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Untervaz
12.05.2021
10.05.2021 10:47 Uhr

Bianca Lardi: «In der Natur hole ich mir Inspiration und tanke auf.»

«Die Kunst half mir dabei, Geschehenes zu verarbeiten und mich auf der Leinwand mit Farbe und Pinsel auszudrücken.» Bild: zVg
Bianca Lardi aus Untervaz liebt es zu Malen. Das Kreative begleitet sie nicht nur bei ihrem Hobby, der Acrylmalerei, sondern auch bei ihrer täglichen Arbeit als Grafikerin. Welchen Einfluss ihr Wohnort auf ihre Kunst hat, sowie vieles mehr lest ihr hier.

Wie hast du zu deiner Leidenschaft gefunden?
Das Zeichnen lag mir schon als Kind im Blut. Ich habe im Restaurant immer die Servietten vollgekritzelt oder am Rhein mit Wasserfarben Steine bemalt. Meine Grossmutter war ausserdem eine begnadete Porzellanmalerin und ich habe ihr viel fasziniert dabei zugesehen. Je älter ich wurde, desto stärker wurde die Passion zur Malerei. Vor gefühlt 20 Jahren tauschte ich dann Bleistift gegen Pinsel und die ersten Werke auf Leinwand entstanden. Meine Vorbilder dabei waren immer die Werke von Rudolf Mirer, Rolf Knie oder Dea Murk.
Durch einen Unfall und die nachfolgende Rehaphase hatte ich plötzlich viel Zeit für mich und ich habe mich intensiv mit meiner Kunst beschäftigt. Sie half mir dabei, Geschehenes zu verarbeiten und mich auf der Leinwand mit Farbe und Pinsel auszudrücken. Meine Werke wurden immer tiefgründiger, ein Spiegel meiner Seele.


Warum sind auf deinen Bildern häufig Steinböcke zu sehen?
Der Bezug zur Natur ist mir sehr wichtig und spiegelt sich in meinen Arbeiten wider. Ich lasse mich dabei von der Tierwelt inspirieren, von ihrer Kraft und ihrer Anmut. Für mich als Bündnerin ist das Wappentier, der Steinbock, dabei ein grundlegendes Element und taucht immer wieder in allen Varianten und Facetten in meinen Bildern auf, sei es auf der Leinwand oder auch auf Schiefer.

 

Bianca Lardi bei der Arbeit. Bild: zVg

Welchen Einfluss übt dein Wohnort auf deine Kunst aus? 
Für mich bedeutet Heimat der Ort, an dem mein Herz zu Hause ist. Und das ist definitiv im ländlichen Gebiet. Ich bin zwar in der Stadt aufgewachsen und habe auch lange in Chur gelebt, aber durch meine Tiere, früher mein Pferd und mein Hund war ich ständig in der Natur unterwegs. Dort hole ich mir Inspiration und tanke auf. Ich habe für mehr als ein Jahr in Zürich mitten in der Stadt gearbeitet und bin jeden Tag von Chur aus gependelt. Aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dort zu leben. Es war mir alles zu hektisch und zu oberflächlich. Ich brauche die Bodenständigkeit und auch die Einfachheit und Ruhe, das finde ich in Graubünden.

«Wir wurden in Untervaz sehr herzlich empfangen und aufgenommen. Ich fühlte mich schnell als ein Teil davon.»
Bianca Lardi

Du warst auch schon in Chur zuhause. Wie gerne lebst du inzwischen in Untervaz?
Wir sind vor zwei Jahren nach Untervaz gezogen. Ganz ehrlich: früher hätte ich mir das nicht vorstellen können, zu wenig Sonne. 😉 Das Klischee eben. Aber als wir uns dann nach einem Haus zur Miete umgesehen haben, war die Auswahl sehr bescheiden. Dann habe ich unsere Maisonette-Wohnung in einem 3-Familien-Doppel-Haus gesehen und wir waren sofort Feuer und Flamme. Jetzt habe ich mehr Sonne, als ich eigentlich wollte. Wir wurden in Untervaz sehr herzlich empfangen und aufgenommen. Ich fühlte mich schnell als ein Teil davon. Die schöne Aussicht und die Ruhe hier habe ich erst bemerkt, als wir schon eingezogen sind. Nicht, dass ich es in Chur unbedingt vermisst habe, aber jetzt möchte ich es nicht mehr missen. Den Strassenlärm haben wir durch Kuhglocken-Geläute ausgetauscht, aber das macht es so authentisch.

