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100 Genossenschafter:innen für das Hallenbad

Dank Peter Müller und der Hallenbadgenossenschaft Pany kann im Hauptgebäude der Feriensiedlung Traza wieder geschwommen werden.
Dank Peter Müller und der Hallenbadgenossenschaft Pany kann im Hauptgebäude der Feriensiedlung Traza wieder geschwommen werden. Bild: C. Imhof
In Pany konnte in der vergangenen Woche ein Grosserfolg gefeiert werden: Die Hallenbadgenossenschaft Pany erreichte nämlich die magische Anzahl von 100 Genossenschafterinnen und Genossenschafter, die durch ihren Anteilsschein das Hallenbad im Hauptgebäude der Feriensiedlung Traza an der Panyerstrasse am Leben halten.

Mitten im Dorf Pany steht ein Gebäudekomplex, welcher ursprünglich von Pfadfindern errichtet worden ist. Die Gemeindeverwaltung, die Bushaltestelle und auch der Volg sind nicht weit entfernt von dem Gebäude, welches trotz eines gewissen Alters immer noch tipptopp in Schuss ist. Man fühlt sich beim Betreten der Räumlichkeiten fast ein wenig an eine stillgelegte Jugendherberge erinnert. Im Erdgeschoss stehen beispielsweise grosszügig angelegte Essensräume, und man kann sich gut vorstellen, dass hier vor nicht allzu langer Zeit das Leben getobt haben muss. «Dieser Raum ist noch ausgeschrieben», sagt Peter Müller, Präsident der Hallenbadgenossenschaft Pany, «ich könnte mir gut vorstellen, dass hier irgendwann wieder mal ein Café einzieht, da die Lage wirklich sehr günstig ist und so im Sommer und Winter Gäste beim Warten auf den Bus bewirtschaftet werden könnten.» Doch das sei noch ein wenig Zukunftsmusik. Nägel mit Köpfen seien dafür im Keller gemacht worden, wie der Pensionierte erklärt.

Erfolgreiche Reanimierung

In der Tat. Als wir aus dem Lift steigen, sticht einem das Bjioux auf der rechten Seite bereits ins Auge. Durch eine Scheibe in der Wand sieht man das kleine, aber feine Hallenbad. «Auch, wenn es auf den ersten Blick nicht so gross wirkt, es hat alles, was es für Schwimmbegeisterte und Badegäste braucht», ist sich Müller sicher, «und auch für die Entspannung ist gesorgt, denn wir haben hier sogar noch eine Sitzbank mit Sprudeldüsen im Bassin.» Der kurze Gang weckt nicht nur wegen der alten Werbeplakate nostalgische Gefühle, auch der Umstand, dass Teppiche den Weg zum Bad säumen, lässt einen zumindest emotional zurück in die Vergangenheit reisen. Am Ende des Gangs steht links eine kleine Turnhalle, die sich ideal zum Fussballspielen eignet, rechts geht eine Tür zu den Umkleidekabinen. In der Barfuss- oder zumindest Badeschlappenzone ist viel Platz vorhanden. Die Infrastruktur ist modern und wird von einer Putzfrau sauber gehalten. 20-jährig ist das Hallenbad und doch hat es in dieser Zeit schon einiges erlebt. 2015 wurde es stillgelegt, da die Reka sich aus Pany zurückzog. 2019 wurde es durch die Gründung der Hallenbadgenossenschaft Pany wiederbelebt. «Obwohl das Bad nur für knapp drei Jahre stillgelegt war, mussten wir mehrere zehntausend Franken investieren. Vor allem im Keller, wo die ganze Chemie gelagert wird, hatten wir mit dem schnellen Zerfall zu kämpfen», erklärt Peter Müller. Doch inzwischen nach gut drei Jahren seien sie mehr als zufrieden, wie alles funktioniere. «Inzwischen wird das Hallenbad rege besucht. Sogar Schulklassen kommen hier in den Schwimmunterricht, und auch viele Familien schätzen die Privatsphäre und Ruhe. Hier kann man für eine Stunde Badespass haben, ohne an die Masken- oder Zertifikatspflicht denken zu müssen.»

