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Maienfeld
17.02.2021

Die bewegten Zeiten des Nachtwächters

Der Nachtwächter patrouillierte früher jede Nacht von 23 bis 03 Uhr durch Maienfeld. (Foto: zVg) Bild: zVg
Wie in den meisten Gemeinden war in früheren Zeiten auch in Maienfeld ein Nachtwächter unterwegs. Ein altes Dokument zeigt, welche Aufgaben dieser zu erledigen hatte und wo seine sieben Kontrolluhr-Schlüssel deponiert waren.

«Der Nachtwächter ist seinem feierlichen Handgelübte nach der hochlöblichen Obrigkeit getreuen Gehorsam schuldig und es werden ihm deshalb folgende Artikel zur genauen Ausübung zur Pflicht gemacht», heisst es im Pflichtenhehft/Vertrag von 1951 für den Maienfelder Nachtwächter Heinrich Möhr.

Vorreiter Zeiterfassung

Der Nachtwächter erhielt eine Kontrolluhr (sozusagen Vorreiter der Zeiterfassung). Diese musste er jeden Abend dem Stadtschreiber zur Kontrolle übergeben und wieder in Empfang nehmen. Die Schlüssel zur Kontrolle waren an sieben verschiedenen Orten im Städtli angebracht: Im Äuli am Haus von Wegmacher Jakob Ruffner, im Schellenberg am Stall von Johanna Meier-Bernhard, Unter der Linde am Stall von Anna Kuoni-Metz, im Winkel am Haus von Martha Büsch, in der Kruseckgasse am Haus von Andreas Fittler, in der Spitalgasse am Rothüsli und in der Lurgasse am Torkel von Hans Stäger. Während jeder Stunde der Wacht, die von 23 bis 03 Uhr dauerte, war die Markierung der Uhr mit sämtlichen Schlüsseln vorzunehmen. Zur typischen Ausrüstung eines Nachtwächters gehörten ganz früher eine Hellebarde oder eine ähnliche Stangenwaffe, eine Laterne und ein Horn (Feueralarm).

Breiter Aufgabenbereich

Der Maienfelder Nachtwächter hatte unter anderem nächtliches Herumschwärmen, Störung der Ruhe, Frevel und Vergehungen, das Ausschälen von Türken oder auch das Rauchen auf und in den Ställen sofort und «ohne Nachsicht» dem Gemeindepräsidium zu melden. Das Schleizen von Hanf in und auf den Ställen war nur mit geschlossenem Licht gestattet. Auch jede Schlägerei, welche sich in öffentlichen Wirtshäusern oder in Privathäusern ergeben sollten, hatte er zu «beobachten» und wenn möglich «Frieden zu stiften» oder nötigenfalls «Anzeige zu erstatten». Um Mitternacht hatte er zudem mit dem Amtsweibel die Polizeistunden zu bieten und zwar «ohne irgendwelche Extraentschädigung». Schliesslich war diese für den Nachtwächter-Job mit 300 Franken pro Monat schon hoch genug angesetzt…!

Später übernahm der Amts- oder Stadtweibel gleichzeitig – zumindest noch teilweise – die Aufgaben des Nachtwächters. Bis 1982 stand während 36 Jahren Andreas Rehli-Pleisch als letzter Maienfelder Stadtweibel im Einsatz.

M. Schnell