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Zizers
21.02.2021

Standortbestimmung nach 20 Jahren Tardisland

Das Tardisland hat in den letzten 20 Jahren eine enorme und erfeuliche Entwicklung verzeichnet.  (Foto: M. Schnell)
Das Tardisland hat in den letzten 20 Jahren eine enorme und erfeuliche Entwicklung verzeichnet. (Foto: M. Schnell) Bild: M. Schnell
Vor Zwanzig Jahren wurden die Weichen für das Industrie- und Gewerbegebiet Tardisland gestellt. P&H sprach mit Mitinitiant Leo Jeker und weiteren Tardis-Beteiligten über die erfreuliche Entwicklung und anstehende Projekte.

«Nachdem die zuständigen Behörden der Gemeinden und der Kanton Graubünden die ihnen gemäss Reglement zustehenden Mitglieder des Verwaltungsrats gewählt hatten, fand am 28. März 2001 eine erste Aussprache zwischen dem Verwaltungsrat und den Vertretern der Politischen Gemeinde Igis und Zizers sowie der Bürgergemeinde Igis statt. An dieser Sitzung erfolgte die formelle Übergabe der Geschäftstätigkeit von den bisher zuständigen Gemeinde­instanzen an den Verwaltungsrat der von Tardis». So steht es im ersten Geschäftsbericht von Tardisland, welches damit bereits seinen 20. Geburtstag feiern kann. Die Weichen waren allerdings mehr als fünf Jahre früher gestellt worden: Eine vom Zizerser Politiker und Unternehmer Leo Jeker ins Leben gerufene Interessensgruppe, bestehend aus Ernst Nigg selig, Roland Tremp und Fritz Castelberg selig, traf sich im August 1995 im Landquarter Bahnhofbuffet zu einer Standortbestimmung und zur Bildung einer Arbeitsgruppe Erschliessung Industriegebiet «Ried». In der Folge waren es dann vor allem Nigg und Jeker, welche das Projekt gemeindeübergreifend weitertrieben.

Arbeitsplätze und Wertschöpfung

Der eigentliche Startschuss für die Ansiedlung neuer Unternehmen fiel laut Leo Jeker vor 16 Jahren: «Zuvor musste zuerst die Erschliessung mit Strassen, Brücken und weiterer Infrastruktur erfolgen. Dieser Schritt wurde mit einem Eröffnungsfest im Jahr 2004 gebührend gefeiert.» Nach einer gewissen und für Jeker durchaus nachvollziehbaren Anlaufzeit ging es sozusagen Schlag auf Schlag. Der erste «grosse «Wurf» mit dem Outlet-Village (heute Fashion Outlet) war nicht unumstritten, weil er aufgrund des grossen Platzbedarfs dem Credo von Tardisland widersprach, pro Quadratmeter möglichst viele Arbeitsplätze und Wertschöpfung zu schaffen. «Rückblickend hat sich dieses Bild aber weitgehend relativiert», stellt Jeker dazu fest. «Das Fashion-Outlet hat sich als grosser und wichtiger Arbeitgeber mit vielen Teilzeit-Stellen etabliert. Bezüglich des Platzbedarfs werden am nördlichen und südlichen Parkplatz noch Optimierungen und Umnutzungen erfolgen.»

Leuchtturm Integra

Inzwischen haben sich im Tardisland zahlreiche andere Unternehmen niedergelassen, die dem Credo der Initianten von Anfang an vollumfänglich entsprechen oder dieses gar übertreffen. Als Paradebeispiel nennt Jeker das im Tardisland und in Hudson (USA) beheimatete Unternehmen Integra biosciences AG, welches ein sehr starkes Wachstum verzeichnet, bereits über 30 hochwertige Arbeitsplätze schaffen konnte und sich weiteres Bauland gesichert hat. Im Endausbau will Integra im Tardisland mit seinem Campus bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen. Das auf Laborgeräte und Pipetten spezialisierte Unternehmen gehört weltweit zu den Top 3 seiner Branche (P&H vom Mittwoch).

Einer der Leuchttürme im Tardisland: In der Integra biosciences AG sollen dereinst rund 400 Arbeitsplätze entstehen. (Foto: M. Schnell) Bild: M. Schnell

Schaffung von Strukturen

Möglich geworden sei das Generationenprojekt Tardisland nur dank der Schaffung entsprechender Strukturen, betont Jeker: «Die Entscheidungsprozesse müssen schnell und unkompliziert und die Zusammenarbeit der betroffenen Nachbargemeinden eng und einvernehmlich sein. Mit einer Landzusammenlegung und der Schaffung einer öffentlich rechtlichen Anstalt konnten wir diese Voraussetzungen erfüllen und dem Tardisland den Weg zum Erfolg ebnen. Ernst Nigg, welcher sich an vorderster Front wohl am stärksten dafür eingesetzt hatte, durfte die Früchte seiner Vorarbeit leider nicht mehr erleben.»

Aktueller Stand

Zum aktuellen Stand bezüglich Umnutzung der Outlet-Parkflächen Nord und Süd äussert sich Tardis-Verwaltungsratspräsident Franz Hidber: «Die Parkfläche im Süden ist für die Erweiterung beziehungsweise Ergänzungen des Fashion-Outlet vorgesehen. Im Norden besteht nach wie vor das bereits kommunizierte Hotelprojekt. Wann und wie dieses realisiert werden kann, ist aufgrund fehlender Planungsmittel ungewiss.» Im Tardisland stehen derzeit noch 43 000 Quadratmeter Bauland zur Verfügung, mit welchen man laut Hidber äusserst «haushälterisch» umgehen will und bei der Vergabe sehr «wählerisch» ist. Dabei unterstreicht er das von Jeker erwähnte Credo der Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Hidber wird sein VR-Präsidium an der Generalversammlung von Ende März abgeben. Sein Nachfolger sei vor wenigen Tagen bestimmt worden, erklärte er auf eine entsprechende Frage, ohne einen Namen nennen zu wollen.

Weiteres Vorgehen

In einem nächsten Schritt soll das Land zwischen Autobahn A13 und Tardisstrasse erschlossen werden, was gemäss Richard Atzmüller, Leiter des Amts für Raumentwicklung, nicht ganz einfach sein dürfte: «So lange noch Bauland vorhanden ist und die Parkflächen im Norden und Süden nicht besser genutzt sind, kann eine solche Erweiterung bei den zuständigen Ämtern und Instanzen kaum genügend gewichtend begründet werden.» Seines Wissens sei in einem ersten Schritt die Erschliessung des nördlichen Teils zwischen Prättigauerstrasse (Nationalstrasse) und Outlet dafür angedacht. Auch dies sei nicht ganz einfach, weil dort verschiedene Gemeinden tangiert seien. Im Zusammenhang mit den von Hidber erwähnten fehlenden Planungsmitteln beim Parkplatz Nord weist Atzmüller auf die dortige Gasleitung hin. Diese Risiko-Konstellation erfordere spezielle Planungsgrundlagen und Gefahrenanalysen, was zu entsprechenden Verzögerungen führe. Schliesslich wolle man an diesem «Eingangstor» etwas Ansprechendes bauen und keinen Betonbunker», begründet Atzmüller die dortige Herausforderung.

M. Schnell