Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Kanton
30.04.2021

Ursina: «Musik und Kultur müssten wieder stärker wertgeschätzt werden.»

Bild: zVg.
Heute erscheint das neue Album «When I Let Go» der Bündner Musikerin Ursina. Nach diversen Singleveröffentlichungen seit dem vergangenen Herbst, kommt jetzt der langersehnte, zweite Longplayer der inzwischen in Zürich wohnhafte Künstlerin. Wie die Arbeit daran war, warum sie welche Songs bereits vorab veröffentlicht hat und vieles mehr, lest ihr hier im Interview.

Gratulation zum neuen Album. Wie erleichtert warst du als du deine CD, respektive deine Platte zum ersten Mal in der Hand gehalten hast?
Erleichtert ist das falsche Wort dafür. Freude ist besser. Ich habe mich unglaublich gefreut. Das ist immer ein sehr besonderer Moment.

So eine Veröffentlichung ist auch immer ein Abschluss. Was sind die schönsten Erinnerungen an die Produktion deines neuen Werks?
Hinter mir liegen drei Jahre Arbeit an «When I Let Go». Das ist auch ein Grund, weshalb ich es trotz Pandemie und schwierigen Live-Bedingungen jetzt herausgebe. Es gibt viele sehr schöne Erinnerungen. Die Proben im viel zu kleinen Proberaum mitten im Sommer und der Sprung in die kühle Limmat danach. Die ersten Studiotage im Powerplay Studio in Mauer im kalten Dezember mit Baby im Bauch. Die Arbeit an den Vocals und unzähligen Backingvocals mit David Odlum in unserem Proberaum in Zürich. Der Moment, als die ersten Mixes angekommen sind. Das hören der Vinyl Testpressung.

Was war bei dieser Produktion anders als bei «You Have My Heart»?
Der ganz grosse Unterschied zu «You Have My Heart» sind die Musiker*innen, die alle ganz neu sind: Vojko Huter (Gitarre und Synths), Florian Egli (Bass, Saxophon, Flöten, Tasten), Rico Baumann (Schlagzeug und Perkussion), Luzius Schuler (Piano und Synths), Michel Spahr (Gitarre), Cégiu (Cello). Florian Egli war zudem beim Songwriting und der Produktion erstmals stark involviert. Auch das ist neu. Davor habe ich die Songs zwar immer mit der Band arrangiert, geschrieben habe ich aber alleine. Neu war auch die Zusammenarbeit mit dem irischen Produzenten David Odlum. Er ist sehr musikalisch und kreativ und ein Meister an den Reglern. Er hat unsere Band perfekt ergänzt.

Seit dem letzten Herbst hast du immer wieder mal neue Lieder in die Welt geschickt. Welches hat die meisten Reaktionen ausgelöst?
Schwer zu sagen. Für «Miu cor» habe ich sehr viele Reaktionen bekommen, vor allem aus der Rumantschia. Aber auch für die anderen Singles gab es viele Reaktionen, die mich sehr gefreut haben.

«Lay low», «Drown», «Miu cor», «Let Go», «Hold On» und «Feelings» sind schon draussen. Das sind doch einige Vorabsingles. Konntest du dich nicht auf zwei oder drei Tracks festlegen oder wolltest du möglichst deine ganze Bandbreite aufzeigen?
Das hat diverse Gründe: Seit der Veröffentlichung meines letzten Albums gab es fast keine neuen Veröffentlichungen mehr. Und während Corona konnten ich auch nicht live unterwegs sein und meine Musik unter die Leute bringen. Deshalb habe ich dieses Mal mehr Singles veröffentlicht, um so länger auf die Veröffentlichung des Albums hinsteuern zu können. Ich finde das eine gute Möglichkeit. Es müssen ja nicht immer nur zwei, drei Singles sein, wenn so viele gute Songs auf dem Album sind. ;-)

Auf dem Cover deines neuen Werks liegst du auf einem Stein. Wie oft plagt dich das Heimweh nach den Bündner Bergen?
Heimweh habe ich eigentlich nicht mal so sehr. Zürich ist ja nicht weit weg und so fahre ich immer wieder nach Graubünden.

Langsam, aber sicher ist es auch wieder möglich Konzerte im kleinen Rahmen zu geben. Planst du zum Album eine Plattentaufe oder wartest du noch einen Moment ab?
Ich warte noch etwas ab. Meine Bookerin ist dabei, Konzerte zu organisieren, ob es aber jetzt im Frühling wirklich eine Plattentaufe geben wird, ist noch offen. Eventuell verschieben wir das auf den Herbst und dann hoffentlich mit gemütlicheren Bedingungen und einem Bier zum Anstossen.

Vor wenigen Monaten bist du auf dem Programm des Ghost-Festivals gestanden. Wie wichtig sind solche Solidaritätsaktion gegenüber der Musikszene Schweiz?
Solche Aktionen sind wichtig und diese war einmalig und unglaublich erfolgreich. Die Initiant*innen haben einen tollen Job gemacht. Interessant ist aber auch, dass das Publikum für Solidaritätsaktionen sehr schnell bereit ist, das Portemonnaie zu öffnen, bei einem Konzertticket aber zweimal überlegt. Hier müsste grundsätzlich ein Umdenken stattfinden. Musik und Kultur müssten wieder stärker wertgeschätzt werden.

Christian Imhof