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Torp: «Ich war schon immer ein Glückskind.»

Frieder Torp veröffentlicht am 23. April sein Debütalbum «Time Flies» Bild: Yanik Bürkli
«Time Flies» heisst das Debütalbum von Torp, welches Ende April erscheint. Kopf der Formation ist der Musiker Frieder Torp. Dieser übersiedelte als Achtjähriger von Norddeutschland in die Schweizer Alpen. Er hat einige Jahr in Grüsch gelebt und auch die Mittelschule in Schiers besucht. Wie viel Prättigau in seinem ersten Album steckt und wie häufig sich der inzwischen in Zürich wohnhafte Musiker an seine alte Heimat erinnert, könnt Ihr hier lesen.

Gratulation zum neuen Album. Wie erleichtert bist du, dass das Ding endlich fertig geworden ist?
Sehr! Zwischendurch sah ich vor lauter Spuren keine Lichtung mehr und dachte, wenn das Ding fertig ist, renne ich raus auf den Hügel und springe in die Luft und schreie zum Himmel. Das tat ich auch. Es ist ein Meilenstein für mich. Ich hatte ja noch nie ein Album in Eigenregie gemacht und wusste zu Beginn auch gar nicht, wohin es führen soll. Viele Songs, die wir zu Beginn von TORP aufnahmen, schafften es nicht an die Öffentlichkeit. Nur das Resultat von einem Song überzeugte uns damals – das war die Single «The Wild». Es half nun, an vielen Songs zu arbeiten und so einen grösseren Bogen zu spannen und weniger in Details zu versinken.

Wie viele Stunden sind seit der ersten Idee für das Werk bis zum Endprodukt in etwa verflogen?
17‘500 Stunden. Von der Fahrt nach Berlin ins Studio bis zur Lieferung der fertigen CDs vergingen genau zwei Jahre. Die musikalischen Ideen gab es natürlich schon viel früher. Der Titelsong «Time Flies» war einer der ersten Songs, die ich schrieb. Das war im Jahr 2013.

In einer alten Bio von dir habe ich folgenden Satz gefunden: Umgeben von Kuhweiden lernte er Ländler, wurde Punk, spielte Gipsyjazz um schliesslich bei der akustischen Gitarre anzukommen und feinfühlige Songs zu schreiben. Wie prägend waren für dich die musikalischen Jahre im Prättigau?
Im Prättigau hat alles angefangen. Meine ersten Songs schrieb ich auf der Alp Sattel. Aber schon früher als kleiner Junge lauschte ich auf Suttersboden (eine Alp auf Grüsch Danusa) den Ländlerklängen aus dem Kassettenrecorder und wusste, dass ich das auch spielen will. So lernte ich Akkordeon. Mein Vater zeigte mir dann mit 14 Jahren den ersten Akkord auf der Gitarre und seither war es um mich geschehen. Das Prättigau prägte dann meine ganze Reise quer durchs Genre-Beet. Der Musikschule Prättigau und meinem Gitarrenlehrer Bosetto habe ich viel zu verdanken. An der EMS-Schiers gründeten wir dann in einer Pause kurzerhand eine Punkband und brachten die Bibliothek oberhalb des Proberaums zum Wackeln. Und mit der Gipsy- und Worldband Mala machten wir uns im Prättigau auch einen Namen. Good times.

Wie wichtig war es für dich, in unterschiedlichen Genres zu tüfteln, um deinen eigenen Stil zu finden?
Ich habe alles aufgesaugt, was mit akustischer Gitarre zu tun hat. Flamenco, Gipsyjazz, Fingerstyle und auch Bluegrass. Ich habe zwar keinen der Stile zur letzten Perfektion gebracht – dafür reicht ein Leben nicht aus – aber es waren wichtige Phasen und ich denke, sie machten mich ein bisschen zu dem, was ich heute bin. Obwohl ich Songwriter und auch Sänger bin, sehe ich mich in erster Linie als Gitarrist.

Welche Stile sind auf deinem Debüt vertreten?
Es ist ein Folk-Album. Aber jeder Song ist eine Welt für sich und hat andere Einflüsse. Sei dies Grunge, indische Musik, Tarantella, Country oder Progressive Rock. Aber alles subtil und verpackt im Folk-Gewand. Ich denke, niemand würde beim Hören an diese Stile denken.

«Ich höre praktisch nie meine Musik, nachdem sie mal abgeschlossen ist.»
Frieder Torp

Prättigauer Hörer kennen dich noch als Mitglied von Mala oder auch von der gemeinsamen CD mit Rico Punzi. Mit welchen Gefühlen hörst du heute deine Musik von früher?
Ich höre praktisch nie meine Musik, nachdem sie mal abgeschlossen ist. Vielmehr verbinde ich mit meinen früheren Bands Freundschaft und unvergessliche Erlebnisse an abgefahrenen Orten.

Du bist Berufsmusiker und normalerweise auch ziemlich unterwegs. Wie hart hat dich die Pandemie und die damit verbundenen Absagen von Veranstaltungen getroffen?
Ich war schon immer ein Glückskind. So auch hier. 2020 wollte ich nämlich sowieso mal etwas kürzer treten mit Musikjobs und hatte nicht viel geplant. Kurz vor dem Lockdown erhielt ich ausserdem eine Anstellung als Musiklehrer an einer Kantonsschule und die Kids dort geben mir frischen Wind. Ich kann mich also nicht beschweren. Andere hatten erstmal gar nichts.

Wie sehr fehlt dir das Livespielen?
Das Publikum, die Interaktion, die Energie bei Konzerten, Menschen kennenlernen, das fehlt natürlich schon.

Für dein neues Album hast du dir eine spezielle Aktion überlegt. Du überlässt es der Hörerschaft selbst den Preis für deine CD zu bestimmen. Wie kam es zu dieser Überlegung?
Ich war mit «We Invented Paris» auf Tour und Flavian gab seinen Fans diese Möglichkeit. Ich fand das eine super Idee.

Hast du nicht ein wenig das Gefühl, dass dies der Musik den Wert raubt?
Im Gegenteil. So setzen sich die Leute ja überhaupt erst damit auseinander, was ihnen das Produkt Wert ist. Ich bin überrascht, wie viele bereit sind, mehr als den üblichen Handelspreis zu bezahlen. Erst recht, wenn man die Entwicklung der CD-Verkäufe beobachtet. Man kann davon ausgehen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die CD ausstirbt. Ich denke, Musik wird nie an Wert verlieren, aber das Geschäftsmodell wird sich stetig ändern müssen. Auch wenn mir jemand fünf Franken für die CD geben will und Freude daran hat, ist mir das viel mehr Wert, als wenn sie auf meinem Dachboden verstaubt. Ich warte aber immer noch darauf, dass mal jemand 0 Franken in das Feld eintippt.

Wer sich ein Album mit erstklassig gestaltetem Cover mit Booklet, Fotos und Liedtexten ersteigern will, kann das hier tun: www.torpmusic.com/album

Christian Imhof