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«Unser Potenzial an unverarbeitetem Holz ist enorm»

Bild: zVg
Die soeben erschienene Holzflussstudie für Graubünden im Auftrag von Graubünden Holz, der rechtlich unabhängigen, kantonale Dachorganisation der Bündner Wald- und Holzwirtschaft, liefert neue Einblicke in die Bündner Wald- und Holzwirtschaft für das Jahr 2020. Unter anderem wurden dafür repräsentative Betriebe nach ihren verarbeiteten Holzmengen befragt, um zu beleuchten, wo Handlungsbedarf zur Unterstützung der Branche besteht.

Die Analyse der Holzmengen, die im Kanton Graubünden geerntet oder verwertet werden, zeigt laut Medienmitteilung von Graubünden Holz, dass im Kanton 355 000 Kubikmeter Holz aus dem Wald entnommen werden. Der Energieholzanteil aus dem Waldholz beträgt 137 000 Kubikmeter oder 38,6 Prozent. Somit fallen 218 000 Kubikmeter als Sägerundholz oder Industrieholz an. Von diesen 218 000 Kubikmeter werden 191 000 Kubikmeter (88 Prozent) aus dem Kanton in die übrige Schweiz oder ins Ausland exportiert. Nur noch 26 000 Kubikmeter (zwölf Prozent) vom Rundholz finden den Weg in eine Bündner Sägerei. Daraus würden zirka 16 900 Kubikmeter fertige Schnittwaren hergestellt, schreibt die kantonale Dachorganisation der Bündner Wald- und Holzwirtschaft weiter. Die Ausbeute liege bei etwa 65 Prozent. Diese fertigen Schnittwaren würden hauptsächlich in den Holzbau oder in die Schreinereien geliefert. Aus dem Ausland kauften die Holzbaubetriebe und Schreinereien 46 000 Kubikmeter Schnittwaren, Hobelware, Leimholz usw. ein.

Neuausrichtung gefordert

Graubünden Holz ist sich laut Mitteilung sicher, dass der massive Exportüberschuss an unverarbeitetem Holz das enorme Potential aufzeigt, das im Bündner Wald und Holz schlummert. Um es auszuschöpfen, sei eine Neuausrichtung der Wald- und Holzwirtschaft in Graubünden nötig, die auch die Anpassung der betreffenden Rahmenbedingungen beinhalte. Denn eine leistungsfähige Wald- und Holzwirtschaft sowie entsprechende Rahmenbedingungen seien für die nachhaltige und ressourceneffiziente Bereitstellung, Verarbeitung und Verwendung von Holz aus dem Bündner Wald wichtig. Massnahmen innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette sowie auf allen Stufen von Kanton und Gemeinden seien erforderlich, um den Wert und die Handwerkskunst rund um das Holz wieder aufleben zu lassen und stärken zu können, hält die Dachorganisation fest.

Wertschöpfung steigern

Durch Investitionen in die industrielle Produktion von Halbfabrikaten wie Holzwerkstoffplatten innerhalb des Kantons könnte die lokale Wertschöpfung um ein Vielfaches gesteigert werden. Damit wächst nicht nur der politische Einfluss der Akteurinnen der Region und Branche: Eine starke regionale Wertschöpfungskette dient auch der Unabhängigkeit von globalen Trends, die sich wie jüngst in starken Preis-Fluktuationen auf dem Holzmarkt ausdrücken, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. Zudem könne auch die dritte Verarbeitungsstufe, also Holzbaubetriebe und Schreinereien, von der regionalen Produktion von Holzprodukten profitieren. Graubünden Holz weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Kanton sowie die Gemeinden durch die Ressourcenpolitik Holz 2030 beziehungsweise dem Aktionsplan Holz 2021–2026 des Bundes dazu angehalten sind, in ihren Bauten vermehrt lokales Holz einzusetzen. Durch den aktuellen umweltpolitischen Diskurs auf Bundesebene bestehen zudem vermehrt Möglichkeiten, Drittmittel für Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Wald- und Holzbereich zu beantragen, um die regionale Wertschöpfungskette zu stärken und bestehende Lücken zu schliessen.

Kanton gefordert

Graubünden Holz arbeitet laut Mitteilung konzentriert mit allen Akteurinnen zusammen, um eine zukünftige integrale Wald- und Holzstrategie zu erarbeiten. Der ganzheitliche Ansatz – Gleichgewicht von Nutzungs- und Schutzaspekten – unter Berücksichtigung von relevanten Sektoralpolitiken wie zum Beispiel Klima-, Energie-, Biodiversitätspolitik usw. sei dabei ein wichtiges Element. Die Umsetzung der politischen Massnahmen, welche die Strategie ausführt, muss durch den Kanton erfolgen.

Dank der mit der Branche erarbeiteten Holzflussstudie könnten die politischen und operativen Notwendigkeiten mit einer soliden Datengrundlage unterlegt werden. Damit kann sich der Kanton der Sache annehmen, was schliesslich nicht nur den involvierten Betrieben und der Umwelt dient, sondern auch der Region, die durch die nachwachsende Ressource Holz attraktive und innovative Arbeitsplätze gewinnt, wie Graubünden Holz abschliessend schreibt. (ls/pd)

ls/pd