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Zizers
13.08.2021

Das Handwerk Weben im Dorf langfristig erhalten

Der Vorstand der Landfrauen Zizers.
Der Vorstand der Landfrauen Zizers. Bild: zVg
Der Landfrauenverein Zizers hegt und pflegt die ländliche Art und Kultur des Webens durch den Betrieb einer Webstube. Im Vereinslokal an der Hauptstrasse wird mit sieben Webstühlen dafür Sorge getragen, dass die Mitglieder ihrem handwerklichen Hobby nachgehen können. Dazu gehört die Instandhaltung und das Vorbereiten (Zetteln) der Webstühle, die Organisation der Belegung und die Vermittlung der Grundfertigkeiten im Weben. Der 1934 gegründete Verein hat das Ziel, die Webkultur im Dorf langfristig zu erhalten. In der gemütlichen Webstube mitten im Dorf stillen drei «Webstüblerinnen» unsere Neugier: Ruth Eugster, Präsidentin der Zizerser Landfrauen, Agnes Kaufmann, ehemalige langjährige Leiterin der Webstube und Domenica Flütsch, aktuelle Web-stubenleiterin.

Ruth Eugster, Präsidentin der Zizerser Landfrauen, erinnert sich noch genau, wie sie zum ersten Mal mit dem Weben in Kontakt kam. «Ich war auf dem Zizerser Herbstmarkt, habe den Stand der Landfrauen gesehen und die schönen Sachen bestaunt. Kurz darauf stattete ich der Webstube einen Besuch ab und war begeistert. So fing ich mit Weben an. Das war vor sechs Jahren.» Eine ähnliche Faszination für das Weben entwickelte die aktuelle Webstubenleiterin Domenica Flütsch, ebenfalls am Zizerser Herbstmarkt. «Über viele Jahre habe ich dort immer den Stand besucht und gesagt: Das würde ich mir so gerne mal ansehen. Es dauerte über 10 Jahre, bis ich es endlich mal schaffte, mich auch zu melden. Ich durfte ausprobieren und fing direkt Feuer. Ohne zig Kurse und viel Theorie wurde ich von Agnes Kaufmann einfach an einen Webstuhl gesetzt und machte erste Versuche.»

Ein vielseitiges Handwerk

Auch wenn das Weben für alle Weberinnen ein Hobby bleiben soll, finde man bei ihnen einen einfachen Einstieg in das spannende und interessante Handwerk. Für Agnes Kaufmann gebe es viele Gründe, ihr Wissen weiterzureichen. «Das Schöne am Weben ist, dass es wohl ein altes Handwerk ist, aber unglaublich vielseitig und wahnsinnig wandelbar ist. Man kann sich austoben, von sehr traditionell bis sehr modern. In der Zizerser Webstube pflegen wir aber nicht eine Kunstform, sondern fertigen Dinge für den täglichen Gebrauch.» Für Ruth Eugster ist es auch ein Handwerk, welches den Umgang mit Textilien verändert, denn wer selber webe, erkenne, wie viel Arbeit in einem Stück Stoff stecke. Für Domenica Flütsch ist es auch die Pflege einer Tradition. «Früher gehörte das Weben oft zu den häuslichen Aufgaben, wie das Nähen oder Stricken, und man hat so viel wie möglich selber hergestellt. Ganze Aussteuern wurden hier gewoben oder meterweise Stoff für Kleidung und Trachten. Handwerk hat immer auch mit gelebter Tradition zu tun, mit Identität.» Obwohl es relativ komplex aussieht, wenn die Landfrauen ihre Webstühle in Gang setzten, laut Agnes Kaufmann sei das Weben selber keine Hexerei. «Aber die Technik, wie alles zusammenhängt, von den Pedalen über die Verschnürungen und die verschiedenen Schäfte, bis jeder Faden am richtigen Ort eingefädelt und aufgefädelt ist, das ist enorm kompliziert und anspruchsvoll. Wenn das aber steht, dann haben auch Anfänger schnell ein Erfolgserlebnis. Weben an sich ist keine Kunst. Aber das ganze Handwerk mit allem Drumherum ist es wohl.»

