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Küblis
23.06.2021

Vanessa Tarnutzer: «Meine Ziegen sind wie meine Kinder.»

Bild: zVg
Vanessa Tarnutzer singt für ihr Leben gern. Das ist auch der Bündner Musiklegende Michi Gertschen von Bündnerflaisch nicht entgangen. Im vergangenen Dezember haben die beiden erstmals gemeinsame Sache gemacht und das Lied «Memories» veröffentlicht. Wie es bei der Kübliserin weitergeht, was ihr neben der Musik noch wichtig ist und vieles mehr lest ihr hier im Interview.

Vanessa, wie war deine erste Berührung mit der Musik?
Ich stamme eigentlich aus einer eher unmusikalischen Familie. Hatte aber schon immer grosse Freude an der Musik. Ich habe von klein an die Songs, die im Radio liefen mitgesungen. Egal ob zuhause, im Auto oder sonst wo. Meine Eltern haben mich dann beim Prättigauer Kinderchor angemeldet und mir später dann auch Gesangsunterricht ermöglicht.

Wann hast du erkannt, dass dir die Musik mehr gibt als alle anderen Hobbys zusammen?
Mein «Entdecker» und Manager Rolf Rauber ermöglichte mir erste Auftritte in der Kirche. Dort merkte ich, dass ich Menschen berühren und ihnen Freude bereiten kann. Das gab mir eine grosse innere Zufriedenheit und ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Ich erinnere mich, dass ich «Hallelujah» gesungen habe und die Menschen tief ergriffen waren.

Vor ein paar Jahren hast du mal eine CD mit Coverversionen veröffentlicht. Wie wichtig war die für deine Entwicklung?
Es war schon immer ein Traum von mir meine eigene CD in den Händen zu halten. So entstand dann «First Way» mit 7 Coversongs. Ich konnte es zuerst fast nicht glauben, dass ich mit 14 Jahren diesen Traum verwirklichen konnte. Es spornte mich aber auch an, mich als nächstes an einen eigenen Song zu wagen.

Du hast bei Röbi in Conters aufgenommen und auch mit Michi Gertschen zusammen musiziert. Was kannst du von den beiden Profis alles mitnehmen für deinen Gesang?
Röbi Disch hat mir zusammen mit Rolf Rauber meinen ersten Traum ermöglicht. Ich fühlte mich sehr, sehr wohl bei ihm im Studio. Überhaupt durfte ich bei ihm das erste Mal «Studioluft» schnuppern. Ich war überwältigt von der ganzen Technik. Röbi hat mir geduldig alles erklärt. Bei ihm sah ich zum ersten Mal wie es in einem professionellen Studio zu und her ging. So kam schon der Wunsch auf weiterzumachen und auch an meiner Stimme zu arbeiten. Michi Gertschen ist ein genialer Musiker und Komponist. Seine Arbeiten gefielen mir sehr und so war für mich schnell klar, dass ich mit ihm meinen ersten eigenen Song realisieren wollte. Auch er hat mich ermutigt zum Weitermachen und an eigene Songs zu wagen. Zudem durfte ich durch ihn grossartige andere Musiker kennenlernen.

Vanessa Tarnutzer singt inzwischen im Hintergrund bei der Formation «Greco». Bild: zVg

Inzwischen bist du auch als Backgroundsängerin bei Greco dabei, gemeinsam mit Sandy Fetz. Wie ist es in einer solch grossen Band zu arbeiten?
Einfach meeeeegaaaa, wir hatten so eine schöne Zeit zusammen und haben uns direkt sehr gut verstanden. Es war mir eine Ehre, dass ich bei den neuen Songs von Sergio Greco mitsingen durfte. Er ist ein sehr lustiger Mensch und ein grossartiger Künstler Zudem durfte ich so liebe Menschen kennenlernen und neue Kontakte knüpfen. Es war einfach ein unvergessliches Erlebnis. Einer der ersten Songs die ich gecovert habe, war tatsächlich «Graubünda». Dass ich einmal die Sängerin Sandy Fetz kennenlernen und mit ihr zusammenarbeiten würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.

Neben der Musik bist du auch noch «Geisspüüri». Wie wichtig ist dir das als Ausgleich zur Musik? Meine Ziegen sind wie meine Kinder. Ich liebe sie über alles und möchte sie nicht mehr missen. Musik und meine Ziegen sind meine wichtigsten Hobbys. Ziegen sind einfach liebenswerte Geschöpfe, wenn sie einem auch manchmal auf die Palme bringen können. (lacht) Nach anstrengenden Tagen setze ich mich zu ihnen und kann wunderbar herunterfahren und mich erholen. Und das Heuen im Sommer ist sowieso die schönste Zeit im Jahr.

Dein erster Song handelte von Erinnerungen. Was sind die schönsten Anekdoten, die du bisher im Prättigau erlebt hast?
Das Prättigau ist meine Heimat. Ich durfte schon sehr viele Auftritte im Prättigau absolvieren, besonders die Kultournächte 2017 und 2019 in Klosters waren unvergessliche Erlebnisse aber auch «ein Abend mit Vanessa T.» 2018, im Kulturschuppen Klosters wird mir immer in bester Erinnerung bleiben. Schöne Erlebnisse hatte ich auch in der Natur, vor allem auch auf unserem Maiensäss unterhalb Madrisa, wo ich mich wunderbar erholen kann. Aber auch meine Ziegen bringen mich ständig zum Lachen. Ich staune immer wieder, wie schlau diese Tiere sind. Meistens um die Mittagszeit, wenn sie keine Lust mehr haben auf der Weide zu bleiben, brechen sie aus und kommen nach Hause in ihr Gehege und schauen einem ganz unschuldig an. (lacht)

Im vergangenen Jahr gab es nicht so viele Möglichkeiten öffentlich aufzutreten. Wie hast du die Zeit überbrückt?
Ja, leider wurden die meisten grösseren Auftritte abgesagt. Ich durfte aber kleinere Auftritte, vor allem bei Hochzeiten, Konfirmationen etc. absolvieren. Ich habe viel zu Hause gesungen und meine Stimme trainiert. Da ich momentan noch mitten in der Lehre bin, habe ich mich auch auf die QV-Zwischenprüfungen vorbereitet.

Wann findet dein nächstes Konzert statt?
Im Juni/Juli habe ich drei LAP-Feiern, dann stehen auch noch Hochzeiten an. Leider wurde das Gatschiefer-Openair, an dem ich dieses Jahr erstmals hätte auftreten dürfen, abgesagt. Ich freue mich auf die kommenden Auftritte und hoffe, dass sich die Corona-Situation nun verbessert.

Welche musikalischen Projekte verfolgst du aktuell?
Zurzeit versuche ich mich an einen neuen Song, für einen Menschen, der mir sehr, sehr viel bedeutet. Und dieses Mal voraussichtlich auf Deutsch.

Christian Imhof