Anteilsscheine statt Eintritte

Es sei sehr viel Fronarbeit, was seine Kolleg:innen und er hier «vor dem Mond rechts» leisten, erklärt Peter Müller. Die einzige Person, die bei ihnen etwas verdiene, sei die Putzfee. Da die Wartung von einem Hallenbad ins Geld gehe, habe man sich für ein ganz spezielles System entschieden. «Wir können hier nicht mit Eintritten wie in anderen Badis arbeiten, da die Personalkosten sonst explodieren würden. Bei uns kann man Genossenschafter werden und dadurch immer dann baden oder schwimmen gehen, wenn man Lust hat und das Bad auch gerade frei ist.» Der Anteilsschein kostet 1000 Franken, der jährliche Beitrag beträgt 300 Franken. Gesamt 1300 Franken für ein wenig Badeplausch in Pany klingen erstmal nach einem recht grossen Batzen, aber es werde nicht nach Personen, sondern nach Haushalten gerechnet, gibt Müller Entwarnung. «Wenn jetzt beispielsweise eine Familie mit zwei Kindern in ein Schwimmbad geht, sind schnell bei einem Besuch fünfzig Franken weg. Hier können alle vier von Ende September bis Mitte Mai immer gratis rein. Ausserdem haben wir die Regelung, dass auch Feriengäste hier freien Zutritt haben, wenn der Vermieter der Wohnung einen Anteilsschein besitzt. Und die Kosten für den Anteilschein sind ja einmalig, danach fällt nur noch der jährliche Mitgliederbeitrag an.» Dieses System scheint sehr gut zu funktionieren, was auch die hohe Zahl der Genossenschafter:innen zeigt. «Wir setzen auf die Selbstverantwortung der Leute und das Online-Reservieren hat sich auch recht schnell durchgesetzt. So konnte man hier immer schwimmen, auch als die anderen Badeanstalten wegen Corona Schutzmasken und Zertifikate forderten», erklärt Müller stolz. Der ehemalige Swissair-Mitarbeiter mit Wurzeln in Winterthur ist drauf bedacht, dass die Panyerinnen und Panyer nicht nur im Sommer im Nassen Spass haben können und greift dafür auch zu kreativen Mitteln.

Gewerbler für das Hallenbad

Letzte Woche habe er mal in einer Nacht darüber nachgedacht, ob man die Plättchen an der Wand des Hallenbads nicht auch mit ein paar lokalen Betrieben schmücken könnte. Unkompliziert wie er in der Vergangenheit den Volg, Emmentaler Käse und weitere um Badeutensilien für die Kleinen angeschrieben habe, liess Müller dann in der vergangenen Woche 400 Mails an unterschiedliche Firmen aus dem ganzen Prättigau raus. Die Reaktion der Geschäftstreibenden im Tal habe ihn als «Unterländer» selbst sehr überrascht. «Das Hallenbad scheint doch einen gewissen Stellenwert zu haben und 100 Franken für ein Jahr Werbung bei den Einheimischen und den Touristen ist für viele Firmen kein Problem.» Es sei schön zu sehen, dass das Hallenbad weiter bestehe und Pany dadurch ein bisschen belebt werden könne. Müller ist es vor allem wichtig, dass dies gemeinsam passiert und nicht die Arbeit von einem Einzelkämpfer ist. «Wenn ich in meinem Leben etwas gelernt habe, dann ist es folgendes: Man sollte nie ein Projekt wegen oder für die Leute, sondern miteinander realisieren.» Ebenfalls ein solches kleines Kollektivprojekt ist der Spielplatz neben dem Hallenbad, welcher einige Mit-
eigentümer gemeinsam an einem Wochenende angefertigt haben, wie Müller beiläufig erklärt. Wenn dieser Spirit des Gemeinsamen im Dorf weitere Kreise zieht, verwundert es auch nicht mehr, dass schon heute immer mehr junge Familien nach Pany ziehen und der Gemeinde so frisches Leben einhauchen.

cim