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Region
19.05.2021
19.05.2021 08:49 Uhr

Circus Maramber tourt durch die Region

Bild: Christian Imhof
Ramona und Marco Berger aus Domat/Ems sind froh, dass es nach einem Jahr Stillstand endlich wieder los geht. Ihr grosser Lastwagen und die 15 Anhänger werden aktuell hergerichtet. Unübersehbar und prominent prangt auf diesen das Logo des Circus Maramber. Sie sind voll mit Zirkusutensilien, Tribünen und allerlei Baumaterial und kommen ab Anfang Juni endlich wieder zum Einsatz.


Gegründet hat das Ehepaar Berger den ersten Bündner Zirkus 2019. In der Adventszeit haben sie in der Oberen Au Chur für ein Zirkuserlebnis für die ganze Familie gesorgt. Neben der Vorstellung hätten sie auf einen üppigen, aber preiswerten Galadinner gesetzt, der das Spektakel in der Manege zusätzlich kulinarisch umrahmte. Die erste Aufführungsreihe sei sehr erfolgreich gewesen, was sie in ihrem Idealismus weiter bestärkt hätte, erklärt der 44-jährige Zirkusdirektor Marco Berger. Nicht nur die begeisterten Besucher, auch ein Blick auf den Medienspiegel zeigt, dass das Paar, das von ihren fünf Kindern fleissig unterstützt wird, mit ihrem Bündner Zirkus echt einen Nerv getroffen hat. Sie hätten schon diverse Pläne für die zweite Laufzeit geschmiedet, erinnert sich Berger schwärmend zurück, doch dann habe die Pandemie alles auf den Kopf gestellt.

Trotzdem unterwegs
Als die Schweiz in den ersten Lockdown ging, waren Ramona und Marco Berger bereit für ihre erste Tournee durch die Region. Laut Ramona Berger haben sie sogar die kompletten Visa von allen Artistinnen und Artisten besorgt gehabt, die Plakate gedruckt und auch die Ticketreservierungen haben Vorfreude aufkommen lassen. Doch es kam anders. Das Ganze wurde um ein Jahr verschoben, angefallene Kosten wurden vom Staat nicht übernommen und die ganze Werbung landete im Altpapier. Doch so schnell liess sich die Familie Berger nicht unterkriegen. Zu sehr brenne in ihnen das Feuer für die Manege. Marco sagt, dass nicht nur sie, sondern auch die Zuschauer es kaum erwarten könnten, endlich wieder mal etwas mit der ganzen Familie erleben zu können. Dieses Verlangen hätten sie schon gespürt, als sie für ein paar Tage probeweise das Zelt in Bonaduz aufgestellt hätten. Auch, wenn es dort nichts zu sehen gegeben hat, hätten sie es locker drei Mal pro Tag ausverkauft, wie Berger lachend erzählt. Auch, wenn sie aktuell nur gerade 50 Personen pro Vorstellung reinlassen dürfen, sei dies aber definitiv befriedigender, als gar nichts zu tun. Ihren Traum von der ersten Tour liess sie sich nicht mehr nehmen, auch wenn er immer noch auf weitere Lockerung bei den Besucherbegrenzungen hoffe. Ihr Zirkus sei angewiesen auf die Besucher, und da sie gerne ein Spektakel für die ganze Familie ermöglichten, seien ihre Preise doch sehr viel tiefer und humaner als bei der Konkurrenz. Beim Circus Maramber werde auf Atmosphäre statt Kommerz gesetzt. Für sie sei es wichtig, mit der Tour, welche gleich an vier Standorten in der P&H-Region gastierte, möglichst viele Menschen für die Magie der Zirkuswelt begeistern zu können.


25 Personen aus aller Welt
Es sei kein leichtes Geschäft, in dem sie tätig seien. Dies falle ihnen vor allem auf, wenn sie an einem neuen Ort einen öffentlichen Platz anmieten wollten. Das Vertrauen gegenüber Zirkusbetreibern sei nicht gerade gross, was vor allem dran liege, dass es in dieser Branche viele schwarze Schafe gebe, welche die Plätze in fragwürdigem Zustand zurücklassen würden. Ihre Mission sei es, das Bild von Zirkustreibenden wieder ins richtige Licht zu rücken und selber mit gutem Beispiel voraus zu gehen. Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler sei dieses Jahr auch alles ein wenig anders. Es gebe zwei Arten von Artisten: Die Einen, die wie sie unheimlich gerne unterwegs seien und für das Strahlen in den Augen der Kinder für einen Apfel und ein Ei mitkämen. Dann gebe es noch die Anderen, die versuchten die eingefahrenen Verluste vom letzten Jahr mit Mondpreisen zu kompensieren. Die Familie Berger ist bemüht, einen goldenen Mittelweg für die Artisten und sich zu finden, und wenn er das diesjährige Programm anschaue, sagt Marco, hätten sie da einige ganz gute Griffe getätigt. Auf der Tour, die den Namen «No risk, no fun» trägt, könne das Publikum verschiedene internationale artistische Darbietungen erleben. Für diese aufregende Zeit wachse die Zirkusfamilie auf 25 Personen an. Sie hätten an alles gedacht, was das Zirkusherz begehre. Es gebe eine liebevoll präsentierte Hundenummer, atemberaubende Luft-Akrobatik, Jonglage, herzerfrischende Clownerie und vieles mehr zu erleben. Sein persönliches Highlight des Programms sei eine Handstandnummer, wie Berger schwärmend erzählt.


Weihnachtszirkus wieder in Chur
Administrativ seien sie schon jetzt mittendrin. Während sie mit einem Auge immer auf die neusten BAG-Bestimmungen schielten, sei für sie auch klar, dass sie im Dezember nach der Tour wieder in der Oberen Au gastieren würden. Der Weihnachtszirkus sei schon eine ganz spezielle Angelegenheit, die sie gerne organisieren, sagt Ramona Berger. Dann sei das Zelt weihnachtlich dekoriert und wenn Corona dann vielleicht endlich weg sei, gebe es auch noch kulinarische Zugaben. Ebenfalls schon fix eingeplant sei eine weiterführende Tournee in andere Regionen und eine erneute Rundreise für das nächste Jahr. Die Familie Berger versucht mit ihrer Zirkustournee auf jeden Fall wieder etwas Normalität in unser Leben zu zaubern, was ihnen hoffentlich mit Bravour gelingt. Und vielleicht ist schon während der Tournee der Moment da, bei dem nur noch der Clown vorne in der Manege eine Maske trägt. Schön wäre es ja schon irgendwie.

Mehr Infos gibt’s unter www.circusmaramber.ch. Die Nummer der Tickethotline lautet: 079 516 65 97.

Christian Imhof