Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Auto & Mobil
02.02.2021

Lernfahrer – was ist ab diesem Jahr anders?

Seit dem Jahresbeginn dürfen Jugendliche schon im Alter von 17 Jahren an das Steuer sitzen, müssen jedoch vor Ablegen der praktischen Prüfung eine einjährige Lernphase absolviert haben. Bild: Linth24
Ab 2021 ändern sich mehrere Regeln in Bezug zur Fahrschule: Jugendliche dürfen schon mit 17 Jahren ans Steuer. Vilan24 mit einer Übersicht der Änderungen.

Für die Lernfahrer unter 20 gibt es gleich mehrere Änderungen der Regeln in Sachen Fahrschule. Nun dürfen Jugendliche mit 17 Jahren zur Theorieprüfung und erhalten danach den Lernfahrausweis. Jedoch müssen die Fahrschüler nun ein ganzes Jahr Fahrpraxis haben müssen, bevor sie die praktische Fahrprüfung antreten dürfen.

Die Idee dahinter ist, dass die Fahrschüler dadurch mehr Fahrpraxis erhalten und es so zu weniger Unfällen kommt.

Wie war es früher?

Bisher galt, dass amtierende AutofahrerInnen ein Monat vor ihrem 18. Geburtstag die Theorieprüfung absolvieren konnten und dadurch den Lernfahrausweis erhielten. Danach fanden so viele Fahrstunden statt, bis der Fahrlehrer den Schüler als fähig ersah und ihn (nach abgeschlossenem Verkehrskundeunterricht) für die Prüfung anmeldete. Eine Vorschrift, wie viel Zeit in die Fahrpraxis investiert werden musste, gab es nicht.

Ausnahmen der Regel

Diese neue Regel gilt fix für alle, welche ihren Lernfahrausweis im Jahr 2022 erhalten werden. Für Lernfahrer über 20 gelten diese Regelungen nicht. Für Jugendliche mit Jahrgang 2003 gibt es eine Übergangslösung. Wer mit 17 den Lernfahrausweis noch im 2021 erhält, der darf die praktische Prüfung bereits am 18. Geburtstag absolvieren, auch wenn das Jahr Fahrpraxis noch nicht erfüllt wurde.

Ein Beispiel

Anna, geboren am 17. September 2003, erhält den Lernfahrausweis mit 17 im Januar 2021. Sieht ihr Fahrlehrer sie als fähig, so darf Anna schon ab ihrem 18. Geburtstag zur praktischen Prüfung antreten, ohne vorher ein ganzes Jahr Fahrpraxis absolviert zu haben.

Benjamin, geboren 20. Juli 2004, kann seinen Lernfahrausweis am 20. Juli 2021 erhalten. Danach muss er ein Jahr Fahrpraxis absolvieren und, sofern als fähig erachtet, am 20. Juli 2022 die praktische Prüfung antreten.

Cédric, geboren 3. März 2003, absolviert die Theorieprüfung erst im Januar 2022 und erhält erst dann seinen Lernfahrausweis. Ab dann beginnt seine einjährige Fahrpraxis-Phase. Nach der Absolvierung derer ist Cédric (bei Zustimmung des Fahrlehrers) für die praktische Prüfung zugelassen.

VKU & Theorieprüfung unbefristet gültig

Vor den Änderungen lief die Gültigkeit des abgeschlossenen Verkehrskundeunterrichts und der Theorieprüfung nach zwei Jahren ab. Neuerdings sind diese unbefristet gültig.

«Automaten-Eintrag» entfällt

Eine Änderung, welche zwar schon ein bisschen älter, aber immer noch sehr relevant ist, ist der Entfall des «Automaten-Eintrag». Früher bekamen Fahrschüler, welche ihren Kurs und die Prüfung mit einem Automaten bewältigten, einen Code in den Fahrausweis und durften daher keine geschalteten Fahrzeuge führen. Seit Februar 2019 gibt es diesen Eintrag nicht mehr. Ein Fahrschüler, welcher sowohl Kurs als auch Prüfung mit einem Automaten absolvierte, darf trotzdem geschaltete Fahrzeuge fahren, ohne jeglichen Kurs.

Meinungen des Fahrlehrverbands

Der Ostschweizer Fahrlehrerverband (OFV) ist grundsätzlich zufrieden mit den Änderungen. Ravaldo Guerrini, OFV-Präsdient gegenüber Linth24: «Der Ostschweizerische Fahrlehrerverband begrüsst die Grundidee des Fahrens ab 17 Jahren, sofern diese richtig umgesetzt wird. Ein Jahr Lernphase bedeutet mehr Übung und Verkehrserfahrung.» Die Lernfahrten mit einem Elternteil/ erfahrenen Autolenker sollten jedoch protokolliert werden, da man sonst keine Kontrolle darüber habe, ob und wie viel ein Fahrschüler in seinem tatsächlich gefahren sei, so Guerrini.

Des Weiteren ist es der Fahrlehrerschaft wichtig, dass zuerst eine Grundschulung beim Fahrlehrer besucht wird und danach geübt wird, so wie dies seit vielen Jahren Standard ist bei der praktischen Motorradausbildung.

«Bei den 'jungen' Neulenker (17) wird die einjährige Lernphase als logisch angeschaut und akzeptiert. Die Akzeptanz der einjährigen Lernphase stösst aber bei 18-20 Jährigen vielfach auf Unverständnis», fügt Ravaldo Guerrini abschliessend noch an.

Vilan24/Linda Barberi, Linth24