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Maienfeld
14.04.2021
14.04.2021 10:09 Uhr

Inega AG: zurück auf Feld eins

Die vor einem Jahr erstellte Pyrolyseanlage der Maienfelder Inega AG fiel am Sonntag dem Raub der Flammen zum Opfer. Bild: M. Schnell
Die zu Zindel United gehö­rende Inega AG in Maienfeld ist am Sonntag von einem Brandfall betroffen worden. Die Produktionshalle und der Pyrolyseofen wurden komplett zerstört.

Am 8. April 2020 war im Maienfelder Industriequartier der imposante Pyrolyseofen in die neu erstellte Produktionshalle der Inega AG eingesetzt worden. Am letzten Sonntag – und damit fast tags genau ein Jahr später – fiel das Herzstück des auf die Herstellung von Pflanzenkohle spezialisierten Unternehmens dem Raub der Flammen zum Opfer.

Grosseinsatz der Feuerwehr

Laut Mitteilung der Kantonspolizei Graubünden stand die um 6.25 Uhr alarmierte Feuerwehr mit rund achtzig Personen der Feuerwehren Herrschaft, Landquart und Bad Ragaz im Einsatz. Zur Absicherung der Einsatzkräfte war ein Ambulanzteam der Rettung Chur vor Ort. Im weiteren Einsatz standen die Kantonspolizei Graubünden und St. Gallen sowie ein Spezialist des Amtes für Natur und Umwelt. Beim Brand wurde die Produktionshalle zerstört und ein Fahrzeug total beschädigt. Weitere Fahrzeuge konnten von Angestellten zwar weggefahren werden, wiesen jedoch Sachschäden auf. Die Höhe des Sachschadens beträgt nach ersten Schätzungen über eine Million Franken. «Spezialisten der Kantonspolizei Graubünden untersuchen die Brandursache», heisst es in der Mitteilung weiter.

Herber Rückschlag

Für die Inega AG ist der Brand ein herber Rückschlag. Wie Geschäftsführer Gion Willi gegenüber dem P&H ausführte, seien Produktion und Vertrieb soeben richtig angelaufen und nun wieder auf Feld eins zurückgeworfen worden. «Mit der Landi und weiteren Abnehmern konnten wir in den letzten Wochen ein vielversprechendes Vertriebsnetz und eine breite Community aufbauen. Bis eine neue Produktionshalle gebaut ist, wird es aufgrund der individuellen Anfertigung des Pyrolyseofens zwölf bis fünfzehn Monate dauern.» Ob diese Halle wieder am selben oder an einem anderen Standort erstellt werde, stehe noch nicht fest und sei Gegenstand von Abklärungen. «Wir prüfen ohnehin den Bau weiterer Produktionsanlagen», so Willi. In Sevelen befindet sich bereits eine Produktionsanlage zur Veredelung von Pflanzenkohle zu Erdsubstraten sowie eine Lagerhalle mit einem Substratbestand, welcher die Versorgung vorerst noch abzudecken vermag.

Morgens um 06.25 Uhr ging bei der Feuerwehr der Alarm ein. Bild: zVg

Arbeitsplätze ungefährdet

Die Arbeitsplätze der 14 Mitarbeitenden sind laut Willi trotz des Rückschlags nicht gefährdet. Glücklicherweise sei man im Unternehmen mit verschiedenen Bereichen breit abgestützt. Im Bereich Pflanzenkohle werde man sich nun insbesondere auf die Forschung und Weiterentwicklung konzentrieren. Als Beispiel nennt der Inega-Geschäftsführer ein spannendes Projekt, bei welchem mit Nährstoffen beladene Kohlenstoffe mittels Luftdrucks gezielt in den Boden injiziert werden und damit unter anderem in Parkanlagen, Privatgärten oder Golfplätzen zum Einsatz kommen können.

Brandursache unklar

Zur Brandursache kann man laut Willi noch nichts sagen; erste Untersuchungen hätten jedoch ergeben, dass diese vermutlich nichts mit dem Pyrolyseprozess an sich zu tun habe. Tags zuvor war in Sargans der Ecohof des Sarganser Bauunternehmens Käppeli einem Grossbrand zum Opfer gefallen (Seite 8). Ob zwischen den beiden Bränden der Bauunternehmen- und Recycling-Branche ein Zusammenhang besteht, wird in die Untersuchungen einbezogen.

Bild: M. Schnell

Geschäftsfeld Inega

Das produziert die Inega AG: Pflanzenkohle entsteht, wenn Pflanzenreste in einer sauerstofffreien Umgebung zwischen 350 und 900°C erhitzt werden. Dieser Prozess wird als Pyrolyse bezeichnet. Das entstehende Produkt ist ein kohlenstoffreiches, poröses Material. Durch die hohe Pyro­lysetemperatur verändert sich der im Ausgangsmaterial vorhandene Kohlenstoff in eine stabilere Form (Karbonisierung). So wird der Kohlenstoff langfristig gespeichert und stellt eine Kohlenstoffsenke dar. Kohlendioxid CO2 wird gebunden und nicht in die Atmosphäre emittiert. Wenn bestimmte Merkmale erfüllt sind, lässt sich nach entsprechender Aufbereitung die Pflanzenkohle in verschiedenen Bereichen einsetzen, beispielsweise in Lebensmitteln, Kosmetika, der Landwirtschaft und der Umwelttechnik. Pflanzenkohle kann die Wasserspeicherkapazität von Böden erhöhen oder gebundene Nährstoffe den Pflanzen langsam bereitstellen. Durch die Bindung von Pestiziden oder anderen umweltkritischen Spurenstoffen im Wasser sowie von Gerüchen in der Luft ist sie vergleichbar einsetzbar wie technisch erzeugte, teure Aktivkohle. Als Tierfutterzusatz trägt Pflanzenkohle zu einer besseren Verdauung, insbesondere bei Rindern und Geflügel bei. Weitere Einsatzmöglichkeiten wie als Zuschlagstoff in Baumaterialien zur Feuchteregulation befinden sich in Entwicklung. Die hergestellten und analysierten Pflanzenkohlen erfüllen sämtliche Anforderungen des European Biochar Certificate (EBC). Die aus der Rezeptur und der Herstellungsweise entstandene Pflanzenkohle wurde durch die Inega AG markengeschützt (IGE) und trägt die Wortmarke INKoh.

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