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Food
30.09.2021

Neustes WWF-Ranking: Schokoladenindustrie und Kosmetik enttäuschen beim Palmöl

Bild: Hans Eiskonen
Palmöl-Unternehmen machen zu wenig, um die mit dem Anbau verbundene Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. Das zeigt die heute vom WWF veröffentlichte Palmöl-Scorecard. Erfreulich ist aber, dass mit Coop ein Schweizer Unternehmen das weltweite Ranking anführt.
  • Die Gesamtergebnisse der Palmöl-Scorecard sind enttäuschend: Die Unternehmen machen zu wenig, um ihre Lieferketten abholzungsfrei zu gestalten. Die Nachfrage nach Palmöl steigt und die Naturzerstörung schreitet in alarmierendem Tempo voran.
  • An der Spitze des weltweiten Rankings liegt der Schweizer Detailhändler Coop mit 22,4 von 24 möglichen Punkten. Die Migros verbessert sich von 13 auf 19 Punkte.
  • Die Schokoladeindustrie enttäuscht hingegen weiterhin. Ebenso der Non-Food-Bereich, der aus Schweizer Sicht das grösste Risiko für die Entwaldung und die Verletzung von Menschenrechten darstellt. 

Zitate Romain Deveze, Rohstoffexperte beim WWF Schweiz:

««Der Non-Food-Sektor (Kosmetika, Chemikalien usw.) in der Schweiz, auf den rund 40 Prozent der Palmölimporte entfallen, konnte erneut kein ausreichendes Engagement für nachhaltiges Palmöl vorweisen. Er stellt somit aus Schweizer Sicht das grösste Risiko für die Entwaldung dar.» »
««Auch die Schweizer Schokoladenindustrie enttäuscht: Trotz aller Bemühungen, ihre Kakaobeschaffung nachhaltiger zu gestalten, hinkt sie immer noch hinterher, was die Umweltverträglichkeit einer ihrer wichtigsten Zutaten betrifft.»»
««Lieferketten können dann abholzungsfrei gestaltet werden, wenn Lieferanten mit klaren Mechanismen zur Einhaltung der Vorschriften gezwungen werden. »

Palmöl-Unternehmen machen deutlich zu wenig, um ihre Lieferketten abholzungsfrei zu gestalten und Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Das zeigt die neuste Palmöl-Scorecard 2021 des WWF. Im diesjährigen Ranking erzielte kein Unternehmen die volle Punktzahl. Im Durchschnitt erreichen die Unternehmen lediglich 13.2 von 24 Punkten. Und mehr als ein Drittel der 227 vom WWF angefragten Unternehmen (85) nahmen an der Umfrage gar nicht erst teil. Das ist sehr enttäuschend, denn die Nachfrage nach Palmöl steigt und die Naturzerstörung geht in alarmierendem Tempo weiter.   Erfreulicherweise liegt mit Coop eine Schweizer Firma an der Spitze des weltweiten Rankings. Der Detailhändler erreicht als einziges Unternehmen mehr als 22 (von 24) Punkten. Coop bezieht fast sein gesamtes Palmöl-Volumen aus physisch zertifizierten nachhaltigen Quellen, auch für Nicht-Lebensmittel. Das Unternehmen hat zudem seine Transparenz verbessert, indem es sich klar gegen Abholzung und Menschenrechtsverletzungen verpflichtet und dies öffentlich kommuniziert. Auch investierte Coop über die RSPO-Zertifizierung hinaus in seine Lieferanten, insbesondere durch seine Arbeit an der Bio Suisse-Zertifizierung und dem Aufbau einiger spezifischer Feldprojekte in Produktionsgebieten. Im Vergleich zur letzten Palmöl-Scorecard 2019 hat sich auch die Migros verbessert - vor allem weil sie direkt vor Ort investiert hat, um die Produktion von nachhaltigem Palmöl mit Kleinbauern zu unterstützen. Die Migros erhält im Rating 19 Punkte.  

Schokoladenindustrie hinkt hinterher

Auffallend ist, dass die Schokoladenindustrie wie schon 2019 hinterher hinkt. So haben etwa die Schweizer Unternehmen Barry Callebaut und Lindt noch einen weiten Weg vor sich, um eine transparente Lieferkette zu gewährleisten. Ihre ehrgeizigen Verpflichtungen für nachhaltige Kakaobohnen sollten so schnell wie möglich auch für Zutaten gelten, wobei Palmöl mengenmässig bei weitem die wichtigste ist.   Und Clariant, ein führendes Schweizer Chemieunternehmen, das grosse Mengen an Palmöl einkauft, gehört in der Palmöl-Scorecard zu den verantwortungslosesten Unternehmen weltweit. Es hat keinerlei Anstrengungen unternommen, um verantwortungsvolleres Palmöl zu beschaffen. Mit einem so geringen Mass an Verantwortlichkeit und Engagement trägt Clariant indirekt zu schlechten Praktiken vor Ort bei, wie z. B. illegale Landrodung und Menschenrechtsverletzungen.   Der WWF bewertete insgesamt 227 grosse Einzelhändler, Konsumgüterhersteller und Lebensmittelunternehmen aufgrund ihrer Verpflichtungen und Massnahmen zugunsten einer umweltverträglichen Palmölindustrie. Es handelt sich dabei um die bisher globalste Scorecard, welche Unternehmen mit Hauptsitz auf allen fünf Kontinenten umfasst. Dazu gehören bekannte Marken wie Carrefour, IKEA, L'Oréal, McDonald's, Nestlé und Walmart.

Mehr Information: Details zu den Ergebnissen, der Methodik und den Empfehlungen der Scorecard finden Sie auf https://palmoilscorecard.panda.org/ Die Leistungsprofile der einzelnen Unternehmen finden Sie unter https://palmoilscorecard.panda.org/#/scores

Hintergrund Palmöl-Anbau:

Die weltweite Palmölproduktion stieg von 15,2 Millionen Tonnen im Jahr 1995 auf geschätzte 62,9 Millionen Tonnen im Jahr 2017 an. Die Ausweitung des Palmölanbaus ist seit langem mit der Abholzung der Wälder verbunden. Eine Studie ergab, dass 45 Prozent der untersuchten Ölpalmenplantagen in Südostasien in Gebieten liegen, die 1989 noch Wälder waren. Der globale Handel ist verantwortlich für einen erheblichen Teil dieser Abholzung. Durch die Waldrodung für Palmöl wurden in einigen afrikanischen und asiatischen Ländern auch indigene Völker von ihrem angestammten Land vertrieben. Zudem bringt der Palmöl-Anbau teilweise auch Zwangsarbeit und andere Menschenrechtsverletzungen mit sich. Der Gesamtverbrauch von Palmöl in der Schweiz lag im Durchschnitt von 2015 bis 2019 bei über 63 000 Tonnen pro Jahr. Der WWF-Bericht «Risky Business: Deforestation and social risks in Switzerland’s imports of commodities» legt dar, wie Schweizer Importe von land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen die Entwaldung anheizen.

pd