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Auto & Mobil
02.09.2021

Autokäufer müssen teilweise lange auf Neuwagen warten

Viele Autohändler sind von der Chipkrise betroffen und müssen die Kundinnen und Kunden mehrere Monate warten lassen.
Viele Autohändler sind von der Chipkrise betroffen und müssen die Kundinnen und Kunden mehrere Monate warten lassen. Bild: unsplash
Seit 1995 sind nicht mehr so wenige Neuwagen immatrikuliert worden wie dieses Jahr. Grund: die Chipkrise. Auch in Ausserschwyz sind Autohändler von den Lieferengpässen betroffen.

Erst der Handelskonflikt mit den USA, dann die erhöhten CO2-Abgaben, es folgte die Corona-Pandemie, wodurch Showrooms geschlossen werden mussten und Probefahrten nicht mehr möglich waren. Ausserdem war die Produktion heruntergefahren worden. Und jetzt also die Mikrochip- Krise. Es sind klitzekleine Bausteine für immer mehr unserer digitalen Konsumgüter: Chips aus hauchdünnen Halbleiterplatten. Einen solchen Chip herzustellen, dauert vier bis sechs Monate und kostet sehr viel Geld. Sie werden in Taiwan, Korea und in den USA hergestellt – China ist bei seinem Versuch, in der Halbleiterindustrie mitzumischen, bisher gescheitert. Im Jahr 2000 gab es noch 25 Mitbewerber in diesem Markt, heute sind es nur noch drei, die den komplexen Bedürfnissen nachkommen können: Intel, Samsung und TSMC.

Während der Coronakrise stieg die Nachfrage nach Elektrogeräten, weshalb mehr Chips für Handys und Tablets hergestellt wurden als für Autos. Und die Autohersteller fuhren ihre Chip-Bestellungen herunter. Jetzt, da der Chip-Markt boomt, kommen diese drei Unternehmen der Anfrage nicht mehr nach. So können auch die Autohersteller nichts produzieren, denn in jedem Auto stecken Mikroprozessoren: für Tachos, Türen, fürs Bremsen, für die Kamera, das Infotainmentsystem usw. Hinzu kommt, dass viele Hersteller auf Elektroantrieb setzen, wofür es nochmals eine Menge mehr Chips braucht. Zwar weiss niemand, ob sich Elektromobilität durchsetzen wird, doch wer nicht auf den Zug mit auf springt, könnte es später bereuen.

Braucht bis zu 18 Monate Geduld

Die ST Dynamics AG in Wollerau ist offizieller Vertreter der Marken Ford, Chevrolet, Cadillac und Dodge. Zudem importiert sie eigenständig Fahrzeuge aus den USA. Ford musste die Fiesta-Produktion einstellen, grössere Modelle laufen aber weiter. «Aktuell ist die Hälfte der Produktpalette von Ford stark vom Chip-Mangel betroffen », teilt Verkaufsleiter Sefik Dacic mit. Mit der Folge, dass Kundinnen und Kunden mehrere Monate auf ihren Neuwagen warten müssen. Bis zu 18 Monate lang müsse man für einzelne Modelle Geduld haben.

Noch keine Beruhigung in Sicht

Experten gehen davon aus, dass es erst 2023 eine Beruhigung geben wird. Zwar haben viele Hersteller ihre Produktion wieder hochgefahren, doch der Engpass hat Spuren hinterlassen. «Für uns als Händler ist das relativ schwierig zu beurteilen, weil die Hersteller mit Informationen zurückhalten », so Dacic. Bei Opel und Suzuki hält sich die Krise in Grenzen, wie Thomas Feusi von der First-Garage in Altendorf sagt. «Das Angebot kann die Nachfrage decken, derzeit müssen Kundinnen und Kunden maximal sechs Monate warten.» Die Unsicherheit sei aber gross. «Es ist im Moment unklar, in welche Richtung es geht.» Die langen Wartezeiten beim Kauf eines Neuwagens haben auch Auswirkungen auf den Occasionsmarkt. Zwar verschiebt sich die Nachfrage von Neu auf Gebrauchtwagen, doch haben die meisten Kundinnen und Kunden konkrete Vorstellungen, weshalb sie sich vielleicht doch eher gegen einen Gebrauchtwagen entscheiden.

vilan24/Anouk Arbenz, Redaktion March24 & Höfe24