Home Region In-/Ausland Sport Agenda Magazin
Klosters - Saas i.P. - Serneus
21.10.2021
21.10.2021 09:14 Uhr

So sieht’s im Marktchäller aus.

Claudia Schawalder ist Chällerchefin und warmherzige Gastgeberin.
Claudia Schawalder ist Chällerchefin und warmherzige Gastgeberin. Bild: Domenica Flütsch
Fast schon ein Jahr lang gibt es an der Hauptstrasse in Klosters Platz ein Einkaufserlebnis der ganz besonderen Art: Den «Marchtchäller». Im grosszügigen Ladenlokal reihen sich insgesamt 16 hübsch gezimmerte Marktstände. Dicht bepackt mit Produkten aus dem Dorf laden sie zum wettersicheren Marktbummel.

Das Ladenkonzept vereint auf innovative Weise das typische Marktflanieren und Stöbern mit den Annehmlichkeiten eines Ladens und bietet einen reizvollen Mix aus Spezialitäten, Handwerk und Handarbeiten. Dabei wird jeder der Stände von einem anderen Anbieter bestückt, mittlerweile bieten schon über 30 Verkäufer ihre Ware an. 14 Stände sind fix übers ganze Jahr an Klosterser vergeben, zwei Marktstände sind für Gäste reserviert und wechseln monatsweise, der eine mit einem Angebot aus dem Dorf, der andere für einen Gast aus dem Prättigau. Das Angebot im Marchtchäller bietet für jeden etwas: Lebensmittel und regionale Spezereien, Kunst und Handwerk oder Geschenk- und Dekoideen. Lokaler einkaufen geht nicht, denn das ganze Angebot wird im Dorf und rundherum hergestellt.

Geballte Frauenpower beim Chällertrio

Hinter dem äusserst gelungenen und innovativen Ladenkonzept steht ein Trio mit geballter Frauen-Power: Die Lokaleigentümerinnen Andrea Anderegg und Bettina Schupp sowie die Marktleiterin Claudia Schawalder. Gemeinsam haben sie aus einer spannenden Idee einen Marktplatz für einheimische Produkte geschaffen, der sich in kürzester Zeit zu einem beliebten und gut besuchten Treffpunkt im Dorf gemausert hat. Wie es dazu kam? Am Anfang waren da zwei passionierte Marktbesucherinnen und eine leerstehende Ladenlokalität. Andrea Anderegg und Bettina Schupp hatten schon früh als Feriengäste ihr Herz an Klosters verloren und träumten vom eigenen Heim im «schönsten Ort von ganz Graubünden», wie sie es nennen. Im 2019 war es dann soweit, sie kauften sich eine Wohnung an der Landstrasse 157 und zügelten nach und nach Sack und Pack und die Schriften in die Berge. Das leere Verkaufslokal im Parterre beschäftigte die beiden, als treue Marktbesucherinnen am Wochen- und Weihnachtsmarkt und fleissige Marktfans generell entstand in geselliger Runde die Idee, die Ladenfläche als Markt zu nutzen. Ein Kaufangebot folgte und der Handel stand fest. Und wie der Zufall spielt, fand sich die bestmögliche Unterstützung in greifbarer, nächster Nähe. Claudia Schawalder, in Klosters daheim und im Prättigau aufgewachsen und bestens vernetzt, war seit ein paar Jahren als Hauswartin für die Liegenschaft verantwortlich. Die beiden Initiantinnen stiessen bei ihr an offene Türen und schnell fügte sich das experimentierfreudige Duo zum umsetzungsstarken Trio. Claudia Schawalder war Feuer und Flamme, als Kind im bäuerlichen Umfeld aufgewachsen, als Bauersfrau mit Erfahrung in der Direktvermarktung und einem breiten Netzwerk im Dorf flogen ihr die Ideen und die passenden Anbieter nur so zu. In kürzester Zeit mobilisierte Schawalder das halbe Dorf für die Idee Marchtchäller und baute mit viel Sinn für Stil und einem Gespür für das Besondere ein buntes, breites und spannendes Sortiment zusammen.

Bild: Domenica Flütsch

Geben und Nehmen. Und Mitnehmen!

Der Chäller soll für alle einen Mehrwert bieten, sei es als zusätzliches Einkommen durch den Verkauf, als interessante Einkaufsmöglichkeit, als sinnstiftendes Tun oder als ein Begegnungsort im Dorf. «Der Marchtchäller soll dem Dorf etwas zurückgeben. Wir sind hier so warmherzig aufgenommen worden und fühlen uns hier zuhause, wir möchten gerne etwas zu einem schönen Dorfleben beitragen» erklären die beiden Eigentümerinnen. Von Anfang an war deshalb auch klar, dass der Marchtchäller eine Platform werden soll für Erzeugnisse aus dem Ort. Wer einen Stand betreibt im Chäller, ist für die Ausstaffierung und Nachlieferung verantwortlich. Als Gegenleistung wird «Chällerarbeit» geleistet, jeder Aussteller hat Ladendienst für einen fixen Tag im Monat. Wer das nicht möchte oder kann, leistet ein kleines Entgeld. Jeder verdiente Franken fliesst zurück an die Standbetreiber, das ist den drei Frauen am Wichtigsten. «Am Anfang brauchte es viel Überzeugungsarbeit. Wir Walser sind eher skeptisch. Wenn etwas grosszügig ist, fragen wir uns, wo wohl der Haken an der Sache ist» meint Claudia Schawalder und schmunzelt. Die Skepsis legte sich schnell und Stolz und Freude ist bei allen «Chäller-Mitwirkern» gross.

So sieht’s im Marktchäller aus. Bild: Domenica Flütsch

Zeit für einen Café

Claudia Schawalder freut noch etwas anderes ganz besonders: Seit den Sommermonaten ist im Marchtchäller auch ein kleines, feines Café zuhause. Ein Umbau in der Küche ermöglichte die gastronomische Erweiterung des Angebotes und ihres Tätigkeitsfeldes. Jetzt ist Schawalder nicht nur sympathische, stilsichere Chällerchefin sondern auch warmherzige Gastgeberin. An Bistrotischen unter den Arkaden und im Chäller am gemütlichen Holztisch finden die Marktbummler Kaffee, Tees oder Süssgetränke, ein Bier oder ein Glas Wein und immer etwas Feines, Selbstgebackenes. Natürlich können auch die Spezialitäten aus dem Laden vor Ort konsumiert werden. Ein Besuch im Marchtchäller ist also was genau: Eine GenussKunstAusstellung mit Kaffeepause und Flaniergefühl? Oder eher ein EinkaufsKunstFlanier-Erlebnis? Auf jeden Fall ist es zu 100 % Klosters. Mehr Information finden Sie unter www.marchtchäller.ch.

D. Flütsch