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Maienfeld
01.05.2021
03.05.2021 08:14 Uhr

Mischgewebe veröffentlichen erstes Album

Mischgewebe veröffentlichen am 7. Mai das erste Album «Violet» Bild: Mindaugas Matulis
Mischgewebe heisst das Duo, welches aus dem St. Galler Bill Bühler und Melanie Danuser aus Maienfeld besteht. Am 7. Mai erscheint das erste Album der Band, die ihre Musik als Mischung aus Drone, Trip-Hop und Dream Pop bezeichnet. Wie das Werk «Violet» entstanden ist und wie sie es trotz abgesagten Veranstaltungen schaffen am Ball zu bleiben, könnt ihr hier im Interview mit Frontfrau Mel nachlesen.

Gratulation zum neuen Album. Wie glücklich seid ihr mit dem Ergebnis?
Ich glaube da gibt es nur eine richtige Antwort: Super mega happy! Sonst würden wir die Platte wohl nicht rausbringen. (Lacht.) Ich muss aber ehrlicherweise sagen, dass es sich schon auch ein kleines bisschen komisch anfühlt, diese für uns doch schon irgendwie älteren Songs jetzt rauszubringen. Es hätte ja schon viel länger passieren sollen und es war neben ultra viel Arbeit, auch ein langes Warten. Jetzt können und müssen wir das Album wieder ganz neu entdecken und schauen, wie das Publikum darauf reagiert. Ich glaube das ist wertvoll für uns alle. Aber natürlich haben wir bereits weiter gearbeitet, neue Songs geschrieben, ausprobiert, gelernt, getüfftelt, aufgenommen und weitergedacht. Musikalische Prozesse sind ja zum Glück nie wirklich fertig. Ein Album enthält ja einfach Versionen von Songs. Ich glaube speziell bei unserer Philosophie von Musik ist das ganz wichtig. Es ist zwar unser Debut-Album mit den dort platzierten Stücken, aber wenn wir sie live spielen, erfinden wir sie immer wieder neu. Das ist ja auch das so Wunderbare daran.

Wie lange habt ihr am Werk getüftelt?
Hmmm… Wir haben seit es uns als Duo gibt eigentlich immer einfach drauf los gespielt. So kam es, dass wir im ersten Jahr, also vom Sommer 2018 bis Sommer 2019 über 60 Konzerte gespielt haben, ohne die Songs wirklich geschrieben zu haben. Wir hatten ungefähre Ideen von Soundlandschaften, pre-sets von drum machines und das Thema, worum es im Song ungefähr gehen könnte. Betonung auf «könnte»! Haha.
Jedes Konzert war dann eine einzigartige Reise, ein Trip, mal besser mal weniger gut aber meistens war es ziemlich nice! Wenn wir live spielen ist es immer ein grosses Miteinander. Bill und ich, sowie das Publikum, alles beeinflusst sich gegenseitig auf eine extrem schöne Art und Weise. Natürlich klappt das nicht immer, aber oft! Wir haben uns dann entschieden aus unserem ganzen Material ein Album zu machen, die Songs in eine Form zu bringen, so, dass sie auf einer Platte einen Ort in einer gewissen Form finden können. Und dann haben wir ganz viel Büroarbeit geleistet, Geld angefragt, Menschen ins Boot geholt und sind für einen Monat in eine «Berghütte». Dort haben wir zusammen mit unserem für dieses Album ausgesuchten Produzenten die Songs ertüfftelt oder besser gesagt in eine Vinyl-Form gebracht. Aber der ganze Prozess von Songskizze bis nun jetzt alles finito ist, war schon ziemlich endlos. Es gab halt ultra viele Hürden, welche wir nicht haben kommen sehen. Von der Pandemie mal abgesehen. Wir machen alles selbst und reden überall mit. Das ist super spannend und super anstrengend zugleich. Vom Artwork über Videos bis zur Pressearbeit und der Merch-Produktion sind wir überall sehr tief mit drin. Bis vor einem halben Jahr hatten wir auch das Booking noch auf unserer Liste, zum Glück konnten wir das nun abgeben. Ich bin quasi ein kleines eigenes Mischgewebe-Büro und sitze in einer Schaltzentrale und schreibe unglaublich viele Mails… Wenn mich also jemand erreichen will, kann man mir einfach eine Mail auf mischgewebe@gmail.com schicken, da ist die Wahrscheinlichkeit eine Antwort zu bekommen wohl am Grössten.

Haha. Aber ja zurück zum Album: Ich glaube wir haben am Anfang nicht damit gerechnet, dass es soooo viel Arbeit wird und dann noch hundertausendende spontane Änderungen auf Grund von Covid-19. Aber jetzt ist es Zeit und unser Debut muss, soll und kann endlich raus!

2019 habt ihr den Newcomer-Wettbewerb bandXost gewonnen. Was hat sich seit dann alles verändert?
Nun ja, die Welt ist eine andere. Haha. Nicht unbedingt wegen dem Sieg bei bandXost, aber auch. Ich bekomme mehr Antworten und Anfragen von Medienschaffenden und eigentlich war ab dann das Konzertbuchen noch ein bisschen einfacher geworden, wenn nicht sogar ziemlich einfach. Vor allem aber hat es uns darin bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass wir trotz unserer super panierten Musik ein grösseres Publikum erreichen können. Bill und ich sind ein gutes Team und wir haben noch ganz viel vor. Wir sind ja immer noch eine sehr junge Band irgendwie und der Contest war sicherlich super, aber wir müssen jetzt nach vorne und weiter machen.

