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«Beim Alpabzug geht mein Herz auf»

Monika Flütsch vor einem ihrer typischen Papierschnitte.
Monika Flütsch vor einem ihrer typischen Papierschnitte. Bild: C. Imhof
Noch bis am 19. April 2022 sind im Kulturstall auf Planätsch unterhalb Russna in Klosters Papierschnitt-Bilder von Monika Flütsch-Gloor ausgestellt. Ausgestellt sind dreidimensionale Werke, die zeigen, wie die Klosterserin mit ihrem ganz eigenen Stil die Kunstwelt im In- und Ausland erobert hat.

1958 erblickte Monika Flütsch-Gloor in Klosters-Selfranga das Licht der Welt. Schon früh sei sie ein Kind gewesen, dass sich gerne kreativ betätigt habe. «Ich glaube, ich hatte schon früh das Auge dafür, wie etwas aussehen sollte. Egal, ob ich jetzt ein Möbelchen zusammengestellt oder ein Bild gemalt habe, dieses Vorstellungsvermögen und das Gefühl für die richtigen Proportionen war irgendwie immer schon da.» Diese Gabe sei auch heute noch da und bevor sie den ersten Strich oder Schnitt setze, sehe sie ihr Bild schon genau vor ihrem inneren Auge.

Anfang als Lückenbüsserin

Ihre Scherenschnitte nennt die Künstlerin lieber Papierschnitte, denn sie arbeite seit jeher nur mit dem Messer. Als Kind habe ihr diese Art von Darstellung (schwarz/weiss) gar nichts gesagt. «Meine Mutter hatte damals ein Märchenbuch mit Scherenschnitten drin. Weil es ihr so gut gefiel, wollte sie es auch uns Kindern schmackhaft machen. Ich fand es eher öde.» Trotz diesem anfänglichen Zögern kam ich später doch noch auf den Geschmack und auch hier hatte die Mutter die Finger im Spiel. «Sie leitete damals als Mitinitiantin die Werkstube in Klosters, bei der Kurse angeboten wurden. Wenn dann wieder mal jemand ausgefallen ist, fungierte ich als Lückenbüsserin. So habe ich neben den Papierschnitten auch viel gemalt, mit Batik hantiert oder auch Porzellan bearbeitet.» 1996 kam der Punkt an dem Monika Flütsch das Schneiden von Papier in die engere Auswahl nahm. «Meine damalige Kursleiterin Susanne Schläpfer ermutigte mich an der Scherenschnittausstellung teilzunehmen, was ich dann auch tat. Die Kritiken der Juroren waren jedoch ziemlich vernichtend. Während die meisten Einsendungen klassische Motive zeigten, habe ich flippige Kühe mit Strapsen geschnitten. Damals wurde noch penibel darauf geachtet, dass der ganze Schnitt an einem Stück daherkommt, nicht auseinanderfällt und einer gewissen Tradition folgt.» Das Bild mit den drei musizierenden Kühen, das sie damals einreichte, wurde als Comic abgetan. Doch wegen dieser Kritik habe sie ihren Kopf nicht hängen lassen, denn anders als die Juroren fanden sich bei der Ausstellung immer viele Menschen vor ihren Werken, denen ihr Stil sehr zugesagt haben muss.

An ihren Bildern arbeitet Monika Flütsch gerne mal zwei Monate. Bild: C. Imhof

Verliebt in St. Antönien

«Heute ist alles ein bisschen offener und es sind nicht nur Silhouetten-Schnitte gefragt.» Was sich aber nicht verändert hat, ist die Gunst des Publikums. «Auch heute habe ich immer viele Aufträge, sodass meine eigenen Projekte hin und wieder auch hinten anstehen müssen.» Allzu gerne würde Flütsch mehr malen, hin und wieder auch selber eine Betonskulptur modellieren oder sich sonst kreativ ausdrücken, doch so ein Papierschnitt im Format 70 mal 100 cm nehme schon viel Zeit in Anspruch. «Wenn ich intensiv sieben bis acht Stunden an einem Werk arbeite, werde ich jeweils in gut zwei Monaten fertig damit.» Wenn man um diesen Arbeitsaufwand weiss, wird einem auch sofort klar, weshalb gewisse Papierschnitte von ihr gegen die 4000 Franken kosten. In ihrer über 25 Jahre andauernden Karriere sei das Prättigau immer eine wichtige Inspirationsquelle gewesen. Die ländliche Gegend und ihre Bewohner schaffen es auch heute noch Monika Flütsch zu begeistern. «Beim Alpabzug geht mein Herz auf. Wenn die geschmückten Kühe von Ascharina herkommen, braucht es keinen grossen Kommerz. Das ist einfach echt, eins zu eins wunderschön und inspirierend.»

Monika Flütsch hat seit jeher eine sehr gute Vorstellungskraft. Bild: C. Imhof

Wunschprojekt St. Antönier Portraits

In St. Antönien fühle sie sich zuhause und könnte sich auch nicht wirklich vorstellen wieder zurück nach Klosters zu ziehen. Auch wenn ihre Kühe es sogar bis nach China geschafft haben und dort ausgestellt wurden, hinter dem Mond links fühle sie sich pudelwohl. Auch der Umstand, dass sie ihre Kunst in der Freizeit praktizieren musste und nie komplett davon leben musste, sieht sie positiv. «Wenn ich davon leben müsste, wäre ich gezwungen wie am Fliessband zu produzieren und das ist überhaupt nicht meine Art.» Sie fühle sich frei und man merkt, dass sie neben dem Können auch sehr viel Liebe in ihre Werke einfliessen lässt, was ihren Werken eine gewisse Wärme verleiht. Dies spüren sicher auch ihre Kunden aus aller Welt, die sich gerne einen echten Flütsch-Papierschnitt in die Ferienwohnungen holen. Neben diesen Auftragsarbeiten gibt es da aber noch eine Idee, welche sie ganz gerne in naher Zukunft realisieren würde. Die bisher immer wieder verschobenen Wunschprojekte sind das Porträtieren der rund 350 Personen, die in St. Antönien wohnen. Das Kunstschaffende, die sich näher bei den Malenden als bei der Schnittszene fühlt, hat bisher dafür Konrad Flütsch-Gansner aus dem schwarzen Papier herausgeschnitten. Dieses liebevoll erstellte Kunstwerk voller entdeckungswürdigen Details lässt hoffen, dass Monika Flütsch bald mehr Zeit findet und weitere Originale porträtieren kann. Eine perfekte Möglichkeit zum Ausstellen findet sich schliesslich gleich im Post-Chäller Museum, welches im gleichen Gebäude wie ihr Atelier zu finden ist.

C. Imhof