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Luzein - St. Antönien
06.10.2021
07.10.2021 12:54 Uhr

Alter Strickbau gewinnt «Sonderpreis Schreiner»

Porträt des umgebauten  historischen Strickbaus auf einer Alp oberhalb von St. Antönien.
Porträt des umgebauten historischen Strickbaus auf einer Alp oberhalb von St. Antönien. Bild: Roland Tännler
Alle drei Jahre zeichnet der Prix Lignum die besten neuen Arbeiten mit Holz aus – vom Möbel über den Innenausbau bis zur ganzen Wohnsiedlung. Die rangierten Projekte in der Region Ost stehen für ländliche Themen. Der Umbau eines Alpgebäudes in St. Antönien, das feinfühlig für morgen ausgebaut wurde, belegte regional den 2. Platz und konnte national den «Sonderpreis Schreiner» einheimsen.

Zukunftsweisende Arbeiten mit Holz bekannt machen, das ist das Ziel des Prix Lignum. Der Preis wird in diesem Jahr seit 2009 zum fünften Mal gesamtschweizerisch und in fünf Preisregionen verliehen. Zugelassen waren Bauwerke, Innenausbauten, Möbel und Kunstwerke aus der Schweiz oder dem Fürstentum Liechtenstein, die zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. März 2021 fertiggestellt wurden.

Kluge Funktionalität

Auf Rang 1 in der Region Ost schaffte es das Landwirtschaftliche Zentrum Salez in St. Gallen. Das Gebäude des st. gallischen Architeken Andy Senn ist laut Medienmitteilung ein Leuchtturmprojekt des ökologischen Bauens. Es schliesse das Ensemble städtebaulich überzeugend ab und gebe den Boden des Vorgängerbaus dem Ackerbau zurück. Das Haus nutze die Vorteile von Holz auf allen Ebenen aus, von der Struktur im Grundriss bis zur Stimmung in den Räumen. Die reduzierte Architektur trumpft mit kluger Funktionalität, genauen Details und hohen Räumen auf, wie es weiter heisst. Das Kunst-am-Bau-Projekt lässt die traditionelle Schindelkunst hochleben. Auf nationaler Ebene gewinnt das Landwirtschaftliche Zentrum in Salez den silbernen Prix Lignum 2021.

Erinnerungen verdichten

Rang 2 belegte der Umbau eines historischen Strickbaus, der auf einer Alp oberhalb von St. Antönien liegt und im Inventar der Denkmalpflege aufgeführt ist. Dieser wurde in den 1970er-Jahren zum Ferienhaus umgebaut. Nun haben Nickisch Walder Architekten aus Flims das Haus mit wenigen präzisen Eingriffe wieder näher an den ursprünglichen Zustand herangeführt und den neuen Bedürfnissen angepasst, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. Der Umbau zeuge von grosser Liebe zum Bestand und zum Detail. Dem neu organisierten Grundriss liege das traditionelle Wärmekonzept des Walser Hauses zugrunde. Die Architekten schöpfen das Potential des Holzes vielfach aus, wie Prix Lignum schreibt. Die Architekten zelebrierten das Bauen im und mit dem Bestand im Alpgebäude exemplarisch – ein Thema, das vielerorts anstehe. Alt und neu, roh und fein, grob behauen und liebevoll bearbeitet ständen ehrlich nebeneinander, ergänzten und bereicherten sich gegenseitig. Es entstände ein Reichtum an sinnlicher Erfahrung, der sich im dichten Gebrauch des Hauses widerspiegelte. Auf nationaler Ebene gewinnt der Umbau den «Sonderpreis Schreiner» zum Prix Lignum 2021.

Blick in das Innere des zum Ferienhaus umgebauten Alpgebäudes. Bild: Roland Tännler

Holztechnisches Können

Auf Rang 3 konnte sich der Neubau der Zimmerei und Schreinerei Marti im glarnerischen Matt platzieren. Die Marti AG Holzbau ist ein traditionsreiches Unternehmen, das seit 1903 im Glarnerland vom Tisch bis zum Mehrfamilienhaus in allen Massstäben baut. Während eines Grossbrands verschwand der Firmensitz 2017 in den Flammen. Der Ersatzneubau setzt an der Tradition an und führt sie fort. Die Familie Marti zeigt darin laut Prix Lignum ihr holztechnisches Können in allen Möglichkeiten und Facetten. Während Werkhallen oft belanglos detailliert seien, setze der Neubau auf Feinheiten – ohne den Bogen zu überspannen. Die Fassade sei sorgfältig entworfen, bis hin zu den Ecken des Gebäudes. Sie sei klug materialisiert und schenke dem konstruktiven Holzschutz grosse Beachtung. Die Vorliebe des Bauherrn für Holz und seine Vielfalt setze sich in der Innenarchitektur fort. Die Büroräume sind alle gleich gestaltet, aber mit unterschiedlichen Holzarten ausgeführt: in heimischer Fichte, Eiche und Lärche, wie es weiter heisst. So mache die Firma ihr Können sichtbar, ohne dass die Architektur zum Materiallager verkomme. Holz sei stets im Blick, nicht zu aufdringlich und perfekt umgesetzt.

Fünf Anerkennungen

Fünf Werke in der Region Ost würdigt die Jury mit einer Anerkennung für den hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz. Diese sind die Primarschule Feld in Azmoos SG, das Einfamilienhaus La Casetta, Segnas, die Küche Chur – eine laut Mitteilung sorgfältig konzipierte Küche in einer renovierten Wohnung in der Churer Altstadt, das Internationale Höhentrainings- und Wettkampf-Zentrum in St. Moritz sowie das Haus Frasnelli in Bonaduz.

ls/pd