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Schiers
26.01.2021

«Wolf» war Wildhüter

Fake-News im Prättigau: Die Bilder, die am Wochenende auf Socialmedia kursierten, entpuppten sich nachweislich als falsch. Bild: zVg
Am Wochenende kursierten auf Socialmedia Bilder und Videos von einem «Wolfsriss» im Lunden – mit den Schlagzeilen «Tatort Schiers», «Wolf reisst Hirsch».

So dramatisch diese Bilder aussehen, so einfach lassen sie sich im vorliegenden Fall erklären: Wie Wildhüter Karl-Heinz Jäger auf Anfrage begründete, handelt es sich dabei weder um einen Wolf als Täter, noch um einen gerissenen Hirsch, noch um Wolfsfährten im Schnee. Der Fotograf lag demnach gleich dreimal falsch in seinen Vermutungen. Es war nämlich Jäger selber, welcher an besagter Stelle ein Reh erlöst und ausgeweidet hatte, welches am Dorfrand von Schiers zuvor von einem Hund angefallen und verletzt worden war.

Verletztes Reh

«Ich wurde am Donnerstag nach Schiers gerufen, weil Passanten dort am östlichen Dorfrand an einem Weg entlang der Landquart Blutspuren entdeckt hatten. Diese führten über die Heid im Gebiet Äuli in Richtung Waldrand hoch. Bei den dortigen Obstbäumen trafen wir auf ein verletztes Reh, welches ich erlösen konnte», schildert der Wildhüter den Hergang. Die anschliessende Untersuchung beim Metzger habe ergeben, dass das Tier am Hinterschenkel von einem Hund gebissen und stark verletzt worden war.

Nicht auszuschliessen

Jäger schliesst damit nicht aus, dass an anderen Orten – wie beispielsweise in Jenaz, wo kürzlich ein Reh gerissen wurde – ein Wolf dafür verantwortlich gewesen sein könnte. Bei der derzeitigen Schneelage und mit der mittlerweile grossflächigen Verteilung der Wölfe seien Wolfsrisse grundsätzlich überall möglich. Im Fall Schiers könne ein solcher aber definitiv ausgeschlossen werden. Wichtiger sei hier die Erkenntnis, dass Hunde an die Leine genommen werden sollten, weil die Rehe im tiefen Schnee kaum genügend schnell flüchten könnten.

M. Schnell