Nach den zahlreichen Absagen 2020, sieht auch dieses Jahr die Situation mit den Festivals düster aus. Wie sehr fehlt euch das Auftreten?
Ich würde es nicht so pessimistisch sehen, das macht nur schlechte Laune. Wir machen weiter. Punkt. Etwas anderes gibt es nicht. Natürlich fehlen uns die Auftritte sehr sehr sehr fest, aber wir schreiben grad viele neue Songs, probieren Dinge aus, ich hab mein Solo-Album (oder EP) angefangen aufzunehmen, Bill studiert Musik und gleichzeitig sind wir zusammen im Bandraum am auf unserer Musik abtrippen. Manchmal machen wir dies sogar im Tippi-Zelt-Scheunen-Studio, in Appenzeller-Häuser von Freund*innen oder bei wunderbaren Residenzen und tüfteln an neuem Material. Wir machen weiter, solange wir weiterhin so viel Freude am gemeinsamen Musizieren haben.

Wie motiviert ihr euch trotzdem weiterhin Vollgas zu geben?
Ich glaube darin sind wir ganz gut. Wir machen es ja, weil wir einen gewissen Groove, ein gemeinsames Interesse und gemeinsame Ziele haben. Zum Glück sind diese recht stabil. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich bin Musikerin und das will ich auch bleiben.

«Es gibt wichtigere Dinge zu besprechen, als das was so oder so schon unseren ganzen Alltag tangiert und in allen Medien und überall Überhand genommen hat. Gleichberechtigung, Psychisches Wohlbefinden, der Umgang mit unserer Welt und unseren Ressourcen, Ängste und Freuden, Beziehungen, Geschichten, Liebe, der schmale Grat zwischen Fiktion und Realität etc. »
Melanie Danuser von der Band Mischgewebe

Gibt es Lieder auf eurem neuen Album, die vom Coronafrust handeln?
Nein. Und das wird es auch nie geben. Haha. Es gibt wichtigere Dinge zu besprechen, als das was so oder so schon unseren ganzen Alltag tangiert und in allen Medien und überall Überhand genommen hat. Gleichberechtigung, Psychisches Wohlbefinden, der Umgang mit unserer Welt und unseren Ressourcen, Ängste und Freuden, Beziehungen, Geschichten, Liebe, der schmale Grat zwischen Fiktion und Realität etc. Es gibt so viel zu sagen. Mama mia! Zumindest bin ich schwer der Meinung, dass wir mal sicher momentan keine Songs brauchen, welche von Covid-19 handeln, es wird ja schon so viel darüber geredet.

Welche Konzertpläne habt ihr momentan oder lässt ihr das einfach auf euch zukommen?
Wir haben eine etwas grössere Tour im Herbst geplant. Zudem viele Festivals im Sommer. Die Grossen sind, oh Wunder, natürlich wieder abgesagt. Die Anzahl der Kleinen steigt jedoch und so hoffen wir, dass wir wenigstens ein paar davon spielen dürfen, das wäre ein DREAM!

Euer Stil ist recht einzigartig in der Region. Welche Acts haben euch dazu inspiriert respektive beeinflusst?
Ganz ehrlich, keine Ahnung. Bill hat ein sehr breites Verständnis für Musik und auch ich interessiere mich für diverse Sparten und Arten von Sound. Ich glaube unsere Offenheit und Lust am Experimentieren und Eskalieren macht unsere Musik zu dem was sie ist. Wenn ich dir anfange aufzuzählen was uns inspiriert, hat die Liste wohl kein Ende mehr…

Du bist hin und wieder auch solo unterwegs. Brauchst du diese zwei musikalischen Welten um deine ganze Kreativität auszuschöpfen?
Ich glaube um meine «ganze» Kreativität ausschöpfen zu können, bräuchte ich noch mehr Projekte, aber mein Tag hat halt auch nur begrenzt Stunden. Haha. Aber ja, es tut gut verschieden Projekte zu haben und sich auf diversen Ebenen ausdrücken zu können. Mein Solo-Projekt ist sehr sehr sehr persönlich. Es ist nah bei mir, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu nah, wenn nicht sogar schon grosser Teil von mir. Das ist beängstigend aber auch befreiend. Klingt paradox, ich weiss. Ich habe wie bereits erwähnt angefangen zusammen mit Dino Brandao, er ist übrigens ein bezaubernder und ultimativ mega talentierter Musiker, meine Solo-Songs aufzunehmen und dabei gemerkt, dass dieses Album oder diese EP wohl das persönlichste sein wird, was ich bis jetzt gemacht habe. Und auch mit einem anderen sehr tollen Musiker habe ich im vergangenen halben Jahr eine EP aufgenommen. Es geht also einiges. Aber ja, dazu später mehr! Hehe

Christian Imhof