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Maienfeld
19.02.2021

Virus-Filter auch in Arztpraxis und Altersheim

Arnold Frick und Luzi Hartmann sind überzeugt, mit dem «Multi-Absorber» einen zukunftsweisenden Beitrag in der Bekämpfung der Corona-Pandemie leisten zu können (auf dem Bild fehlt Adolf Frick) (v.l.). Bild: M. Schnell
Nach den positiven Erfahrungen mit dem Luftreinigungsfilter «Multi-Absorber», welcher probehalber in einem Maienfelder Schulzimmer aufgestellt worden war, sollen nun weitere Tests in einer Arztpraxis und später auch einem Altersheim folgen.

In den letzten Wochen war in der Kreisschule Maienfeld ein Feldtest mit einem neu entwickelten Luftreinigungsgerät durchgeführt worden. Der «Multi-Absorber» saugt Umgebungsluft an und reinigt diese in einem ersten Schritt mittels Ultraviolett-Bestrahlung (UV-C) von Aerosolen. In zwei weiteren Schritten durchströmt die Luft einen medizinischen Aktivkohlefilter sowie einen Micropor-Partikelfilter. Mit dem 2300 Franken teuren und etwa schrankgrossen Gerät (90×200) lässt sich die Raumluft von bis zu 100 Quadratmeter grossen Räumen von Viren, Bakterien, Allergenen und Feinstaub reinigen.

Kooperation mit Neoxan AG

Einwickelt wurde der «Multi-Absorber» von der Liechtensteiner Neoxan AG – einem Unternehmen, welches sich auf den Bau von Filtersystemen und die Feststoffverbrennung für Industrieanlagen spezialisiert hat. Die beiden Firmeninhaber Adolf und Arnold Frick (Vater und Sohn) hatten sich aufgrund der aktuellen Situation Gedanken gemacht, wie Räume von Viren gereinigt werden könnten. Test- und vertriebsmässig unterstützt werden sie dabei vom Maienfelder Ingenieur Luzi Hartmann (Götti von Arnold Frick). «Die Corona-Pandemie dauert jetzt schon über ein Jahr, weshalb solche technischen Innovationen natürlich interessant und willkommen sind», erklärt Hartmann gegenüber dem P&H. Er war es denn auch, welcher den Feldtest in der Kreisschule in die Wege geleitet hatte.

Erste Erfahrungen

Die Auswertung in der Kreisschule Maienfeld (Sekundarschulklasse) ist laut Arnold Frick insgesamt positiv ausgefallen. Das marginale Geräusch der Filteranlage habe nur wenige gestört und die Mehrheit hätte eine gute oder bessere Luftqualität festgestellt. Trotzdem habe man das Gerät schallmässig weiter optimiert. «Es wurde noch besser isoliert und verfügt zudem über eine Reinigungsleistung von zwei Stufen. So kann während sehr anspruchsvollen Situationen, wie beispielsweise Prüfungen, die Stufe 1 gewählt werden, wodurch praktisch nichts mehr zu hören ist.»

In der Kreisschule Maienfeld wurde die Luftreinigungsanlage einem ersten Feldtest unterzogen. Bild: M. Schnell

Viele Anwendungsgebiete

Aufgrund der positiven Erfahrungen werde man die Tests nun auf eine Arztpraxis und später nach Möglichkeit auf ein Altersheim ausweiten. «Selbstverständlich gibt es noch unzählige weitere Anwendungsgebiete. Überall dort, wo Menschen in geschlossenen Räumen zusammentreffen, kann der ‹Multi-Absorber› eingesetzt werden», so Frick. «Wir haben bei der Entwicklung bewusst darauf geachtet, dass die Installation unkompliziert und binnen eines einzigen Arbeitstages erfolgen kann. Auch die Investitionskosten sollten möglichst ein breites Spektrum ansprechen.»

Test in Arztpraxis

Der Arztpraxentest ist im Medizinischen Center Maienfeld vorgesehen. Gemäss Rico Rieder, Vorsitzender der MCM AG, will man den Entwicklern die Chance geben, ihren «Multi-Absorber» in der realen Umgebung einer Arztpraxis zu testen und dessen Wirksamkeit unter Beweis zu stellen. «Bevor wir ein solches Gerät selber anschaffen oder das installierte behalten, möchten wir anhand seriöser Vorher-/Nachher-Messungen die Wirksamkeit aufgezeigt erhalten.» Sollte der Absorber zu einer Verbesserung der Luftqualität beziehungsweise zur Reduktion der Viren- und Keimbelastung – in Relation mit dem Sauerstoffgehalt der Luft – beitragen, könne er sich den Einsatz dieses Geräts durchaus vorstellen, stellte Rieder in Aussicht.

Seriöse Messungen

Für diese Vorher/Nachher- und Dauerbetriebsmessungen prüft Hartmann den Beizug der Eidgenössischen Prüfungsanstalt EMPA, welche mit entsprechenden Gerätschaften ausgerüstet ist. «Aufgrund des grossen Potenzials, die ein solcher Absorber hat, sind auch wir selber an seriösen Messergebnissen interessiert. Die Einsatzmöglichkeiten sind enorm, nicht nur während der gegenwärtigen Pandemie», ist Hartmann überzeugt. Als kleines Beispiel nannte er die Eliminierung von Blütenpollen, wovon entsprechende Allergiker mit Heuschnuppen profitieren könnten. «Zudem kann damit allenfalls in Räumen das Maskentragen relativiert werden, welches aufgrund des Einatmens von eigenem CO2 ja nicht unumstritten ist.» (ms

ms