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Grüsch - Fanas - Valzeina
19.05.2021
14.05.2021 13:49 Uhr

Nuts Cuts: «Ich liebe es Musik zu entdecken.»

«Natürlich vermisse ich die Openairs sehr, da dies für mich immer Highlights des Jahres sind. » Bild: zVg
Wenn es Corona nicht gäbe, würde Jan Edelbauer aus Fanas aktuell in der ganzen Schweiz für tanzende Menschenmassen sorgen. Wie der DJ, welcher den meisten eher als Nuts Cuts oder Smüde ein Begriff ist, die Zeit ohne Shows überbrückt, welchen Einfluss seine Wurzeln auf seine Kunst haben, sowie vieles mehr, könnt ihr hier nachlesen.

Wie bist du ursprünglich zum Auflegen gekommen?
Ich kam nach einem achtmonatigen Trip in den USA und Kanada mit etwas Restbudget nach Hause und kaufte mir meinen ersten Plattenspieler (Pioneer MK2) und einen Mixer (Stanton SA 3). Damals hatte ich noch nicht vor, in der Öffentlichkeit aufzulegen. Ich nannte es immer aktives Musik hören. Natürlich machte ich dann aber schnell meine ersten Scratch-Versuche. (mit der Platte  Luut und Tüütli – «Als chänteds Bärgä versetzä») Das bemerkte natürlich mein Umfeld und nach kurzer Zeit wurde ich über Ecken gefragt, ob ich nicht Bock hätte, für einen MC aus Chur (Flyn) als Live-DJ aufzulegen. Ich hörte mir dazumal seine Demos an und war sofort im Boot. Aus dem anfänglichen Konzert-DJing für Flyn, folgten Jams, MC Battles und kurz danach auch Partys. Die Partys habe ich dann zusammen mit LAXAP aufgelegt und so ist dann auch das DNZ DJ Set entstanden, mit dem ich einige Jahre unterwegs war, bevor ich alleine als Nuts Cuts unterwegs war. Inzwischen darf ich auf einige Live Shows mit verschiedensten Künstlern und auch unzählige Partys zurückblicken.

Erinnerst du dich noch an deine erste Party, bei der du für Stimmung gesorgt hast?
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, welche die erste war. Aber eine der ersten, an die ich mich noch sehr gut erinnere, ist eine der legendären Beatz-Partys in Bad Ragaz. Im Beatz durfte ich doch einige Male auftreten und konnte so meine ersten Erfahrungen sammeln. Danach kamen noch einige Events dazu für die Adrian Siegrist verantwortlich war. Er bot mir respektive uns (mit DNZ DJ Set) schon früh eine Plattform - Um ehrlich zu sein, wahrscheinlich zu früh für die Zuhörer. (lacht.)

Wie war es für dich als im letzten Jahr plötzlich Corona für diverse Veranstaltungsabsagen gesorgt hat?
Das war natürlich eine sehr einschneidende Erfahrung. Ein Unternehmen, bei dem sehr viel Herzblut und auch Geld drinsteckt, steht still. Am Anfang war es sehr schwierig für mich, insbesondere der Stillstand. Deshalb haben wir verschiedenstes auf die Beine gestellt. Einerseits habe ich zusammen mit Freunden aus Chur (City West Studios) Interviews, Konzerte und DJ-Gigs in die digitale Welt übertragen, andererseits habe ich mit meinem Label Straix Zoom-Partys veranstaltet, die wir mit der Unterstützung von diversen Clubs und Openairs (zum Beispiel Plaza Zürich, LWB Baden, Viva Chur, Openair St. Gallen) durchgeführt haben, bis hin zu einem wöchentlichen DJ- und Talk-Format auf Twitch mit DJ Ronfa aus Freiburg.


«In der Zwischenzeit versuche ich, das Beste aus der Zeit zu machen und ich bin viel mit dem Van und dem Fahrrad unterwegs und geniesse die neu gewonnene Freizeit.»
Jan Edelbauer aka Nuts Cuts

Normalerweise legst du im Sommer an den grössten Festivals auf. Wie ist es für dich wieder einen Sommer lang ohne Engagements auszuharren?
Der letzte Sommer war etwas schwieriger, obwohl wir im Sommer 2020 wieder kleinere Veranstaltungen durchführen konnten. In der Zwischenzeit versuche ich, das Beste aus der Zeit zu machen und ich bin viel mit dem Van und dem Fahrrad unterwegs und geniesse die neu gewonnene Freizeit. Aber natürlich vermisse ich die Openairs sehr, da dies für mich immer Highlights des Jahres sind.

