheinaufweitung nicht ausfallen: Veranschlagt sind rund 73 Millionen Franken. Davon werden 70 bis 80 Prozent vom Bund übernommen, 20 bis 30 Prozent von den Kantonen und der Region. Die Stadt Maienfeld dürfte ihren Beitrag laut Dürler voraussichtlich in Form von Landabtretung leisten.

Diverse Sprechstunden

Im Rahmen des Mitwirkungverfahrens vom 18. Januar bis am 19. Februar gibt es folgende Sprechstunden: 28. Januar 8.30–11.30 Uhr und 11. Februar, 14–17 Uhr in der Stadtverwaltung Maienfeld sowie am 28. Januar 14–17 Uhr und 11. Februar 8.30–11.30 Uhr im Rathaus Bad Ragaz. Am 26. Januar findet zudem ein Informationsabend in Mastrils statt (keine Zeit- und Ortsangabe). Weitere Infos unter: www.rheinaufweitung.ch

ms