Auf solchen Webstühlen frönen die Zizerser Landfrauen ihrem Hobby. Bild: zVg

Generationensprung geschafft

Die Zizerser Landfrauen haben erkannt, dass etwas unternommen werden muss, wenn das Handwerk des Webens weiter-leben soll. Wie Eugster erklärt, seien sie zwar schon eingebunden bei den Bündner Landfrauen und unternähmen gemeinsam mit den Igiser Landfrauen Ausflüge. Aber Landfrauenvereine, die noch eine Webstube betreiben würden, gebe es in der Umgebung kaum mehr. Beim Weibeln um den Nachwuchs werde vor allem auf das Präsentieren der Waren am Zizerser Herbstmarkt gesetzt. Dieser findet am 18. September bereits zum 20. Mal statt. «Wahrscheinlich gibt es bei den Jungen nicht mehr viele, die wissen, dass es im Dorf eine Webstube gibt. Darum freuen wir uns auch sehr auf den Zizerser Herbstmarkt, wo wir mit unseren Websachen, mit Gebäck und Zwiebelzöpfen präsent sind und uns in Erinnerung rufen können. Das finden die Leute dann meist interessant und schätzen es auch, etwas Handgefertigtes aus dem Dorf zu kaufen.» An Nachwuchs zu kommen, sei anspruchsvoll, wie Eugster weiter ausführt. «Es ist auch bei uns so wie in vielen Vereinen, dass sich junge Leute nicht mehr so stark einbinden ins Konstrukt Verein. Aber dadurch, dass wir etwas herstellen, was man heimnehmen und nutzen kann, haben wir auch einen gewissen Vorteil. Wir stellen aber fest, dass das Interesse am Selbst-Herstellen und kreativen Schaffen wieder recht im Kommen ist, deshalb sind wir zuversichtlich.» Auch Kaufmann glaubt daran, dass auch in ein paar Jahren noch gewebt wird in Zizers. «Noch vor wenigen Jahren waren wir schon etwas besorgt, ob wir Nachfolger finden für die doch manchmal zeitintensive Aufgabe. Wir freuen uns sehr, dass wir nun diesen «Generationensprung» geschafft haben und damit auch der Betrieb der Webstube wieder für weitere Jahre gesichert ist.»

Der erste Web-Webshop

Die von den «Webstüblerinnen» hergestellten Produkte seien facettenreicher als man vielleicht denke, wie Flütsch sagt. «Wir machen das nicht aus Nostalgie sondern aus Freude an der Handarbeit. Gewebt werden auch flippige und moderne Sachen, da kann sich ja jede Weberin kreativ austoben, wie sie will. Die Kombinationsmöglichkeiten betreffend Material und Farben sind unerschöpflich. Das macht es so abwechslungsreich und spannend. Machbar ist alles. Bettwäsche, Vorhänge, Schals und Taschen, Tischdecken, Marendsäckli oder Geschirrtüachli. Je nachdem, welches Material auch immer die Weberin möchte, Lust hat oder mit den bestehenden Webstühlen möglich ist. Nur ein kleiner Teil der Produkte, die in der Webstube entstehen, gehen in den Verkauf. Das Meiste wird für den Eigengebrauch gewoben.» Die Webprodukte werden inzwischen nicht nur am Herbstmarkt, sondern auch im Web angeboten, wie Flütsch schmunzelnd erklärt. «Seit Neuestem haben wir auch eine Homepage und einen kleinen Webshop. Und zwar haben wir wohl den fast einzigen WAHREN Webshop. Oder müsste man in unserem Fall sagen: einen Web-Webshop?» Mehr Informationen dazu gibt’s unter www.webstube-zizers.ch.

C. Imhof