Du bist als DJ häufig auf der Jagd nach neuer frischer Musik. Hast du dies ein wenig pausiert, da die Veranstaltungen aktuell ausbleiben?
Das Schöne ist, dass ich Musik nicht nur in meiner Rolle als DJ liebe, sondern auch als Smüde. Ich liebe es, Musik zu entdecken und damit auch neue Musik. Aber natürlich höre ich im Moment mehr Musik, die einfach meinem Geschmack entspricht, als Musik, die ich für den Club aussuche. Ein grosser Vorteil ist aber auch, dass die Überschneidungen hier sehr gross sind. Aber ich versuche trotzdem, in allen meinen Genres auf dem Laufenden zu bleiben, damit mir kein möglicher Club-Tune entgeht.

Du stammst ursprünglich aus Fanas. Welchen Einfluss hatte diese heile und auch ruhige Welt auf die Auswahl deines Jobs?
Das glaube ich kaum. Ich bin mit 15 Jahren von Fanas nach Klosters gegangen, um eine Lehre als Koch zu machen. Und während dieser Zeit, vor allem im Winter, war ich viel in Davos in der Bolgenschanze unterwegs und habe meine ersten «grossen» DJs und später auch meine Idole live gesehen. (Superstar DJ’s / Goldfinger Brothers) Ich glaube, das war der Einfluss, der mich zu diesem Beruf gebracht hat.

Am Anfang deiner Karriere hast du dich sogar noch Chlus Cuts genannt. Wie wichtig sind dir deine Wurzeln?
Ich denke, jeder wird von seinen Wurzeln beeinflusst. Aber ich denke, gerade als DJ ist man immer auf der Suche nach neuen Einflüssen, Kulturen und Vibes. Deshalb stehe ich 100% zu meinen Wurzeln, verwurzle mich aber immer gerne an neuen Orten.

Warum nennt man dich eigentlich Smüde?
Als ich in der dritten oder vierten Primarklasse war, war ich ein grosser Fanta 4 Fan und wie man das als Fan macht, rappte ich auch gerne die Texte selbst auf Kassette ein. Unter anderem auch den Song: «Vier Gewinnt», welcher den Text hat: «Der Smudo, der Smudo, ich bin der Smudo. Ich mache kein Karate und ich mache kein Judo. Mit dem Mikrofon als Waffe, kombiniert mit Gesang... » Ein, zwei Jahre später hatte ich natürlich kein Interesse mehr an diesem selbst gerappten Meisterwerk und ich überspielte es mit anderer Rap-Musik. Entstanden ist der Name aber erst als mein Bruder mit etwa acht Freunden in einem Mietauto, das dazumal nur ein Tapedeck hatte, zu einem Openair fuhr und die von mir geliehene Kassette hörte, auf der nicht alles überspielt wurde. Denn plötzlich ertönte meine Stimme mit den Zeilen: «Der Smudo, der Smudo, ich bin der Smudo.» Da war es dann geschehen, alle seine Freunde und später auch meine nannten mich nur noch Smudo. Später wurde aus Smudo, Smüde oder Smü.

Nuts Cuts ist auch als DJ der Band Hedgehog unterwegs. Bild: zVg

Du bist auch noch DJ in der Band von Hedgehog, wenn du nicht auflegst. Wie wichtig ist dir die Arbeit mit dem Kollektiv als Ausgleich?
Ich bin stolz, ein Teil dieser Band zu sein, auch wenn ich wegen des Club-DJings nicht bei jedem Konzert dabei sein kann. Es macht immer viel Spass, mit der Band unterwegs zu sein und vor allem, auf der Bühne zu stehen und das Publikum glücklich zu machen.

Ist dort bald wieder neue Musik in Planung?
Hedgehog arbeitet ständig an neuen Songs, ich denke, das ist Teil seines Lebenselixiers. Noch ist nichts Konkretes fertig. Aber wir haben die Proben wieder aufgenommen und freuen uns darauf, wieder auf der Bühne zu stehen.

Christian Imhof