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Küblis
27.05.2021

Nina Caprez: «Ich werde immer klettern.»

«Die Werte in diesem Sport sind inspirierend und bringen Leute zusammen.»
«Die Werte in diesem Sport sind inspirierend und bringen Leute zusammen.» Bild: Marc Daviet
Nina Caprez liebt ihren Sport, das Klettern. Die Kübliserin erklimmt Berge mit einer Leichtigkeit und Technik, was auch ausserhalb der Kletterszene für Begeisterung sorgt. So verwundert es nicht, dass über die Prättigauerin, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat, sogar schon ein Buch geschrieben wurde. An was sie denkt, wenn sie in der Wand hängt, welche Berge sie noch erklettern möchte, sowie vieles mehr, könnt ihr hier nachlesen.

Wie hat das bei dir alles angefangen mit dem Klettern?
Ich wollte das Gleiche machen wie meine zwei grossen Geschwister Cathrin und Arno und bin darum wie sie mit 13 Jahren in den SAC Prättigau beigetreten. Dort haben wir dann alles was die Berge anbelangt gemacht: Skitouren, Hochtouren, Bergsteigen, Klettern. Ich war begeistert.

War es immer gleich das Klettern oder auch das Bergsteigen?
Wie gesagt ich durfte am Anfang alles ausprobieren, aber beim Klettern hats mich schon mehr gepackt und ich wollte schnell Fortschritte machen und lernen.

Wann kam für dich der Moment, als du gemerkt hast, dass du dies auch beruflich machen könntest?
Das hat sich Schritt für Schritt so ergeben. Nach Abschluss der DMS in Schiers wollte ich einfach mal ein Zwischenjahr machen, um mich voll dem Sport widmen zu können. Ich habe zu dieser Zeit intensiv Wettkämpfe bestritten und habe mir mein Geld verdient mit Routenbauen und Barfrau in der Kletterhalle Chur. Als ich dann mit 22. mit dem Wettkampfsport aufgehört habe und mich so richtig dem Felsklettern und den hohen Wänden gewidmet habe, da hat meine Karriere so richtig angefangen. Mit der Begehung vom Silbergeier im Rätikon hatte ich den Schritt dann so richtig gemacht und ich konnte mein Einkommen durch Sponsorengelder verdienen.

«Es ist ein Sport, der mich lebendig macht und zeigt, wie simpel das Glück ist.» Bild: Marc Daviet

Klettern gehört jetzt nicht gerade zu den populärsten Sportarten in der Schweiz. Ist es für dich auch immer eine Mission für deinen Sport, wenn du eine Wand erklimmst?
Nicht wirklich. Ich schaue nicht wirklich was jetzt in ist oder nicht und geniesse es, wenn ich ehrlich bin, dass unser Sport nicht allzu «Mainstream» ist. Ich mag, dass es im Felsklettern keine Rangliste gibt und jeder sich seine Traumlinie und Limits aussuchen kann.

Welche Auswirkungen hatte Corona auf die Kletterszene?
Alle Kletterhallen waren (oder sind) noch zu, das hat dann die Leute dazu gebracht, mehr in die Natur zu gehen, was schön ist.

«Es ist ein Sport der mich lebendig macht und zeigt, wie simpel das Glück ist.»
Nina Caprez

Welche Magie übt deine Leidenschaft heute noch auf dich aus?
Die unglaubliche Nähe zur Natur. All die schönen Momente draussen, all die harten und schönen Momente. All die intensiven Emotionen. Es ist ein Sport der mich lebendig macht und zeigt, wie simpel das Glück ist.

Welche Ziele hast du noch als Sportlerin?
Mir liegt es sehr am Herzen, den Klettersport an Leute zu bringen, die weniger gut im Leben stehen. Die Werte in diesem Sport sind inspirierend und bringen Leute zusammen.

Gibt es noch unerreichte Berge auf deiner To-do-Liste?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine konkreten Berge oder Ziele. Ich habe Träume, wie immer, aber auch Zeit..:-)

Du bist 34 und doch gibt es schon seit 2018 eine Biografie über dich. Wie überrascht warst du als du für das Projekt angefragt wurdest?
Das Buch ist nicht wirklich eine Biografie, sondern eher ein Buch über all die Nina-Abenteuer. Es ist sehr humorvoll und menschlich. Ich bin nicht ein mega Fan von klassischen Biografien. Aber ein Buch zu machen ist immer etwas sehr Berührendes und Schönes.

Hast du dir selber eine Obergrenze gesetzt oder wirst du immer klettern?
Ich werde immer klettern. Keine Frage. Aber die Prioritäten werden sicher andere sein, was sie jetzt auch schon sind zu einem grossen Teil.

«Ich schaue nicht wirklich was jetzt in ist oder nicht.» Bild: Marc Daviet

Mehr Informationen zu Nina Caprez findet ihr unter www.ninacaprez.ch

Christian Imhof