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Furna
21.09.2021
21.09.2021 10:37 Uhr

Walserspiele verbinden Generationen

Die beiden Furner Mannschaften.
Die beiden Furner Mannschaften. Bild: zVg
Im Zentrum der 2. Internationalen Walserspiele in Triesenberg FL standen so archaische Spiele wie Tschärattu, Botschärru, Mischlu und Holzsägen. Die Mannschaft aus Furna holte sich den Gesamtsieg.

Dem sportlichen Motto folgend, dass Teilnehmen vor dem Rang kommt, beteiligten sich 24 Teams mit je sechs Spielerinnen und Spielern an den 2. Internationalen Walserspielen. Sie trafen sich auf einer Matte neben den Alpställen in Steg in der Gemeinde Triesenberg; Walserinnen und Walser aus dem Lötschental, Vorarlberg, Prättigau, von Bosco Gurin und anderen Orten und massen sich in verschiedenen Disziplinen. Präsident Paul Schnidrig von der Internationalen Vereinigung für Walsertum entzündete feierlich während der Eröffnung das Feuer der Walserspiele 2021.

Die Idee, alte Spielformen neu zu beleben, hatten ursprünglich die Lötschentaler. 2019, vor dem Internationalen Walsertreffen im Lötschental, fand ein erster Wettkampf mit Walserspielen statt. Junge Triesenberger griffen diese Idee nun auf, übernahmen einige der Spiele und fügten neue hinzu.

Königsdisziplin ist das Tschärattu, eine altertümlichen Form des Hornussens, welche früher im Lötschental gespielt wurde und unserem Hürnä, wie es die Furner kennen, sehr ähnlich ist. Die gegnerische Mannschaft ist im Ries aufgestellt, die Schindeln in der Hand. Der Schläger legt den Tschärät auf den Bock. Jetzt geht es darum, das runde Holzstück mit einem Stockschwung so weit ins Feld zu schlagen, ohne dass die Fängermannschaft den Tschärat herunterholen kann, und der Schlag in die Wertung kommt. So weit tönt das alles ziemlich einfach, doch einfach ist es nicht, vor allem dann nicht, wenn man zum allerersten Male mit dem Schlagstock am Bock steht und den Tschärat dem Gegner um die Ohren schiessen sollte. Kurz konzentriert, kräftig draufgehauen und dann fliegt der Tschärat tatsächlich so halb, halb getroffen an den gegnerischen Schindeln vorbei ins Feld, ein Punkt. Es folgen die weiteren Mitspielerinnen und Mitspieler, und die sammeln weitere Punkte. Jetzt geht es zur zweiten Runde auf die andere Spielhälfte, zum defensiven Teil des Spiels. Den Tschärat mit der Schindel abzufangen sieht von aussen auch leichter aus als im aktiven Spiel. Dann wieder eine neue Runde am Abschlag. Diesmal hat sich der Gegner auf unsere Schlagstärke eingestellt. Man müsste jetzt variabel agieren, das Holzstück dort hineinschlagen, wo das Feld weniger gut besetzt ist, oder die anderen Spieler durch die Variation von Schlaglänge und Schlagrichtung überlisten. Diese und andere giftige Finten stehen wahrscheinlich im Taktiklehrbuch für Geübte. Aber für Anfänger sind schon die Hälfte der möglichen Punkte gar nicht so übel.

Auf jeden Fall hat es Spass gemacht. Richtig gut gelaunt geht es weiter zu den anderen Disziplinen. Auf das Tschärattu folgen die nicht weniger urchigen Botschärru und Mischlu. Das Botschäru ist dem Pétanque ähnlich. Statt mit Stahlkugeln wird einfach mit handlichen Steinen gespielt. Beim Mischlu geht es darum, mit einem kurzen Stock die in zehn Meter Distanz aufgestellten Rundhölzer umzukegeln. Ebenfalls etwas altväterisch war das Holzsägen mit der Waldsäge. Das ging tüchtig in die Arme und plötzlich spürte man Muskeln, wo man ihre Existenz gar nicht vermutet hätte. Pfeilbogenschiessen und ein Hindernisrennen mit einem Leiterwagen rundeten den Disziplinen-reigen ab.

Zwischen den sportlichen Einsätzen blieb genügend Zeit, die Geselligkeit mit jüngeren und älteren Teilnehmern aus den Walsergebieten zu pflegen. Dem jungen OK-Team ist es gelungen, den Zusammenhalt unter den Walsern zu stärken und das Interesse am Walsertum bei Jungen und Junggebliebenen zu wecken. Überhaupt steckten die Organisatoren enorm viel Herzblut und Engagement in die Durchführung der Walserspiele. Jederzeit war die grosse Gastfreundschaft und Herzlichkeit zu spüren. Selbst als es mitten während der Wettkämpfe in Strömen zu regnen begann und kaum mehr aufhörte, kam keine Hektik auf. Man hatte alles im Griff.

Die Siegermannschaft von Furna mit dem Organisationskomitee der 2. Walserspiele, dazu der Triesenberger Gemeindepräsident Christoph Beck (rechts) und OK-Präsident Michael Mella (2. von links). Bild: zVg

Furna I holt sich den Gesamtsieg

Ruhm und Ehre holten sich erneut die Furner. Wie schon bei den ersten Spielen im Lötschental schwang das Team Furna I (Furna nahm mit zwei Mannschaften teil) von allen 24 Mannschaften obenaus. Souverän verwiesen sie gleich beide einheimischen Teams der Feuerwehr Triesenberg auf die Plätze 2 und 3 (Rangliste auf: www.walserspiele.li). Auf Rang 4 folgt bereits das 2. Team aus Furna. Die Furner um Erwin Bärtsch bestachen dabei nicht nur in ihrer Stammdisziplin, dem Hürnen (respektive Tschärratu), sondern beispielsweise auch im Bogenschiessen!

Nächste Walserspiele 2022 in Klosters

Das Feuer der Walserspiele übernahm Melanie Rieder, eine gebürtige Lötschentalerin, heute Oberstufenlehrerin in Klosters, an der Schlusszeremonie in Triesenberg. Sie nahm selber mit einem Team von Lehrerkolleginnen an den Spielen teil. Mit ihren Klosterser Schulklassen planen sie momentan die 3. Internationalen Walserspiele. Diese werden nächstes Jahr am Walsertag (11. Juni 2022) im Rahmen der 800-Jahr-Feier in Klosters zur Durchführung kommen. Von einer Teilnahme von Mannschaften aus Furna kann ausgegangen werden. Wer kann es mit ihnen aufnehmen?

pd