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Maienfeld
21.10.2021

Eine «Gratwanderung» für die Pferderennen

Packendes Duell an den internationalen Pferderennen Maienfeld.
Packendes Duell an den internationalen Pferderennen Maienfeld. Bild: Ernesto Felix
Die Verantwortlichen des Rennvereins Maienfeld/Bad Ragaz ziehen ein positives Fazit der diesjährigen Pferderennen. Trotzdem gibt es Fragezeichen für die Zukunft -konkurrenzfähige Pferde auf das Rossriet zu locken, wird immer schwieriger. «Wir wollen aber weitermachen», sagt OK-Präsident Ruedi Niederer.

bahn des Maienfelder Rossriets dürfen auf eine lange Tradition zurückblicken. Die 64. Austragung ging an den beiden ersten Oktober-Wochenenden über die Bühne. In den letzten Jahren erlebte der organisierende Rennverein Maienfeld/Bad Ragaz aber immer wieder turbulente Zeiten. 2017 verhinderte Dauerregen an beiden geplanten Rennsonntagen eine Durchführung. Mit einem improvisierten dritten Sonntag, inklusive reduziertem Programm, kamen die Organisatoren mit einem blauen Auge davon. Im vergangenen Jahr musste der Traditionsanlass pandemiebedingt abgesagt werden.

In diesem Jahr wurden die Tore wieder geöffnet. Die 3-G-Regel machte es möglich. Rund 12 000 Zuschauer kamen insgesamt an den beiden Sonntagen. Eine ansehnliche Zahl, aber kein Vergleich zu den Vorjahren: Rund 20 000 Pferdesportfans pilgerten beispielsweise 2018 und 2019 nach Maienfeld. Als «zufriedenstellend» bezeichnet es OK-Präsident Ruedi Niederer. «Ich bin einerseits überrascht, wie viele Zuschauer erschienen sind», so Niederer, «aber andererseits verstehe ich nicht, dass trotzdem nicht mehr gekommen sind.» Experten prognostizierten ihm, dass rund ein Drittel weniger Zuschauer kommen würden. Dies nach den Erfahrungen anderer Grossanlässe dieses Sommers. «Ich habe es nicht geglaubt, aber scheinbar ist die Hemmschwelle, sich unter die Leute zu mischen, bei vielen immer noch gross», vermutet der langjährige OK-Chef.

Gemäss OK-Präsident Ruedi Niederer wird es zukünftig anspruchsvoller die Pferderennen zu organisieren . Bild: Ernesto Felix

Unterstützung auch aus St. Gallen

Über alles gesehen, ziehen die Organisatoren aber ein sehr positives Fazit. «Es waren zwei super Renntage», zeigte sich Bahnchef Alfons Zindel in einem kürzlich erschienen Beitrag auf TV Südostschweiz erfreut. In diesem antwortete Zindel aber auch auf die Frage, wie die Zukunft aussehe, «dass wir über die Bücher gehen müssen». Eine Aussage, die stutzig machte. Sind die Pferderennen in Maienfeld in Gefahr? «Nein», sagt OK-Präsident Niederer, «wir wollen weitermachen». Finanziell sei der Rennverein «im grünen Bereich». Auch dank der Unterstützung «ennet» der Grenze: Der Kanton St. Gallen, die Gemeinde Bad Ragaz und das Casino Bad Ragaz sponsern beispielsweise jeweils ein Rennen. Regierungsrat Beat Tinner übergab den Siegercheck des Grossen Preises des Kantons St. Gallen am ersten Renntag. «Ohne Unterstützung der Kantone Graubünden und St. Gallen wären die Pferderennen in Maienfeld nicht möglich», gibt Niederer unumwunden zu.

Gedanken müssen sich die Organisatoren aber im sportlichen Bereich machen. «Der Pferderennsport ist ein teurer Sport und eine Gratwanderung», erklärt der OK-Präsident, «vor allem im Hindernissport». Denn schnelle Pferde aufs Rossriet zu locken, sei eine aufwändige Sache, die nur über persönliche Kontakte laufe. Die Naturrennbahn in Maienfeld, wo während des Jahres Kühe und Pferde weiden, ist anspruchsvoll. Viele Pferdebesitzer fürchten sich darum, dass sich ihre teuren Tiere verletzen könnten. Nur fünf Pferde nahmen beispielsweise beim Grossen Preis von Maienfeld, dem längsten nationalen Crossrennen, in diesem Jahr teil. 2019 waren es nur noch zwei, da die Bahn nach einer langen Hitzeperiode knochentrocken war.

Immer wieder attraktive Sieger auf dem Rossried. Bild: Ernesto Felix
rve