Welches Werk ist dein bisher stärkstes?
Ich habe mehrere Werke, die mir sehr am Herzen liegen, einige davon sind auch unverkäuflich. Einfach aus dem Grund, weil ich meine Geschichte auf der Leinwand wiederfinde, aber nur Menschen, die mir nahe stehen, vermögen sie zu deuten. Zum einen sind das meine Pferdebilder, «Mystic Beauty», «Seelenverwandte» und «Leo». Leo war mein Pferd, er starb leider vor 6 Jahren. Den Verlust verarbeitete ich in diesem Bild, ich brauchte ein ganzes Jahr, um es fertigzustellen. Mich immer wieder mit meinen Emotionen und Gefühlen auseinanderzusetzen war ein langer Prozess. Irgendwie ist Leo in allen meinen Pferdebildern verkörpert und wird es immer sein.

Ein anderes Bild ist «Dreamland», welches ich nach einer schwierigen Phase gemalt habe. Darin stecken so viele Emotionen, ich glaube, dass man das auf der Leinwand sieht. Auch wenn man nicht genau weiss, worum es geht. Die Farben sind sehr bedacht gewählt und spiegeln immer wieder mein Inneres nach Aussen. Es ist wie eine Art Tagebuch zu schreiben. Ich denke, dies zeichnet meine Bilder aus.

«Im ländlichen Gebiet hole ich mir Inspiration und tanke auf. » Bild: zVg

In welchem Bereich hast du noch Aufholbedarf?
Portrait ist leider gar nicht mein Bereich, ich würde es gerne besser können. Auch in der Tiermalerei sehe ich noch viel Potential. Meine Bilder sind alle eher abstrakt gehalten, weil mir das besser liegt. Aber ich staune immer wieder ab Künstlern, die Tiere so detailgetreu malen können, dass man es mit einer Fotografie verwechselt. Dem Tier den richtigen Ausdruck in die Augen zu zaubern finde ich dabei das Schwierigste. Ein Pinselstrich, ein Farbtupf am falschen Ort und schon ist der Ausdruck nicht mehr derselbe.

Dein Job und auch dein Hobby verlangen viel Kreativität. Wie oft konntest du durch deine Freizeitbeschäftigung beruflich profitieren?
Ich laufe mit offenen Augen durch die Welt, begegne immer wieder Kompositionen, die mich sofort ansprechen und fesseln, sei es ein Gemälde oder grafische Arbeiten. Ich fange diese Bilder dann mit meinem Handy fotografisch ein (ich habe einen ganzen Inspirationsordner auf dem Handy) und entwickle sie mit meinem inneren Auge weiter, zu etwas Eigenem. Ich spinne die Gedanken dann weiter und lege sie vorerst mal auf Eis. Arbeite ich dann später an einem entsprechenden Projekt, hole ich mir diesen kreativen Gedanken wieder hervor und arbeite ihn aus. Ich denke, ich habe eine gute Vorstellungskraft. Es ist oftmals nur schwierig, meine Gedanken dann auch aufs Papier zu bringen. Ich denke, man kann Kreativität, bzw. Techniken kreativ zu werden bis zu einem gewissen Punkt erlernen. Aber ein Grundtalent an Kreativität gehört schon dazu. Die Malerei hat mir sehr geholfen, meine Kreativität weiterzuentwickeln und gab mir ein sehr gutes Gefühl für Farben und Formen, was in der Grafik elementar wichtig ist.

Mehr Informationen zur Künstlerin finden Sie unter biancaneve.ch

Christian Imhof